Archiv für April 2007

Wie Medien Bloggerthemen aufgreifen: Von Bockwürsten und Abmahnungen

Ein Beitrag zum Themengebiet Netzwelten, Medienrauschen, Blogosphäre, geschrieben am 30. April 2007 von Thomas Arndt

Seitdem Konrad Lischka bei Spiegel Online (Spon) Redakteur ist, hat der Bereich Internet, Neue Medien und was da so dazugehört, meiner Meinung nach deutlich an Qualität gewonnen, auch wenn ein Artikel Lischkas zu Wikipedia beim Kommentator “Peter” auf Medienrauschen zum Teil auf berechtigte Kritik stieß.
Aber kommen wir zum Punkt: Immer wenn ich auf etwas interesanntes im Netz stoße oder auf Diskussionen in der Blogosphäre, überlege ich, wie lange es wohl dauernd wird, bis quasi das Leitmedium der Onliner, nämlich Spon, das Thema aufgreift.
Seit ein paar Tagen erzürnt die Blogger wieder mal ein altbekannter Aufreger: Marions Kochbuch. Die Bilder leckerer Speisen auf dieser Website sind bei der Google-Bildersuche an exponierter Stelle zu finden. Schlecht für Marion, denn die mag es gar nicht, wenn ein Blogger ihre Bilder klaut.
Einer names Cashy hat das mal gemacht, und eine Abmahnung kassiert. Und da ist er nicht der erste und einzige. Was zum Beispiel Jens in seinem Pottblog zu der Überlegung veranlasst, dass Google ja Marions Kochbuchbilder einfach nicht mehr verlinken könnte. Auch Silke greift das Thema in ihrem Blog auf, worauf dort heiß über Urheberrechte und Bildzitate diskutiert wird.
Lischka nun hat von all diesem erfahren, es vielleicht auch gelesen in den letzten Tagen und heute einen Artikel zu der ganzen Abmahnerei verfasst. Gute Sache finde ich, denn hier zeigt sich ja, wie nah sich Blogger und internetaffine Medien sind.

Heute habe ich übrigens bei Basic Thinking einen wirklich interessanten Beitrag zu dem neuen “StartUp” mymuesli.com gelesen. Jetzt bin ich gespannt, wann das bei Spon zu einem Artikel führt. Denn hier berühren sich innovative Geschäftsideen und social networking und web 2.0 und überhaupt… ja und wenn das keinen Nachrichtenwert hat, was dann!

Royal gegen Sarkozy live im Internet

Ein Beitrag zum Themengebiet Netzwelten, Mattscheibe, geschrieben am 30. April 2007 von Thomas Arndt

Darüber, dass arte sich verstärkt im Bereich des Videostreamings oder auch des Pay-TV Video on demand engagieren will, hatte ich bereits berichtet. Vorbildlich ist jetzt jedoch der Ansatz, das Fernsehduell zwischen den französischen Präsidentschaftskandidaten live im Internet zu übertragen. Wer sehen will, wie sich die Sozialistin Ségolène Royal und der Konservative Nicolas Sarkozy vor der Stichwahl duellieren, der kann das am Mittwoch, 2. Mai ab 21 uhr bei arte tun.
Arte sendet übrigens mit einer deutschen Simultanübersetzung und das Duell soll noch weitere sieben Tage auf der Homepage des Senders verfügbar sein.

Update 2. Mai: Auf Phoenix lief das Duell jetzt auch, ebenfalls mit deutscher Simultan-Übersetzung, und im Gegensatz zu arte im Stream wohl auch ohne Zeitverzögerung, wie Jens in seinem Blog berichtet.

Gibts eigentlich auch Radio 2.0?

Ein Beitrag zum Themengebiet Funkwellen, geschrieben am 30. April 2007 von Thomas Arndt

