Archiv für Mai 2007

Tag eins als Winzling

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedrucktes, geschrieben am 31. Mai 2007 von Thomas Arndt

Seit heute gestern erscheint die Frankfurter Rundschau im Tabloid-Format. Endlich. Endlich, dass es eine große deutsche Tageszeitung wagt, diesen Schritt zu gehen. Vielleicht wird es ein Katalysator für den längst überfälligen Formatwechsel im deutschen Blätterwald. Die Nachbarn in Großbrittanien oder Skandinavien machen es ja seit langem vor. Vielleicht ist es aber auch nur ein Aufbäumen vor dem endgültigen Niedergang, wie manch einer heute nahelegt.

Ich hoffe das nicht, sondern das Gegenteil, nämlich das eine der lesenswertesten deutschen Tageszeitungen in diesem Format noch lesenswerter wird, vielleicht sogar neue Leser gewinnt; und natürlich das es andere nachmachen. Keine Frage, dass in den Chefredaktionen deutscher Zeitungshäuser schon fertige Konzepte in den Schubladen liegen. So käme man auch weg vom negativen Image, dass das Tabloid-Format durch seine boulevardeske Erscheinungen auf dem Zeitungsmarkt schon früher hatte und auch heute noch hat, etwa in Gestalt der Billigzeitung 20 Cent.

Ronnie Grob von der Medienlese hat sich kleine Rundschau heute mal ganz genau angeschaut.

RTL schickt Hartz-IV-Blogger aus

Ein Beitrag zum Themengebiet Netzwelten, Mattscheibe, geschrieben am 31. Mai 2007 von Thomas Arndt

Es ist schon über drei Jahre her, da fiel zwei Hamburger Journalisten ein interessantes Projekt ein: Einen Monat leben, wie ein Hartz IV-Empfänger. Wie das damals war, kann man zum Beispiel immernoch in diesem Artikel bei Telepolis nachlesen.

Für ihre Serie “Hartz IV ? ein Haushaltsversuch” wurde die Redakteurin des Hamburger Abendblatts, Barbara Hardingshaus, unter anderem mit dem Sonderpreis des Lokaljournalistenpreises 2004 der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichnet.

Jetzt macht RTL die ganze Geschichte nochmal nach: Torsten Misler startet für die RTL Nachrichtenformate ebenfalls den Selbstversuch. In einer aktuellen Pressemitteilung des Senders heißt es dazu: “RTL-Reporter Torsten Misler verlegt dazu für einen Monat seinen Lebensmittelpunkt nach Berlin-Marzahn, wo viele ALG-II-Empfänger leben. Hier bezieht er eine angemessen eingerichtete 1-Zimmer-Wohnung und dokumentiert in den RTL-News ab dem 31. Mai mit seiner Videokamera Tag für Tag, wie es sich mit 345 Euro, also den Einkünften eines ALG-II Empfängers, lebt.”

Interessant: Es soll die Möglichkeit geben, ein Videotagebuch abzurufen, und auch in Blogs über das Projekt und die Erfahrungen des RTL-Reporters zu diskutieren. Schreibt zumindest RTL. Auf der entsprechenden Blogseite von Torsten Misler findet sich jedoch keine Kommentarfunktion. Dafür gibts aber ein Forum. Die Gesamtübersicht ist hier.

Neue Spoiler der zweiten Heroes-Staffel

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, geschrieben am 30. Mai 2007 von Thomas Arndt

In der kommenden zweiten Staffel der NBC-Serie Heroes soll es vier neue Charaktere geben. Die amerikanische Seite TVSquad hat einige Infos aus den ersten beiden Episoden der Staffel zusammengetragen. Darin kommen auch einige Charaktere vor, bei denen es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die vier neuen Heroes handeln könnte.

Spoiler nach dem Klick

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Kleine Debatte, große Wirkung

Ein Beitrag zum Themengebiet Blogosphäre, geschrieben am 29. Mai 2007 von Thomas Arndt

Tissy Bruns, Parlamentsredakteurin des Tagesspiegels, hat Stefan Niggemeier auf eine Kritik einer Talkrunde zum Thema Blogs geantwortet, an der sie teilnahm - und zwar in den Kommentaren.

Dabei kritisiert sie die Selbstverliebtheit und den Hochmut keineswegs nur von Stefan Niggemeier, sondern zumindest all jener Blogger, die gerne entsprechend auf solche Talkrunden oder andere Versuche sich mit der Blogosphäre zu beschäftigen, kritisch reagieren. Ohne jedoch selbst einstecken zu können:

Ob das ein Gewinn für den Journalismus ist, wenn ausgeteilt wird wie im Boxverein, es beim Einstecken aber zugeht wie im Mädchenpensionat ?

