Archiv für das Themengebiet 'Medienrauschen'

Aust raus: SPON schweigt, Gehrs pöbelt

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedrucktes, Medienrauschen, geschrieben am 16. November 2007 von Thomas Arndt

Ein bisschen komisch ist das schon: alle schreiben darüber, dass Stefan Aust beim Spiegel gegangen wird, nur Deutschlands wichtigstes Internetnachrichtenportal nicht: Spiegel Online.

Wäre das so schlimm?

Stefan Aust war seit 1994 Chefredakteur bei Spiegel Online, sein Vertrag läuft am 31. Dezember kommenden Jahres aus und wird überraschender Weise nicht bis 2010, wie es wohl zumindest von Aust geplant war, verlängert.

Was sind die Gründe? Internernen Machtkampf verloren analysieren die meisten Medienjournalisten, zu viel um die Pferde gekümmert, pöbelt Oliver Gehrs, der schon viel früher Austs Weg gehen musste bei Stefan Niggemeier. Und bei der taz durfte Gehrs gleich auch nochmal ran.

Hoffen wir das Aust nach seinem “Rauswurf” nicht das gleiche Schicksal ereilt wie Gehrs.

US-Serien gefährdet: Drehbuchautoren streiken

Ein Beitrag zum Themengebiet Netzwelten, Mattscheibe, Medienrauschen, geschrieben am 4. November 2007 von Thomas Arndt

Schwere Zeiten für Fans amerikanischer Serien-Unterhaltung. Ob Lost, Prison Break oder Heroes - viele Serien werden vermutlich erstmal nicht fortgesetzt. Grund: Die amerikanischen Drehbuchschreiber streiken.

Beispiel Heroes: Im Blog des US-Dienstes TV-Guide wird spekuliert, dass die aktuelle zweite Staffel von Heroes, das gerade in Deutschland gestartet ist, bereits am 3. Dezember diesen Jahres zu Ende ist. Eine verübergehender Höhepunkt der aktuellen Storyline “Generations” könnte als alternatives Ende der aktuellen Staffel umgeschrieben werden.

Was ist da also los? Ab Montag streikt die Writers Guild of America, das ist die Vereinigung der amerikanischen TV- und Hollywoodautoren. Einen solchen Streik, der eben auch das Fernsehprogramm beeinträchtigt, hat es seit 1988 nicht mehr gegeben.

Das deutsche Medienmagazin DWDL.de hat Matt Roush, Senior Critic des amerikanischen „TV Guide“, zu diesem Thema um eine Einschätzung gebeten.

Ein Auszug:

Ich will nicht beurteilen wie lange der Streik dauern könnte, aber wenn die Produktionen für längere Zeit ausgesetzt werden - also Wochen wenn nicht Monate - dann wird der Nachschub an neuen Episoden schon kurz nach dem Jahreswechsel im Januar versiegen.

Und zu den Gründen der Autoren erklärt Roush:

Diesmal ist es dafür so kritisch wie noch nie. Das Nutzungsverhalten des Fernsehzuschauers hat sich in den letzten Jahren dramatisch geändert. Er findet neue Wege seine Lieblingsserien zu konsumieren - über das Internet und auf DVD. Da passen alte Modelle nicht mehr. Gefordert wird von den Autoren deshalb ein fairer Anteil an den Erlösen über neue digitale Plattformen und eine Neuverhandlung der Beteiligung an den Einnahmen durch den DVD-Vertrieb.

Was mich persönlich betrifft: Wenn die amerikanischen Networks tatsächlich gezwungen sind, unsere Lieblingsserien schon im Dezember in die Ferien zu schicken, dann trifft mich das härter als der Streik der deutschen Lokführer. Leider sind die Fronten wohl auch Übersee ähnlich verhärtet wie hierzulande.

Bildblog: Nicht mehr als gute Unterhaltung?