Modern ist, wenn, während der Radiomoderator im Fernsehen eine E-Mail vorliest, im eingeblendeten SMS-Chat “Andi” eine dominante Frau sucht. Ist das dann eigentlich Radio 2.0, um das Schlagwort aus dem Web mal zu übernehmen?
Wie auch immer: aufgrund solcherlei bunter wie auch kurioser “Medienkonvergenzen” bin ich beim Zappen durch das große, aber meist schlechte Angebot von Astra Digital bei neonox hängengeblieben. Während beim WDR oder Eins Live der seriöse Jürgen Domian seit 1995 Deutschlands wahrscheinlich beliebteste und hochwertigste Call-In-Talkshow im Radio moderiert, läuft seit letztem Jahr parallel - fünfmal die Woche von null bis zwei Uhr - “neonox - die neue Nacht im Radio”.
Vor allem auf kleineren Radiostationen, wie Radio Galaxy in Bayern, Radio Fantasy in Augsburg oder Energy Sachsen ist die Syndication-Show zu empfangen. Berichten bei radioforen.de zufolge, wird die Sendung den Stationen kostenlos angeboten. In der Nacht den Wortanteil auf diese Weise zu steigern sei wohl sinnvoll, um etwas an GEMA-Gebühren zu sparen.
Wer mal reinhören will: den passenden Radiostream bei surfmusik aussuchen, oder direkt die url zum Live-Video-Stream (mms://streaming.rtl.de/traumpartnertv) im Media Player öffnen oder natürlich auf Astra Digital gucken.
Achja, und falls ihr eine dominante Frau seid, meldet Euch doch mal dort: Während ich diesen Eintrag geschrieben habe, kam die SMS von “Andi” mindestens dreimal über den Bildschirm.

RTL und das Schicksal der Talente

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, geschrieben am 29. April 2007 von Thomas Arndt

DSDS ist mal wieder das Thema des Wochenendes bei den Medienbloggern. “Ausgerechnet Lisa Bund darf ihre Koffer packen und muss nun die Heimreise antreten”, beschwert sich Michael Pliet von TVBlogger in seinem heutigen Eintrag, der unter der Überschrift “DSDS - In der Hand von doofen Kindern” steht. Im Grunde geht es um das alte Thema, dass Teenager “ihre Handies quälen” (wie Juror Dieter Bohlen sagte) und damit, die aus musikalischer Sicht oft schlechteren Kandidaten weiterlassen, solche wie Martin Stosch etwa.

Zugegeben mir gings genauso, und zwar als Francisca Urio ausgeschieden ist. Deswegen hatte ich damals auch eine Mail an RTL geschrieben, ob denn das Zuschauervoting unbedingt die einzige Entscheidungsgrundlage sein muss. Die Antwort darauf war erwartungsgemäß und sie könnte ebenso für Lisa Bund gelten:

Wir verstehen Ihre Überraschung über das Ausscheiden von Francisca Urio.

Die Abstimmungsregeln von ‘Deutschland sucht den Superstar’ sehen vor, dass der Kandidat mit den wenigsten Anrufen ausscheiden muss. Diesmal hat es demnach Francisca getroffen.

Das Konzept von ‘Deutschland sucht den Superstart’ basiert auf dem englischen Original ‘Pop Idol’, deshalb sind die Regeln des Votings festgelegt. Sie können nicht von RTL geändert werden. Überraschungen im Votingverhalten der Zuschauer gehören seit der ersten Staffel dazu.

Damit keiner Vorwürfe gegen RTL erheben kann, lassen wir uns überprüfen: Ein unabhängiger Notar überwacht das gesamte Abstimmungsverfahren. Somit ist sichergestellt, dass jede einzelne Stimme ordnungsgemäß gezählt wird.

Die genauen Abstimmungsergebnisse werden aus Fairnessgründen nach der Finalsendung veröffentlicht.

RTL ist nicht bereit und darf es offensichtlich auch nicht, Veränderungen am Abstimmungsmodus bei DSDS vorzunehmen. Ebensowenig werden sie, wie bereits hier geschrieben, sich auf einen Deal mit Stefan Raab in Sachen Max Buskohl einlassen. Die Regeln und die Logik von DSDS sind offensichtlich ein unabänderliches Schicksal für talentiertere Kandidaten.

tote hose stern blogs

Ein Beitrag zum Themengebiet Blogosphäre, geschrieben am 28. April 2007 von Thomas Arndt