Währenddessen hat Thomas Knüwer, wie bereits an andere Stelle ergänzt, eine offene Mail an Journalistik-Professor Siegfried Weischenberg geschrieben, der ebenfalls an der Diskussionrunde teilnahm. Weischenberg hatte behauptet, man käme mit 450 Zugriffen im Monat unter die Top100-Blogs in Deutschland (wie berichtet).

Ich stelle fest: Man kommt ins Gespräch. Und das ist eine gute Sache.

Nachtrag 20:32: Inzwischen hat Stefan Niggemeier Tissy Bruns geantwortet. Schönerweise ebenfalls in der Form eines Kommentars.

Callactive fairer als 9Live?

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, geschrieben am 29. Mai 2007 von Thomas Arndt

In einer Pressemitteilung äußert sich die Callactive GmbH zum Thema Hot Button und schreibt genau das Gegenteil von dem, was 9Live schreibt. Damit versucht Callactive sich offenbar glaubwürdiger darzustellen als die Konkurrenz. Ein schlauer Schachzug. Call Aktive produziert ebenfalls Liveformate, eben auch die bekannten Telefongewinnspiele, etwa für Viva Comedy Central, Nick und andere.

Aber von vorn: Schauen wir nochmal auf die Argumentation von 9Live, die ich hier beschrieben hatte: De Facto hat 9Live mehr oder weniger zugegeben, dass ein Redakteur Einfluss auf den Punkt hat, an dem der Hot Button zuschlägt, allerdings: Auch Anrufer, die vorher angerufen haben, bekommen eine Chance. Stefan Niggemeier hat das so beschrieben:

Auf diese Weise würde ein Redakteur zwar ganz alleine entscheiden, ob zum Beispiel drei Stunden lang niemand durchgestellt wird. Aber wenn nach drei Stunden jemand durchgestellt wird, könnte es auch jemand sein, der schon zwei Stunden früher angerufen hatte.

Callactive schreibt nun, der Redakteur habe bei ihren Gewinnspielen keinen Einfluss auf den Zeitpunkt, zu dem der Hot Button zuschlägt:

Der Hot-Button Mechanismus wählt zu einem beliebigen Zeitpunkt während der aktuellen Runde und bei einem beliebigen Anrufer ohne Beeinflussung durch den Redakteur oder einer anderen Person einen Anrufer aus

und weiter:

Dieser vom System ermittelte Zeitpunkt wird zu keiner Zeit dem Redakteur,Moderator oder einer anderen Person bekannt gemacht

Klingt schonmal besser als die Geschichte von 9Live. Allerdings: Auch an Callactive gibt es immer wieder Kritik.

Nachtrag 31.05.07: In einem Blogbeitrag Stefan Niggemeiers ist gleich eine ganze Reihe an Informationen über den Geschäftsführer von Callactive, Stephan Mayerbacher, zu lesen. Unter anderem von vermeintlichen Einschüchterungsversuchen gegenüber einem möglichen Mitglied des Forums Call-in-TV. Außerdem macht Niggemeier transparent, auf welcher Art und Weise Mayerbacher auf journalistische Anfragen nicht nur von Blogseite reagiert (Niggemeier schreibt einen entsprechenden Beitrag für die FAZ).

Christlichen Werten verpflichtet: Kai Diekmann über die Bild-Zeitung

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedrucktes, geschrieben am 28. Mai 2007 von Thomas Arndt

In einem Interview mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) spricht Kai Diekmann, Chefredakteur der Bildzeitung über das Verhältnis seines Blattes zur Religion. Lesenswert.

Ein paar interessante Zitate entnehme ich mal daraus:

Auf die Frage nach dem Verhältnis zu den unterschiedlichen Religionen, sagt Kai Diekmann, die Bildzeitung habe zu kaum einem Thema einen neutralen Standpunkt zu den verschiedenen Positionen und Ansichten (Äquidistanz):

Unsere Leser nehmen uns als meinungsstark wahr und wir wollen ihnen die Orientierung erleichtern. Indem wir sagen, was wir für richtig und für falsch halten. Auch die Schlagzeile „Wir sind Papst“ war ja nicht Ausdruck von Äquidistanz, sondern die Proklamation einer sehr persönlichen Freude.