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedrucktes, Medienrauschen, Blogosphäre, geschrieben am 31. Oktober 2007 von Thomas Arndt

Christian Jakubetz, der die Blogosphäre schonmal mit den Asterix Comics verglichen hat, hat sich so seine Gedanken über die Entwicklung des Bildblogs gemacht. Da ist er nicht der erste, und es wurde vieles auch schon gesagt, aber diesmal eben auch mal von jemandem, der sich auskennt. Kurzum: In Reaktion auf eine Bildblog-Lesung mit Charlotte Roche und Fettes Brot schreibt Jakubetz, das Bildblog entwickle sich zu einem reinem Unterhaltungsprojekt, dessen aufklärerischer Einfluß gering ist. Keine Bild wird weniger gekauft, weil es das Bildblog gibt. Unterhalten fühlen sich eh nur die, die ohnehin schon wissen, das Bild doof ist. Jakubetz beschreibt das mit dem “Gefühl auf der gute Seite zu stehen”.

Stefan Niggemeier greift in seinem Blog diese Thesen auf und wirft Jakubetz vor, nicht idealistisch genug zu sein, gar diese idealistische Vorstellung vom Journalisten, der die Welt verändert womöglich nichtmal seinen Studenten in München zu vermitteln. Und außerdem sei das Bildblog sehr wohl nicht nur eine Unterhaltungsmaschine. Vielmehr diene Unterhaltung dazu, möglichst viele Leute zu erreichen. Und Leute, die sich Gedanken machen, auf welcher Seite sie stehen, und vielleicht die des Bildkritikers für die richtige halten, sind ihm lieber als solche die sich gar keine Gedanken machen.

Dass Journalismus unterhaltsam sein soll, dass ist inzwischen sicherlich unumstritten. Da hat Niggemeier den Jakubetz vermutlich bewusst oder unbewusst falsch verstanden. Die Frage ist, wann Unterhaltung zum Selbstzweck wird. Ob das bei Bildblog schon so weit ist oder irgendwann so weit sein wird, das wissen wir nicht. Müsste man untersuchen.

Das Journalismus sich mit keiner, auch nicht einer guten Sache gemein machen darf, sollte jedenfalls klar sein. Ein Blogprojekt, dessen Ziel es ist, die Auflage der Bild-Zeitung zu senken, wäre jedenfalls kein journalistisches. Eines, dessen Ziel es ist, die Inhalte der Bild-Zeitung zu verändern, wahrscheinlich auch nicht. Eins, dass zeigt, dass in der Bildzeitung falsche Sachen stehen, ist unter dieser Prämisse in Ordnung.

Letzteres tut Bildblog. Mehr aber auch nicht. Hier kommen wir zu einem Punkt, an dem ich Jakubetz Recht gebe:

Dummerweise konterkariert das den Anspruch, mit dem die Bildblogger angetreten sind: nämlich darauf hinzuweisen, dass Bild eben nicht ein “lustiges Quatschblatt” ist, sondern Europas größte Tageszeitung - mit entsprechender Macht und entsprechendem Einfluss ausgestattet.

Ich würde sogar noch weitergehen. Ich würde mir wünschen, zu erfahren, warum Bild so ist wie sie ist. (Gut, das folgende ist rhetorisch, ich weiß es schon. Sagen wir: Ich würde mir wünschen, dass die “Leute” es erfahren.) Damit meine ich nicht, warum Boulevardjournalismus so ist wie er ist, sondern eher, was das für Leute sind, die bei Bild arbeiten, wie bei Bild gearbeitet wird. Eine Kollegin hat mir als Begründung für ihren Ausstieg bei Bild gesagt: “Wenn man da lange arbeitet, dann wird man Alkoholiker oder Kinderschänder”. Verwundert war ich darüber nicht. Ich kenne die Geschichten von den Bild-Redakteuren, die nur besoffen arbeiten können, ihren Job nur besoffen ertragen. Sind es mehr als in anderen Redaktion? Wenn ja warum? Und ist darin, die Art und Weise begründet, warum Bild so ist wie sie ist?
Und warum macht Bild so oft selbst Politik? Und ist das schlimm? Der Spiegel, die FAZ machen es doch auch? Und die Lokalzeitung hebt den Lieblingspolitiker ins Amt des Bürgermeisters.

