Archiv für das Themengebiet 'Funkwellen'

Stammheimtonbänder beim WDR

Ein Beitrag zum Themengebiet Funkwellen, Politikum, geschrieben am 5. Oktober 2007 von Thomas Arndt

Der Radionsender WDR5 sendet am Montag, den 8. Oktober, eine Sendung über die sogenannten Stammheimtonbänder. Dabei handelt es sich um Aufnahmen während des Gerichtsverfahrens gegen die Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF). “Der WDR kann als erste Rundfunkanstalt repräsentative Passagen des Stammheim-Verfahrens senden”, schreibt der Sender dazu auf seiner Website.

Insgesamt sollen 21 Bändern aus dem Verfahren gegen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof und Jan-Carl Raspe erhalten sein. “Die Tonbänder dokumentieren einen Prozess mit hochaggressiven Wortwechseln und politischen Deklamationen”, heißt es auf der Website.

Die Dokumentation wurde von Maximilian Schönherr produziert. Begleitend diskutiert die WDR-Chefredakteurin Helga Kirchner am Montag Abend mit dem ehemaligen Richter Dr. Eberhard Foth, dem Rechtsanwalt Rupert von Plottnitz und Klaus Jünschke, der als früheres RAF-Mitglied in Stammheim als Zeuge aussagte.

Wer kein Radio zur Hand hat (zum Beispiel aus Protest gegen den GEZ-Terror), hier der Link zum WDR5-Radiostream: WDR 5 (Windows Media Player, Win und Mac).

Der Depp der Woche…

Ein Beitrag zum Themengebiet Funkwellen, Politikum, geschrieben am 18. Juli 2007 von Thomas Arndt

… heißt Ricky Breitengraser, Diplom-Journalist und Chefredakteur beim Privatradio Jam FM.

Warum, das erklärt Thomas Knüwer heute in einem Beitrag, der ein Thema aus dem ZDF-Boulevard-Magazin Frontal 21 aufgreift, in dem es um Radio-Beiträge geht, die von Firmen zu Werbezwecken produziert werden und den Anschein erwecken redaktionelle Beiträge zu sein.

Weil es so schön ist, kopiere ich die Ladung geballte Dummheit mal:

Breitengraser: Wenn dann zehn-, fünfzehntausend Euro fließen, warum sollten wir uns dagegen verwirren, verschwören…

Reporter: …weil das gegen journalistisches Ethos verstößt, gegen das Gebot von Trennung von Werbung und Journalismus, und Redaktion.

Breitengraser: Ich finde aber, wenn es sowieso eine Relevanz hat – wir würden es ja sowieso tun. Und wir haben auch Leute zu bezahlen…

Reporter: Es ist illegal.

Breitengraser: Es ist illegal, diese Dinge zu tun?

Reporter: Es verstößt gegen den Rundfunksstaatsvertrag.

Breitengraser: Innerhalb eines privaten Rundfunksenders?

Reporter: Ist Ihnen das nicht bewusst?

Breitengraser: Ne, tatsächlich nicht. Das ist tatsächlich nicht bewusst.”

Wer bisher böswillig mutmaßte, Blogger seien das Prekariat des Journalismus, der wird eines besseren belehrt: Privatradiomacher sind es. Bei den Trigami-PRoleten (in Anlehnung an DonA) sieht man wenigstens noch, dass es sich um Werbung handelt (und selbst geschrieben ist es in der Regel auch).

Wenn man sowas hört, dann wünscht man sich, dass den Jam-FM-Machern und ihren fremdgesteuerten Kollegen in diesem Land dasselbe Schicksal wie den Sat.1-Leuten widerfährt und sie von einer ausländischen Heuschrecke durch dressierte Affen ersetzt werden.

Nachtrag: Breitengasers Statement gibts auch als Video (via massenpublikum, Hauptstadtblog).

Nachtrag 19.07.: Blogmedien hat einen kritischen Beitrag über die Kritik an der Schleichwerbung geschrieben (siehe auch die Trackbacks.