Das gilt also insbesondere für den christlichen Glauben, einen “Volks-Koran” ähnlich wie die “Volks-Bibel” kann sich Diekmann nicht vorstellen:

Ehrlich gesagt kann ich mir das nicht vorstellen. Wir machen kein Minderheitenprogramm.

Heilig seien der Bild-Zeitung die religiösen Gefühle ihrer Leser, und die Intimsphäre der Menschen:

Die Mehrheit unserer Leser ist christlich geprägt, fast 80 Prozent. Beim Zeitungmachen müssen wir deren Gefühle berücksichtigen. Auch auf die Intimsphäre eines Menschen nehmen wir Rücksicht, solange er sich damit nicht selbst in die Öffentlichkeit begeben hat.

Etwas mehr “Fundamentalismus” wünscht sich Diekmann von den Deutschen:

Es wäre schön, wenn wir sensibler für unsere eigenen Werte und unsere eigenen christlichen Traditionen wären. Da haben uns die Muslime manchmal etwas voraus. Natürlich nicht die Radikalen. Wir müssten insgesamt einfach ein stärkeres Bewusstsein dafür entwickeln, auf welchem Fundament wir stehen und was das bedeutet.

Aus der Religion leitet Diekmann auch Engagement für Umweltschutz, und mehr noch gesunder Ernährung, quasi ein ganzheitliches Bewusstsein ab:

Da gibt es eine ganz altmodische Formulierung: Bewahrung der Schöpfung. Ich glaube, dass das ein Thema ist, das immer mehr Menschen mobilisiert. (Anmerkung d. Bloggers: das Klima). Genau wie gesunde Ernährung. Das sind ja nicht irgendwelche Spinner, die ins Reformhaus gehen und Tofu essen. Es herrscht ein allgemeines Bedürfnis danach, sich bewusster zu ernähren und gesünder zu leben. Seinen Teil dafür zu tun, dass wir die Schöpfung, die wir geerbt haben, auch weitergeben. Zum Glück haben wir da viel gelernt.

Alle Achtung: Kai Diekmanns ist es in diesem Interview gelungen, eine kohärente Argumentation für die Ausrichtung der Bildzeitung und ihr publizistisches Wirken auf Basis christlicher Werte zu entwickeln. Es bleibt natürlich dahingestellt, inwiefern sich das mit der Realität deckt. Alan Posener hätte sicher einiges dazu zu sagen. Macht er aber wahrscheinlich nicht.

Dianas Tod im TV

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, geschrieben am 28. Mai 2007 von Thomas Arndt

Vom Unfall-Tod der Prinzessin Diana haben schon einige Leute profitiert, und sei es nur die Musikindustrie oder die Klatschpresse. Am Mittwoch der kommenden Woche wird das nächste Tabu gebrochen: der britische Sender Channel 4 strahlt Bilder des Verkehrsunfalls aus, bei dem Diana vor zehn Jahren ums Leben kam.

Auf den Aufnahmen wird zu sehen sein, wie Diana von einem Arzt mit Sauerstoff versorgt wird, oder wie ein zufällig anwesender Student versucht, dem Leibwächter der Prinzessin zu helfen.

Über das Internet wird sich “Zeugen im Tunnel”, so der Titel der Reportage, schnell verbreiten. Vermutlich ist das voyeuristische Interesse an den Aufnahmen weltweit groß. Und einen anderen Zweck als diesen Trieb zu befriedigen, erfüllen die Aufnahmen wohl nicht.

[via zeit.de]

Mehr zu Tabubrüchen im TV: Die Sache mit der Spenderniere

Hahnenkampf der Alphablogger

Ein Beitrag zum Themengebiet Politikum, Blogosphäre, geschrieben am 27. Mai 2007 von Thomas Arndt

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Das Publikum der Hahnenkämpfe hat oft eine Vorliebe für ästhetische Züchtungen. So wird neben der Züchtung auf Kampfkraft auch auf ästhetische Merkmale hin gezüchtet. Die Kampfstätten sind daher oft nicht nur ein Schauplatz für blutige Kämpfe, sondern auch Ausstellort für besonders schöne Züchtungen. Dabei wird auf Form des Körpers, Farbe des Gefieders und andere Merkmale geachtet. (wikipedia)

In der Sphäre der Alpha-Blogger gehts im Moment munter zu. Don Alphonso, Stefan Niggemeier, Mario Sixtus, Peter Turi, also einige der schönsten Züchtungen unter den Medienbloggern und Medienjournalisten haben auf nicht so charmante Weise derzeit auf verschiedenen Schauplätzen miteinander zu tun.