Mann muss das offensichtliche natürlich nicht immer wieder erklären. Es reicht darauf hinzuweisen, dass es nicht in Ordnung ist einen mutmaßlichen Mörder mit Namen als Mörder zu bezeichnen. Und jeder einzelne Verstoß gegen das Presserecht sollte auch irgendwo aufgeschrieben stehen. Aber ist es wichtig, die Zahlendreher zu korrigieren, oder wenn Bild eine Hauptstadt verwechselt, drei Mal ein anderes Alter von jemandem aufschreibt oder über Hitlers geheime UFO-Pläne berichtet. Nein, wichtig ist das nicht. Aber es ist lustig. Und das ist Bildblog.

Google kickt “PI-Nazis” aus dem Index

Ein Beitrag zum Themengebiet Medienrauschen, Blogosphäre, geschrieben am 15. Oktober 2007 von Thomas Arndt

Einem Beitrag von Stefan Niggemeier auf dessem Blog zufolge, wird das Weblog Politically Incorrect (PI) nicht mehr als Quele in der Google Nachrichtensuche aufgefhrt. Das Weblog bezeichnet sich slebst als islamkritisch und gilt allgemein als Hort von, man könnte vorsichtig sagen: Menschen mit einer etwas zu nationalen Gesinnung.

Das ist zunächst einmal nur ein Nebenaspeckt. Den grundsätzlich ist es bei Google wohl so gedacht, das Beiträge in Weblogs über die Blogsuche gefunden werden können, nicht über die Nachrichtensuche. Dies teilte Google Niggemeier auch auf desen Nachfrage hin mit, und der beklgt sich zugleich darüber, das Google nicht tranperant macht, welche Krititerie für die Augfnahme in den Google Nachrichten-Index angewant werden.

Stefan Niggemeier schreibt zum Wesen der Disskussionkultur bei PI:

„Politically Incorrect” ist in den vergangenen Monaten zu einer Art Zentralorgan für moderne Rassisten geworden. […] Es zieht mit seinen Artikeln Scharen hasserfüllter Kommentatoren mit Gewaltphantasien an, die sich vom dumpfen Neonazi im Wesentlichen in zwei Punkten unterscheiden: Sie haben die (vermeintliche oder tatsächliche) Bedrohung des westlichen Lebensstils und der Demokratie durch den Islam als Legitimation und Rationalisierung ihres Ausländerhasses entdeckt. Und sie sprechen nicht mehr von „Kanaken”, sondern von „Musels”. […]

Diese Einschätzung kann ich teiln. Politically Incorrect scheint tatsächlich ein Hort dessen zu sein, was für manch einen als der “Dreck von unten” gilt, wenn er vom Weblogs spricht. Vielleicht hatsich bei Google ja jemand beschwert. Grundsätzlich scheint Google mit bedenklichen Inhalte wie denen etwa von kreuz.net (Stichwort: Homosexuelle sind krank) keine bedenken zu haben. Solange niemand ein Hakenkreuz auf seine Startseite tapezirt, gilt es wohl als agregationsfähige Nachrichtquelle.

Die Kommentatoren auf PI freilich sollte man nicht so ernst nemen: Solche Weblogs machen nur sichtbar, was an absurden Gedanken und Meinnungen in der Bevölkerung kursiert, und nun nicht nur gedacht oder vieleicht am Stammtisch geäußert werden darf, sondern eben auch mal im Internet “ausgekotzt” werden kann.

Stefan Niggemeier mag diese Kommentatoren trotzdem nicht; schließlich fallen sie auch regelmäßig über seine Blogbeiträge her, zerstören Diskussionen und nerven halt. Aus diesem Grund ist es wiederum wichtig, einem Weblog wie PI kritisch gegenüber zu stehen, denn nicht zuletzt aggregiert es googlelike quasi solche demokratiefeindlichen Minderheitsmeinungen und verleiht ihnen polietische Sprengkraft.

Rüttgers beantwortete abgesproche Fragen

Ein Beitrag zum Themengebiet Medienrauschen, Off Topic, geschrieben am 28. September 2007 von Thomas Arndt

Politiker inszenieren sich selbst gerne mit Kindern. Das kommt in den Medien gut an. NRW-MInisterpräsident Jürgen Rüttgers (SPD) musste nun einräumen, dass es sich bei solchen Inszenierung um einen Fake handelte. Das berichtet die Netzeitung.

