Amazon bringt eigenen eBook-Reader

Ein Beitrag zum Themengebiet Off Topic, geschrieben am 19. November 2007 von Thomas Arndt

Das Internet-Versandhaus Amazon.com bietet in den USA einen neuartigen eBook-Reader names Kindle an, der auf der Technologie von elektronischer Tinte (E-Ink) basiert. Prominent ist das Prinzip etwa durch das Handy Motorola F3 geworden. Amazon selbst spricht davon, dass sich der schwarz-weiß-Bildschirm mit einer Auflösung von 600*800 Pixel wie echtes Papier lesen lasse.

Weitere Besonderheit: Das Gerät verbindet sich über eine Whispernet genannte Technologie mobil mit dem Internet bzw. den dafür vorgesehen Inhalten, dafür fallen keine Kosten an. Ein PC oder eine Wifi-Verbindung wird nicht benötigt.

Jetzt kommts aber: Für fast alle Inhalte, die man auf diesem elektronischen Buch lesen will, fallen Gebühren. 9,99 Dollar für jedes gekaufte Buch bei Amazon, 6 bis 15 Dollar sollen Zeitungsabos kosten (darunter auch die FAZ), Magazine gibts zwischen 1,25 und 3,50 Dollar im Abo. Sogar für das Abo von Weblogs verlangt Amazon 99 US-Cent, obgleich diese Amazon selbst nichts kosten.

Weiterer Kritikpunkt: Das Gerät sieht furchtbar aus. Als ich die Auspack-Bilder bei Technologie-Blog endgadget gesehen habe, dachte ich, ich wäre in den 80ern gelandet. Klobig, hässliches geldweiß und grau. Auch die offizielle Präsentation auf der Amazon-Website, macht keinen besseren Eindruck.

Ich vermute das Gerät wird aus den genannten Gründen ein Flop. Wer unterwegs Zeitungen lesen will ist mit einem kleinen Notebook und einer UMTS-Karte letztlich dann doch billiger dran. Wobei die E-Ink-Technologie faszinierend ist. Auf dieser Basis könnte ich mir in Zukunft sinnvolle und nützliche eReader vorstellen. Nur müssen dann auch die Preise für die Inhalte fallen.

Quelle: heise.de

Aust raus: SPON schweigt, Gehrs pöbelt

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedrucktes, Medienrauschen, geschrieben am 16. November 2007 von Thomas Arndt

Ein bisschen komisch ist das schon: alle schreiben darüber, dass Stefan Aust beim Spiegel gegangen wird, nur Deutschlands wichtigstes Internetnachrichtenportal nicht: Spiegel Online.

Wäre das so schlimm?

Stefan Aust war seit 1994 Chefredakteur bei Spiegel Online, sein Vertrag läuft am 31. Dezember kommenden Jahres aus und wird überraschender Weise nicht bis 2010, wie es wohl zumindest von Aust geplant war, verlängert.

Was sind die Gründe? Internernen Machtkampf verloren analysieren die meisten Medienjournalisten, zu viel um die Pferde gekümmert, pöbelt Oliver Gehrs, der schon viel früher Austs Weg gehen musste bei Stefan Niggemeier. Und bei der taz durfte Gehrs gleich auch nochmal ran.

Hoffen wir das Aust nach seinem “Rauswurf” nicht das gleiche Schicksal ereilt wie Gehrs.

Junge Freiheit führt freie Rede ein

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedrucktes, Netzwelten, geschrieben am 15. November 2007 von Thomas Arndt

Die konservative Berliner Wochenzeitung macht dem islamkritischen Weblog Polically Incorrect Konkurrenz: Ab gestern gibt es nun schon zwei Heimseiten im Weltnetz, auf denen auch Rechte Gebrauch vom Recht auf freie Rede machen dürfen, was in Deutschland ja normalerweise verboten ist ;)

Die Junge Freheit hat ihre Website relauncht und hat neben tagesaktuellen Nachrichten und Dossiers zu Schwerpunktthemen auch eine Kommentarfunktion eingeführt. Benötigt wird dazu lediglich eine E-Mail-Adresse, über die man sich registriert. Name und Wohnort müssen beim kommentieren genannt werden, können aber jederzeit verändert werden, was sicherlich noch zu einigen Irritationen führen wird.