“Unterschichten-TV” schafft es bis zu Domian

Ein Beitrag zum Themengebiet Funkwellen, geschrieben am 13. Juni 2007 von Thomas Arndt

Vor kurzem wurde die interessante, aber nicht sonderlich erfolgreiche Call-In-Radioshow “neonox” fürs erste abgesetzt. Vermutlich konnte man nicht genug Radiosender überreden, den Wortanteil nachts zu steigern und das Programm zu übernehmen, um wirtschaftlich zu sein. Moderator Patrick Lynen lehnte leider ein Interview zum Ende von neonox mit diesem Weblog ab. Ersetzt wurde neonox durch eine verlängerte “lovenight” bei Traumpartner TV. Eine Art Unterschichten-Fernsehen für sozialphobische Dauersingles und Sexhungrige.

Susanne K., die sich in ihrem Beruf als “Sue” bezeichnet, Fetisch-Model aus Oberhausen und eben auch Moderatorin bei jenem lovenight.tv rief am 13.6. bei Domian zum Thema “Ich mache etwas außergewöhnliches” an, und outete sich auf Nachfrage als eben jene Moderatorin bei lovenight. Eine gelunge PR in eigener und lovenigts Sache.

Bemerkenswert ist die Geschichte, weil sich hier zwei Arten von “Talkshows” berühren, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Während die seriöse Sendung Domian Anrufern kostenlose Lebenshilfe bietet, versucht man sich bei lovenight als Kuppelshow. Vornemlich über SMS werden die Zuschauer (SAT und Livestream) dazu verleitet, an dem Angebot teilzunehmen. Für 1 Euro pro SMS. Quasi eine Art “Transaktionsfernsehen” bei dem man für einen Euro pro Beitrag an einer vermeintlichen Gemeinschaft teilnehmen kann, oder seine eigenen privaten Telefonsexwünsche anderen per mitgeschickter Handynummer anbieten kann. Immer angefeuert von Moderatoren wie Susanne K., die quietschend Symphatie mit denen heucheln, die tatsächlich nichts anderes zu tun haben, als an einem TV-Format teilzunehmen, das sich noch deutlich unter RTL II-Niveau befindet.

Ob der WDR in einer renomierten Sendung wie Domian solchen Leuten ein Forum bieten sollte, sei dahingestellt.

Gibts eigentlich auch Radio 2.0?

Ein Beitrag zum Themengebiet Funkwellen, geschrieben am 30. April 2007 von Thomas Arndt

Modern ist, wenn, während der Radiomoderator im Fernsehen eine E-Mail vorliest, im eingeblendeten SMS-Chat “Andi” eine dominante Frau sucht. Ist das dann eigentlich Radio 2.0, um das Schlagwort aus dem Web mal zu übernehmen?
Wie auch immer: aufgrund solcherlei bunter wie auch kurioser “Medienkonvergenzen” bin ich beim Zappen durch das große, aber meist schlechte Angebot von Astra Digital bei neonox hängengeblieben. Während beim WDR oder Eins Live der seriöse Jürgen Domian seit 1995 Deutschlands wahrscheinlich beliebteste und hochwertigste Call-In-Talkshow im Radio moderiert, läuft seit letztem Jahr parallel - fünfmal die Woche von null bis zwei Uhr - “neonox - die neue Nacht im Radio”.
Vor allem auf kleineren Radiostationen, wie Radio Galaxy in Bayern, Radio Fantasy in Augsburg oder Energy Sachsen ist die Syndication-Show zu empfangen. Berichten bei radioforen.de zufolge, wird die Sendung den Stationen kostenlos angeboten. In der Nacht den Wortanteil auf diese Weise zu steigern sei wohl sinnvoll, um etwas an GEMA-Gebühren zu sparen.
Wer mal reinhören will: den passenden Radiostream bei surfmusik aussuchen, oder direkt die url zum Live-Video-Stream (mms://streaming.rtl.de/traumpartnertv) im Media Player öffnen oder natürlich auf Astra Digital gucken.
Achja, und falls ihr eine dominante Frau seid, meldet Euch doch mal dort: Während ich diesen Eintrag geschrieben habe, kam die SMS von “Andi” mindestens dreimal über den Bildschirm.