Am 11. September diesen Jahres fand in Düsseldorf das Kinderforum “Rückenwind für jedes Kind” statt. 500 Kinder nahmen teil, ein Kinder-Moderator konnte Jürgen Rüttgers fragen stellen. Jetzt stellte sich heraus: diese Fragen waren abgesprochen. Mehr noch: Das Kind, dass die Fragen stellte ist der Sohn eines Pressesprecher der Landesregierung und es hat offensichtlich Geld dafür erhalten.

Peinlich.

Lokalzeitung genießt Vertrauen der Deutschen

Ein Beitrag zum Themengebiet Medienrauschen, geschrieben am 17. September 2007 von Thomas Arndt

Die Lokalzeitung gilt als seriöseste Informationsquelle bei den Deutschen. Das hat das Meinungsforschungsinstitut emnid in der vergangenen Woche herausgefunden. Überraschende 60 Prozent der Deutschen vertrauen demnach ihrer Lokalzeitung, gute 50 Prozent trauen immerhin noch dem Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, der damit auf Platz 2 landet, das Privatfernsehen landet auf Platz 3, der private Hörfunk auf Platz 4.

Am wenigsten Vertrauen genießt der Umfrage zufolge das Internet, und damit auch Weblogs, lässt sich Schlussfolgern. Lediglich 20 Prozent der Deutschen vertrauen dem Internet als seriöser Informationsquelle. Interessant auch, im Westen ist das vertrauen gute zehn Prozentpunkte zu den einzelnen Medien größer. Nur beim Privatfernsehen liegen die beiden deutschen Regionen gleichauf.

Quelle

Die McCann-Story

Ein Beitrag zum Themengebiet Medienrauschen, Off Topic, geschrieben am 8. September 2007 von Thomas Arndt

Die Geschichte um die im Mai verschwundene Madeleine McCann bekam in dieser Woche durch die nun offizielle Verdächtigung zumindest der Mutter und inzwischen wohl auch des Vaters neuen Auftrieb. Es könnte die spannendste Kriminalgeschichte der Neuzeit werden. Nicht weil noch niemals Eltern (ausversehen) eines ihrer Kinder töteten, sondern aufgrund des extremen globalen Medien-Booms rund auf das verschwundene Mädchen.

Gerüchten und verschiedenen Medienberichten zufolge könnte sich die Tat so dargestellt haben: Kate und Gerry McCann sind mit ihren Kindern im Urlaub an der Algarve. Am Abend wollen sie essen gehen. Die kleine Maddie klagt über Schmerzen. Mutter Kate gibt ihr wesentlich eine zu hohe Dosis eines Schmerzmittels, bringt die Kinder zu Bett und verlässt mit ihrem Mann das Haus. Als sie zurück kommt ist die kleine Maddie tot…

Doch wie kommt das Blut der kleinen Madeleine in ein 25 Tage später gemietetes Auto, mit dem die Leiche mutmaßlich weggeschafft wurde, wie kommt Blut und Leichengeruch an das Kuscheltier des Kindes, wie an die Wand der Ferienwohnung? Die englische Boulevard-Zeitung The Sun kolportiert verschiedene angebliche Informationen aus Polizeikreisen: Es wurde ein Bibel gefunden, die genau an der Stelle geöffnet war, an der David seinen Sohn tötet. Polizeibeamte vermuteten Kate McCann könnte die Stelle gelesen haben bevor sie die Tat beging oder zum Trost nach der Tat. Das Ärzte-Ehepaar gilt als katholisch und konservativ.

Es ist eine Geschichte, die sich kein Hollywood-Autor jemals besser ausdenken könnte. Es erinnert an den Film “The Sixth Sense”, in dem eine Mutter beide Töchter vergiftet, und ihre Tat während der Trauerfeier durch den Protagonisten enthüllt wird.

Ehemann Gerry McCann weißt auf seinem Blog alle Vorwürfe zurück: “Jeder, der etwas über den 13. Mai weiß, weiß auch, dass Kate komplett unschuldig ist”. 13 Stunden hätte die portugiesische Polizei seine Frau interviewt, die Vermutung seine Frau könnte mit Maddies Verschwinden zu tun haben, sei lächerlich.