Einmal gehts darum, dass Mario Sixtus für den Grimme Online-Award nachnomiert wurde. Bislang saß er in der Jury, seine alten Kollegen sollen ihn nun bewerten. Geht das, darf man das? Don Alphonso (und andere) denken: never!

Die zweite Geschichte handelt von verschwundenen Bildern und Informationen über Don Alphonso bei Vanatify Fair Online oder der Seite von Peter Turi. Stefan Niggemeier legt die Zusammenhänge nahe.

Foto: Manu M

Nachtrag 30.05.07: Die Vanity Fair hat Peter Turis Kolumne auf ihren Internetseiten eingestellt. Turi wird jedoch weiter als Autor für die Vanity Fair arbeiten. Das berichtet DWDL. Ob es einen Zusammenhang mit der Abmahnung gibt, die der Blogger Don Alphonso an die Vanity Fair sowie Peter Turis Unternehmen schickte, liegt im spekulativen Bereich.

TV-Show verlost Spenderniere

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, geschrieben am 27. Mai 2007 von Thomas Arndt

Vor 20 Jahren kämpften in dem trashigen Action-Blockbuster “Running Man” Strafgefangene gegen Gladiatoren in einer TV Show. Der vermeintliche Preis, falls sie überleben: die Freiheit.

20 Jahre danach startet in Holland eine TV-Show, die solche Dystopien locker in die Tasche steckt und auf den ersten Blick wie die Fanatsie eines Roman-Autoren erscheint. Doch es ist wahr: in einer niederländischen TV-Show kann das Publikum einen von drei “Kandidaten” ganz empfehlen, der die Niere einer todkranken Frau bekommt: Ganz einfach per SMS.

Der offizielle Hintergrund der Show: Der Sender BNN will mit der von Endemol produzierten Show auf den Mangel an Spenderorgangen aufmerksam machen. Was in makaberer Weise in Form der drei Kandidaten von denen nur einer die Niere bekommen wird, bildlich wird.

Wie Spiegel Online berichtet, sei auch der frühere Chef des Senders BNN an Nierenversagen gestorben. Er hatte vergeblich auf eine Spenderniere gewartet.

Kritische Stimmen, mehr Hintergrundinformationen: Google News

Nachtrag 30.05.07: Der niederländische Medienminister Ronald Plasterk hat nach Kritik klargemacht, dass die niederländische Regierung die Show nicht verbieten wird. Das berichtet der Tagesspiegel. Zwar bewiese die Show keinen guten Geschmack, “es verstieße aber gegen unsere Verfassung, in Medienangelegenheiten zu intervenieren. Wir haben Pressefreiheit”, so der Minister.
Auf der offiziellen Website setzt sich auch der Sender BNN mit der Kritik auseinander, falls jemand des niederländischen mächtig ist: hier klicken. Die Show läuft (anders als oben berichtet) bereits am 1. Juni, 20.30 Uhr.

Nachtrag 02.06.07: Wie Medienrauschen berichtet, gab es in der Show am gestrigen Abend keine Niere zu gewinnen. Die vorgeblich todkranke Frau stellte sich offenbar als Schauspielerin heraus. Die Kandidaten allerdings waren echt. “Wir werden hier keine Niere vergeben, das geht selbst uns zu weit”, sagte Moderator Patrick Lodiers dem Bericht bei Medienrauschen zufolge.

Popstars-Casting in Mannheim

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, geschrieben am 27. Mai 2007 von Thomas Arndt

In Mannheim hatten 1528 Popstars-Bewerber die Möglichkeit vor der aus der vergangenen Staffel bekannten Jury vorzusingen und vorzutanzen: Detlef D! Soost, Dieter Falk und Nina Hagen. Vor allem Nina Hagen war begeistert von den positiven Energien der Nachwuchs-Stars: “Viele Kandidaten strahlten wie ein ganzes Atomkraftwerk. Aber ohne Plutonium, es gab hier nur positive Energie.” Das schreibt ProSieben heute in einer Pressemitteilung.

In der kommenden sechsten Staffel werden die drei Jurymitglieder außerdem Gesellschaft von Jane Comerford, Sängerin der Band Texas Ligthening und Techno-Queen Marusha bekommen.

Das letzte Casting findet 2. Juni in München statt. Am 14. Juni startet dann die altbekannte Castingshow mit ihren neuen Gesichtern und Talenten auf den Bildschirmen.