Mit dem Boom der Weblogs sind auch die großen Medien auf die Idee gekommen, Journalisten Weblogs zum bestimmten Themen schreiben zu lassen und in ihre Internetportale einzubinden.
Ein solches Medium ist zum Beispiel der Stern mit seiner Website. Ganze 19 Weblogs stehen bei stern.de zur Auswahl. Zum Thema Computer oder Lifestyle oder auch mit Berichten von anderswo, etwa Rom.
Nur leider scheinen die 19 Stern-Blogger kaum Zeit für ihre Weblogs zu haben. Violas Keeves letzter Beitrag zum Thema Lifestyle ist bereits 10 Monate her, andere Weblogs scheinen gar nicht mehr zu existieren, und in den meisten restlichen gibt es nur sehr wenige Einträge.
Relativ fleißig war hingegen Cornelia Fuchs vom Auslandsressort mit ihrem Blog Unter Briten. Damit stellt sie allerdings eher eine Ausnahme dar.
Etwas besser siehts bei Handelsblatt Global Reporting aus. Dort finden sich doch ab und an relativ aktuelle Beiträge aus der Welt. Der hier hingegen scheint das Bloggen schon wieder aufgegeben zu haben.
Damit stehen die Journalisten von Stern oder Handelsblatt nicht alleine da. Blogger Mario Sixtus fragte gestern in seinem Weblog, ob die Blogospähre gesättigt sei. Ich vermute eher das die Zahl, wenn es denn so ist, dadurch kostant bleibt, das Blogs relativ schnell sterben und geboren werden. Für jedes tote Blog taucht garantiert irgendwo wieder ein neues auf.

Nachtrag 11. Mai 2007: DonAlphonso hat die Versuche der Medien um die Bloggerei übrigens jetzt sehr gut beschrieben: Klickst Du hier.

DSDS-Chaos: Und alle machen mit

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, geschrieben am 27. April 2007 von Thomas Arndt

Das Thema Deutschland sucht den Superstar (Dsds) bestimmt trotz sinkender Quoten seit Wochen die Medien. Das mehr oder weniger freiwillige Ausscheiden des Kandidaten Max Buskohl hat den Hype nun noch einmal ein Stück verstärkt. Nicht zuletzt, weil ProSieben-Entertainer Stefan Raab, so wie gestern (siehe Bild-Zitat der Bild.de-Schlagzeile) schwere Geschütze auffährt, um, selbst von schlechten Quoten geplagt, Gewinn aus der Sache zu ziehen.
Raab will den gechassten Superstar in seiner Show haben - und im Gegensatz zu RTL, dürfte Buskohl auch mit seiner Band Empty Trash auftreten. Gestern Abend verglich Raab das Auftrittsverbot für Max bei zum Beispiel TV Total mit der Geiselhaft, in der sich 1977 der später ermordete Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer bei der Roten Armee Fraktion (Raf) befand:

Tatsächlich sind es nicht nur die üblichen Verdächtigen, wie etwa die Bild-Zeitung, die dererlei inszenierten Skandalen viel Raum in ihren Medien bieten. So schreibt die Sueddeutsche am Mittwoch ausführlich darüber, das bei DSDS junge Sänger verheizt werden, und Michael Hanfeld von Faz.net empört sich über Raabs geschmacklosen Raf-Vergleich. Google News findet 387 Artikel zu Max Buskohl und Dsds. Zum Thema Irak-Abzug der USA sind es übrigens knapp 200.
Sollte Stefan Raab sein Drohung wahr machen, und am Samstag das Halbfinale von Dsds mit einer Demonstration stürmen, dann könnte am Ende RTL und Raab zusammen die Gewinner sein: weil das bedeutend interessanter ist als der Gesangswettbewerb und Telefonvotings. Wahrscheinlicher aber ist, dass RTL Raab die kalte Schulter zeigt. Sowohl RTL, als auch Plattenlabel BMG finden Künstlerklau mit Sicherheit weniger lustig, als die Zuschauer von TV Total.
Viel interessanter ist aber eigentlich die Frage: Ist das alles noch geplant und inszeniert? Skandale schließlich sind seit jeher Teil des Pop-Idol-Formats. Oder sind die RTL-Strategen selbst von der Situation und der Medien-Resonanz überrascht?

arte-Chef: “Pay-TV” ist reiner Service

Ein Beitrag zum Themengebiet Medienrauschen, geschrieben am 26. April 2007 von Thomas Arndt

Gottfried Langenstein, Präsident des TV-Senders arte, hat in einem Interview mit dem Evengelischen Pressedienst (epd) bekräftigt, dass sein Haus kein öffentlich-rechtliches Pay-TV plant.
Die Vermutung allerdings liegt nahe, da arte neben einem kostenfreien Video on demand-Angebot zukünftig eigene Inhalte auch zum kostenpflichtigen Download anbieten will. Kosten soll der Spaß 0.99 Cent bis 3.99 Euro. Dieses Angebot vergleicht Langenstein mit dem “seit Urzeiten” bestehendem Service, Mitschnitte verpasster Sendungen gegen Entgeld bei den Sendern zu bestellen. Tatsächlich erinnerte artes Service allerdings eher an ein kommerzielles Projekt, denn an reinen Service: Die Dateien sind digital geschützt (DRM) und vernichten sich nach dem Aufruf innerhalb von 48 Stunden selbst. Das konnte die gute alte VHS-Kassette nicht.
“Das Aufkommen aus dieser Gebühr wird langfristig bestenfalls unsere Selbstkosten tragen. Wir wollen damit kein Geld verdienen, sondern einen Service anbieten”, bestärkt Langenstein gegenüber dem epd jedoch seine Position.