“Mit der neuen Seite wollen wir noch schneller auf aktuelle Entwicklungen und Kampagnen reagieren können - mit Rückkoppelung auf die Print-Ausgabe”, heißt es dazu auf der Seite der Zeitung und: “Damit soll mittelfristig das größte konservative Nachrichtenportal im deutschsprachigen Internet entstehen”.

Zur Startseite der Jungen Freiheit.

Nachtrag: Max Schradin bei 9Live rausgeflogen?

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Blogosphäre, geschrieben am 8. November 2007 von Thomas Arndt

Wie ich gerade feststellen musste, wurde 9Live-Moderator Max Schradin vor zwei Wochen entlassen oder auch nur vorrübergehend entlassen. Ob er derzeit auf Sendung ist, weiß ich gar nicht (Laut wikipedia ist er bis Jahresende beurlaubt, arbeitet aber noch bei den Formaten für ProSiebenSat.1). Hintergrund war eine vermeintliche Beleidigung des ehemaligen Moderators gegenüber einem Berufskollegen. Schradin hatte diesen als “pädophil” bezeichnet und danach behauptet, er habe “adophil” gemeint.

Mehr dazu bei Focus Online.

Eine gute Übersicht über die Entwicklung des Falls bietet das Blog von Don Farrago.

In eigener Sache:

Ich selber hatte auf diesem Blog hier auch über den Fall geschrieben. Den entsprechenden Beitrag habe ich unsichtbar gemacht, nachdem sowohl ein Kommentator als auch ein jemand der sich als Schradins Anwalt ausgab in den Kommentaren mit möglichen rechtlichen Konsequenzen drohten. Da dieses Blog nicht kommerziell ist und daher auch kein Geld für eventuelle Auseinandersetzungen vorhanden ist, habe ich mich dazu entschlossen, erstmals einen Beitrag herauszunehmen. Wichtig: Ich weiß nicht, ob das wirklich ein echter Anwalt oder Schradins Anwalt war, aber die Abmahnungen die gelegentlich an Blogger gehen, machen ja vorsichtig.

Keine Kommentare hier. Falls mich jemand anschreiben will: Im Impressum steht die E-Mail.

Die Mariobarthisierung der TV-Unterhaltung

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, geschrieben am 5. November 2007 von Thomas Arndt

Mario Barth ist derzeit so erfolgreich, dass niemand, ob er will oder nicht, an ihm vorbei kommt. Manche Dinge sind deshalb so lustig, weil sie wahr sind. Und so muss es, obwohl mir das seit 27 Jahren völlig entgangen ist, wohl in weiten Kreisen der Bevölkerung so sein, dass die Klischees über Männer, über Frauen und deren Probleme miteinander zutreffen.

Es muss ja nicht jeder denselben Humor haben. Ich glaube zumindest nicht, dass es viele Leute gibt, die das hier witzig finden (Olaf Schubert: Knochenarbeit). Ich schon. Bei Mario Barth kann ich hingegen nichtmal schmunzeln.

Aber geschenkt. Es wäre alles halb so schlimm, wenn die sogenannten Mainstream-Komiker nicht plötzlich alle anfangen würden, über dasselbe zu reden: Männer und Frauen. Ich habe letzte Woche ausversehen die Comedy-Show mit Mario Barth gesehen; es war eine Ansammlung des Unwitzigsten, was deutsche Comedy jemals hervorgebracht hat: Mirja Bös, Ingo Appelt, Paul Panzer (dessen Radio-Sketche noch gut waren) usw. . Und alle reden über dasselbe Thema: Männer, Frauen, Vorurteile (oder deren Gegenpart: Mirja Bös fährt agressiv Auto, wie witzig). Selbst bei Nighwash hat sich das Männer/Frauen-Thema inzwischen wohl etabliert. Und wer nicht heterosexuell ist, findet bestimmt bei Hape Kerkelings Bühnenprogramm die gleichen Gags in anderer Konstellation. Langweiliiiiig.

Bisher ist das nur eine Beobachtung, vielleicht täusche ich mich ja auch. Aber kommerzielle Comedy funktioniert natürlich ausschließlich nach dem Kleinsten Gemeinsamen Nenner-Prinzip, also genauso wie Popmusik im Radio: Hauptsache die Mehrheit kann irgendwie lachen. So richtig wegschalten tut ja auch keiner, wen irgendjemand einen Gag darüber macht, dass Frauen nicht Autofahren können und Männer gerne Fußball schauen. Kennste? Is wirklich so passiert!

Wenns aber so weitergeht, wirds eng für die deutsche Comedy und die TV-Unterhaltung. Comedy-Konzentration nenne ich das, oder besser Mariobarthisierung: Das Ende der Vielfalt, das Ende der Innovation.

Die PI-Kampagne

Ein Beitrag zum Themengebiet Blogosphäre, geschrieben am 5. November 2007 von Thomas Arndt

Bei Stefan Niggemeier und einigen anderen läuft derzeit sowas wie eine Kampagne gegen das islamkritische Weblog “Politically Incorrect” (PI), die vermutlich dazu führen wird, das PI noch mehr Leser bekommt, als es ohnehin schon hat.

Viel Spaß dabei.

US-Serien gefährdet: Drehbuchautoren streiken

Ein Beitrag zum Themengebiet Netzwelten, Mattscheibe, Medienrauschen, geschrieben am 4. November 2007 von Thomas Arndt

Schwere Zeiten für Fans amerikanischer Serien-Unterhaltung. Ob Lost, Prison Break oder Heroes - viele Serien werden vermutlich erstmal nicht fortgesetzt. Grund: Die amerikanischen Drehbuchschreiber streiken.

Beispiel Heroes: Im Blog des US-Dienstes TV-Guide wird spekuliert, dass die aktuelle zweite Staffel von Heroes, das gerade in Deutschland gestartet ist, bereits am 3. Dezember diesen Jahres zu Ende ist. Eine verübergehender Höhepunkt der aktuellen Storyline “Generations” könnte als alternatives Ende der aktuellen Staffel umgeschrieben werden.

Was ist da also los? Ab Montag streikt die Writers Guild of America, das ist die Vereinigung der amerikanischen TV- und Hollywoodautoren. Einen solchen Streik, der eben auch das Fernsehprogramm beeinträchtigt, hat es seit 1988 nicht mehr gegeben.

Das deutsche Medienmagazin DWDL.de hat Matt Roush, Senior Critic des amerikanischen „TV Guide“, zu diesem Thema um eine Einschätzung gebeten.

Ein Auszug:

Ich will nicht beurteilen wie lange der Streik dauern könnte, aber wenn die Produktionen für längere Zeit ausgesetzt werden - also Wochen wenn nicht Monate - dann wird der Nachschub an neuen Episoden schon kurz nach dem Jahreswechsel im Januar versiegen.

Und zu den Gründen der Autoren erklärt Roush:

Diesmal ist es dafür so kritisch wie noch nie. Das Nutzungsverhalten des Fernsehzuschauers hat sich in den letzten Jahren dramatisch geändert. Er findet neue Wege seine Lieblingsserien zu konsumieren - über das Internet und auf DVD. Da passen alte Modelle nicht mehr. Gefordert wird von den Autoren deshalb ein fairer Anteil an den Erlösen über neue digitale Plattformen und eine Neuverhandlung der Beteiligung an den Einnahmen durch den DVD-Vertrieb.