Google holt Gold

Ein Beitrag zum Themengebiet Netzwelten, geschrieben am 26. April 2007 von Thomas Arndt

Das Google die beliebteste Suchmaschine der Welt ist, das ist ja nichts neues. Dem Markforschungsunternehmen Comscore zufolge schaffte es das komplette Google-Angebot im März diesen Jahres nun erstmals das beliebteste der Welt zu sein. 528 Millionen Menschen weltweit nutzen im März 2007 mindestens irgendeine zu Google gehörige Seite, zum Beispiel das beliebte Videoportal Youtube. Und damit hatten die Google-Seiten 1 Million mehr Besucher als jene von Microsoft.

Die komplette Rangliste habe ich bei Spiegel Online gefunden:

1. Google (528 Millionen Besucher)
2. Microsoft (527 Millionen Besucher)
3. Yahoo (473 Millionen Besucher)
4. Time-Warner (272 Millionen Besucher)
5. Ebay (256 Millionen Besucher)
6. Wikipedia (212 Millionen Besucher)

Brüssel: Rundfunkgebühren dürfen bleiben

Ein Beitrag zum Themengebiet Politikum, geschrieben am 25. April 2007 von Thomas Arndt

GEZ

Jetzt ist er beigelegt, der jahrelange Streit zwischen EU-Kommission und Bundesregierung um die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Gestern stellte die EU-Kommission nach mehr als zwei Jahren das Verfahren gegen die Bundesregierung wegen unzulässiger Beihilfen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein.
Ergebnis: ARD und ZDF müssen in Zukunft ihre Finanzen transparenter machen. Öffentlich-rechtlicher Auftrag und kommerzielle Tätigkeiten sollen damit schärfer getrennt werden. Bereits im Dezember hatten die Bundesländer einen Kompromiss hinsichtlich eines neuen Rundfunkstaatsvertrag erzielt, was in Brüssel auf Genugtuung stieß.
Die privaten Rundfunksender hatten sich in Brüssel darüber beschwert, dass ARD und ZDF die Gebühren auch für kommerzielle Zwecke nutzen. Die Befürchtung: ARD und ZDF wollen dem Privatfunk in bestimmten Bereichen Konkurrenz machen, wo sie ja eigentlich nichts zu suchen hätten. Schließlich sei ihre Hauptaufgabe die Grundversorgung. Dennoch konnten sich die privaten Rundfunksender mit ihrer Forderung nach geringeren GEZ-Gebühren nicht durchsetzen.

Schönes neues Fernsehen

Ein Beitrag zum Themengebiet Netzwelten, Mattscheibe, geschrieben am 25. April 2007 von Thomas Arndt

In den Internetforen war es mal wieder der Hype: alle wollen zu Joost, dem neuen kostenlosen on-demand Fernsehen im Internet. “Hat bitte jemand einen Invite für Joost”, fragen sie zu Hunderten. Denn um beim derzeit laufendem Beta-Test von Joost mitmachen zu können, braucht man einen Invite, also eine Einladung. Wobei, “mitmachen” ist eigentlich das falsche Wort. Im Gegensatz zu Youtube und Co. ist bei Joost eigener Inhalt nicht gefragt. Joost setzt ganz aufs Zuschauen und das womöglich sogar mir hochkarätigem Programm: Medienriesen wie Viacom und CBS sind schon dabei, und werden lizensierte Inhalte für das Format bereitstellen. Und auch Independent-Filme haben sich die Joost-Macher schon gesichert.
Trotz Berieselung wird es bei Joost allerdings auch interaktive Inhalte geben, vom Chat über Bewertungssysteme bis hin zu Newstickern. Ausgedacht haben sich das Konzept übrigens die Internet-Pioniere Janus Friis und Niklas Zenström, die bereits für die Tauschbörse Kazaa und das Chat- und Telefonie-Programm Skype verantwortlich zeichneten. Beide haben die Welt das Internets und der Kommunikation ein Stück weit mitverändert. Nun schauen alle darauf, ob das mit Joost auch gelingen wird.