Was mich persönlich betrifft: Wenn die amerikanischen Networks tatsächlich gezwungen sind, unsere Lieblingsserien schon im Dezember in die Ferien zu schicken, dann trifft mich das härter als der Streik der deutschen Lokführer. Leider sind die Fronten wohl auch Übersee ähnlich verhärtet wie hierzulande.

Betrug bei Schlag den Raab?

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, geschrieben am 4. November 2007 von Thomas Arndt

Eine überraschend schwache Kandidatin bei einem ebenso schwachen Showabend bei “Schlag den Raab”, der bereits nach dem 13. Spiel zu Ende ist. Ob das allerdings so regelkonform war?

Raab und seine Kandidatin, die Polizeibeamtin Sonja Bartelt spielen “Ich packe meinen Koffer und nehme mit…”. Also das Spiel bei dem man sich merken muss, welche Dinge schon alle im Koffer sind, sie in der richtigen Reihenfolge aufzählt und dann einen weiteren Begriff/Gegenstand dazu tut. Als Regel gab Moderator Matthias Opdenhövel an: Man darf einen Begriff korrigieren, solange der darauffolgende noch nicht gesagt ist.

Die Kandidatin verwechselt gleich relativ am Anfang, nach dem 6. Begriff zwei Gegenstände: Briefmarke und Würfelbecher. Die richtige Reihenfolge ist: Ich packe meinen Koffer und nehme mit: Messer, Nudelsieb, Tennisschläger, Briefmarke, Würfelbecher, Kettensäge (ohne Gewähr). Nicole aber sagt Würfelbecher statt Briefmarke. Ohne eine Chance auf Korrektur ruft Opdenhövel: “Das wars, das wars!”. Spiel ist aus. Raab hat gewonnen. Keine 500.000 Euro für die Polizeibeamtin aus Detmold.

Dabei hätte man, würde man es ganz genau nehmen, abwarten müssen, ob sich die Kandidatin noch korrigiert oder ob sie den nächsten Begriff nennt. Und ganz genau nimmt man es ja bekanntlich bei “Schlag den Raab”, ein Notar ist immer anwesend zur Spielüberwachung. Es hat oftmals Situationen gegeben wo man aufgrund von Kleinigkeiten ein Spiel wiederholen oder anders werten musste. Sehr seltsam das ganze, wie die Show allgemein. Man hatte den Eindruck, die Kandidatin sollte diesmal auf jeden Fall verlieren.

[Live-Ticker der Sendung: TV Blogger]

Update 4.11. 17:40:

Im offiziellen Forum von Schlag den Raab wurde inzwischen das Originalzitat von Moderator Opdenhövel gepostet:

“…Wenn ihr einen Begriff überspringt ist das ein Fehler. Ihr könnt einen Begriff korrigieren, allerdings nur an genau dieser Stelle. Wenn ihr danach einen Begriff von später nennt, ist das Spiel auch verloren…”

Daraus schlussfolgern einige, dass es nur erlaubt sei einen falsch genannten Begriff zu korrigieren, also etwa “Marke”, dann Korrektur “Briefmarke”. Ich bleibe allerdings bei der Ansicht, dass die Formulierung von Opdenhövel auch zulässt einen verwechselten Begriff zu korrigieren.

Die ganze Sache gibts auch als Video, so kann sich jeder selbst überzeugen, ob ein Fehler vorliegt oder nicht: Hier.

“Heil Hitler, Herr Friedman”

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedrucktes, Politikum, geschrieben am 1. November 2007 von Thomas Arndt

Michel Friedman, der “ewige Jude”, Intellektueller, Moderator und Autor hat die für die Vanity Fair ein Interview mit Horst Mahler, dem “ewig Gestrigen” geführt, dem ehemaligen RAF-Anwalt, der später zum Neonazi mutierte und als einer der gefährlichsten, weil intelligentesten, Rechtsextremen in Deutschland gilt.

Das Interview kann man bei der Vanity Fair auch online lesen, und es wird vermutlich für viel Gesprächsstoff sorgen. Immerhin, könnte man meinen, es gibt doch ein Recht auf freie Rede, in Deutschland; dieses wird ja von Rechtsextremen immer wieder in Abrede gestellt, der Kampfbegriff der gleichgeschalteten Systempresse verwendet, der zuletzt in seiner ganzen Verworrenheit im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung um Eva Herman neuen Auftrieb bekam und erst gestern auch hier thematisiert wurde.

“Wir veröffentlichen dieses Interview, weil wir glauben, dass es eine bessere Bloßstellung der deutschen Rechtsextremen nie gegeben hat – auch wenn er Dinge sagt, die in Deutschland verboten sind […]”, heißt es in der Einleitung, und es geht auch gut los: “Heil Hitler, Herr Friedman” begrüßt Mahler seinen Interviewer. Und danach wird es richtig verrückt.

Ein paar Auszüge:

M.F. Erkennen Sie irgendwelche Gesetze Deutschlands an?
H.M. Na sicher, die deutschen Reichsgesetze. Die sind nur im Augenblick nicht wirksam, weil die Fremdherrschaft sich darübergesetzt hat und die bestimmt.

H.M. Sie [die Juden] sind die Verkörperung eines Gottes, der nach unserem Verständnis Satan ist, und sie haben eine tragische Rolle in der Zersetzung und Verneinung des Lebens aller anderer Völker. […]

H.M. Hitler war der Erlöser des deutschen Volkes. Nicht nur des deutschen Volkes. Und er ist als Erlöser von Satan dämonisiert worden, damit jeder Gedanke an den Erlöser ausgetilgt ist im Bewusstsein der Deutschen und der Welt überhaupt.

M.F. Auschwitz ist eine Lüge?
H.M. Ja, sicher. Also Auschwitz als Konzentrationslager, Arbeitslager hat es gegeben – damit es da kein Vertun gibt –, aber die systematische Vernichtung der Juden in Auschwitz, das ist eine Lüge. Das wissen Sie auch.

Und so geht es immer weiter. Wahrscheinlich hat es so ein Interview in Deutschland noch nich gegeben. Unbedingt lesen.

Friedman hat nach Informationen der Netzeitung nach dem Gespräch Strafanzeige gegen Mahler gestellt.

Nachtrag 4.11.:

Für Spiegel Online hat, wie üblich, Henryk M. Broder, das Gespräch unter die Lupe genommen. Ergebnis: Mahler ist Sieger nach Punkten. Und Michel Friedman bescheinigt er eine pathologische Affinität zu seinem potenziellen Vernichter.

Bildblog: Nicht mehr als gute Unterhaltung?

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedrucktes, Medienrauschen, Blogosphäre, geschrieben am 31. Oktober 2007 von Thomas Arndt

Christian Jakubetz, der die Blogosphäre schonmal mit den Asterix Comics verglichen hat, hat sich so seine Gedanken über die Entwicklung des Bildblogs gemacht. Da ist er nicht der erste, und es wurde vieles auch schon gesagt, aber diesmal eben auch mal von jemandem, der sich auskennt. Kurzum: In Reaktion auf eine Bildblog-Lesung mit Charlotte Roche und Fettes Brot schreibt Jakubetz, das Bildblog entwickle sich zu einem reinem Unterhaltungsprojekt, dessen aufklärerischer Einfluß gering ist. Keine Bild wird weniger gekauft, weil es das Bildblog gibt. Unterhalten fühlen sich eh nur die, die ohnehin schon wissen, das Bild doof ist. Jakubetz beschreibt das mit dem “Gefühl auf der gute Seite zu stehen”.

Stefan Niggemeier greift in seinem Blog diese Thesen auf und wirft Jakubetz vor, nicht idealistisch genug zu sein, gar diese idealistische Vorstellung vom Journalisten, der die Welt verändert womöglich nichtmal seinen Studenten in München zu vermitteln. Und außerdem sei das Bildblog sehr wohl nicht nur eine Unterhaltungsmaschine. Vielmehr diene Unterhaltung dazu, möglichst viele Leute zu erreichen. Und Leute, die sich Gedanken machen, auf welcher Seite sie stehen, und vielleicht die des Bildkritikers für die richtige halten, sind ihm lieber als solche die sich gar keine Gedanken machen.

Dass Journalismus unterhaltsam sein soll, dass ist inzwischen sicherlich unumstritten. Da hat Niggemeier den Jakubetz vermutlich bewusst oder unbewusst falsch verstanden. Die Frage ist, wann Unterhaltung zum Selbstzweck wird. Ob das bei Bildblog schon so weit ist oder irgendwann so weit sein wird, das wissen wir nicht. Müsste man untersuchen.

Das Journalismus sich mit keiner, auch nicht einer guten Sache gemein machen darf, sollte jedenfalls klar sein. Ein Blogprojekt, dessen Ziel es ist, die Auflage der Bild-Zeitung zu senken, wäre jedenfalls kein journalistisches. Eines, dessen Ziel es ist, die Inhalte der Bild-Zeitung zu verändern, wahrscheinlich auch nicht. Eins, dass zeigt, dass in der Bildzeitung falsche Sachen stehen, ist unter dieser Prämisse in Ordnung.

Letzteres tut Bildblog. Mehr aber auch nicht. Hier kommen wir zu einem Punkt, an dem ich Jakubetz Recht gebe:

Dummerweise konterkariert das den Anspruch, mit dem die Bildblogger angetreten sind: nämlich darauf hinzuweisen, dass Bild eben nicht ein “lustiges Quatschblatt” ist, sondern Europas größte Tageszeitung - mit entsprechender Macht und entsprechendem Einfluss ausgestattet.

Ich würde sogar noch weitergehen. Ich würde mir wünschen, zu erfahren, warum Bild so ist wie sie ist. (Gut, das folgende ist rhetorisch, ich weiß es schon. Sagen wir: Ich würde mir wünschen, dass die “Leute” es erfahren.) Damit meine ich nicht, warum Boulevardjournalismus so ist wie er ist, sondern eher, was das für Leute sind, die bei Bild arbeiten, wie bei Bild gearbeitet wird. Eine Kollegin hat mir als Begründung für ihren Ausstieg bei Bild gesagt: “Wenn man da lange arbeitet, dann wird man Alkoholiker oder Kinderschänder”. Verwundert war ich darüber nicht. Ich kenne die Geschichten von den Bild-Redakteuren, die nur besoffen arbeiten können, ihren Job nur besoffen ertragen. Sind es mehr als in anderen Redaktion? Wenn ja warum? Und ist darin, die Art und Weise begründet, warum Bild so ist wie sie ist?
Und warum macht Bild so oft selbst Politik? Und ist das schlimm? Der Spiegel, die FAZ machen es doch auch? Und die Lokalzeitung hebt den Lieblingspolitiker ins Amt des Bürgermeisters.

Mann muss das offensichtliche natürlich nicht immer wieder erklären. Es reicht darauf hinzuweisen, dass es nicht in Ordnung ist einen mutmaßlichen Mörder mit Namen als Mörder zu bezeichnen. Und jeder einzelne Verstoß gegen das Presserecht sollte auch irgendwo aufgeschrieben stehen. Aber ist es wichtig, die Zahlendreher zu korrigieren, oder wenn Bild eine Hauptstadt verwechselt, drei Mal ein anderes Alter von jemandem aufschreibt oder über Hitlers geheime UFO-Pläne berichtet. Nein, wichtig ist das nicht. Aber es ist lustig. Und das ist Bildblog.

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