Währenddessen dreht sich in englische Presse Spiegel Online zufolge der Wind. Während The Sun den Vorschlag der portugiesischen Ermitteler Kate McCann solle ein Jahr in Haft für versehentliche Tötung gehe als “kranken Deal bezeichnete” schrieb der Daily Telegraph: “Hat man wirklich niemals ein gewisses Unbehagen verspürt angesichts ihrer Omnipräsenz in den Zeitungen und im Fernsehen?”

Gedanken übers Bildblog

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedrucktes, Medienrauschen, Blogosphäre, geschrieben am 3. September 2007 von Thomas Arndt

Stefan Winter, Autor beim pseudo-intellektuellen Popkulturprojekt jetzt.de (einst hervorgegangen aus der montaglich der Süddeutschen beiliegenden Pflichtlektüre von Abiturienten und Erstsemestern) hat einen kritischen Beitrag über das Bildblog geschrieben. Das wäre nichts besonderes, würde nicht Stefan Niggemeier, einer der beiden Bildblogmacher selbst darauf antworten.

Dabei kratzt Stefan Winters Artikel lediglich an der Oberfläche und wiederholt eigentlich nur, was überall schonmal stand. Die beiden Hauptkritikpunkte sind:

Wenn Stefan Niggemeier das Bildblog als seine Arbeit bezeichnet und davon leben will, heißt das: Er lebt (zumindest indirekt) von dem Dreck, den die Bildzeitung täglich verbreitet. Für jemanden mit seinem moralischen Standard, finde ich das zumindest fragwürdig.

Doch anstatt darüber zu schreiben, werden Niggemeier und BildBlog von Blogosphäre und klassischen Medien in (ungewohnter) Eintracht hofiert […]

Der zweite Punkte ist halbwegs richtig. Zwar gibt es in der Blogosphäre neben dem bekannten Supertroll Christian Beduhn aus Braunschweig (Sven Wallman, Lara van Antwerpen, edit: jedoch nicht Frank Brill nach dessen eigener Aussage) auch ernstzunehmende Kritiker des Bildblogs in der Blogosphäre, aber die kommen zum größten Teil aus der “Kommerz ist schlimmer als Hitler-Ecke” und kritisieren Niggemeier deswegen am ehesten kein Blogger zu sein, sondern bestenfalls Journalist, wahrscheinlich aber auch nur Unternehmer. Damit sind wir dann schon beim ersten Punkt:Natürlich dürfen die Bildblogger mit Medienkritik Geld verdienen. Das ist legitim. Was gern übersehen wird: Das Bildblog erreicht vermutlich nur all jene, die Bild sowieso doof finden. Deswegen ist es (und seine Kritik) in seiner gesellschaftlichen Relevanz gering. Es ist zwar auch ein gut recherchiertes Watchblog, aber eben auch ein Stück Popkultur. Die Frage ist wie lange das im Gleichgewicht bleibt und ob nicht irgendwann der popkulturelle Teil überwiegt, es vielleicht nur noch darum geht Geld damit zu verdienen und die Kritik Mittel zum Zweck ist.

Ein anderer Kritikpunkt ist einer für den man vielleicht den Rezipienten des Bildblogs in den Mittelpunkt rücken muss. Stefan Winter schreibt über sie: “Die etwas klügeren, etwas schlaueren Menschen versammelten sich dort und amüsierten sich darüber, was für ein Schwachsinn wieder in Bild steht.” Zwar weiß wahrscheinlich niemand, wer Bildblog liest, aber vermutlich sind es eben nur die “etwas” klügeren, für die am Ende die Bild das Böse ist und die losgehen und Kai Diekman fotografieren oder sich freuen, wenn sein Auto brennt. Vielleicht weil beim Bildblog dieselben Mittel funktionieren, wie in der Bildzeitung: Personalisierung (Kai Diekmann) und Skandalisierung (unwichtiger Zahlendreher zum Beispiel).

Tatsächlich aber ist die Realität viel komplexer, und auch bei der Bild-Zeitung arbeiten nicht nur Alokoholiker und Kinderschänder, sondern auch normale Leute (ich kenne welche). Und auch andere Tageszeitungen (vor allem chronisch unterfinanzierte Lokalblätter) sind voller Recherchefehler, auch andere Presseorgane machen Politik oder vermischen Werbung und Redaktionelles. Die Bild ist nichtmal die schlimmste unter ihnen (das kann die B.Z. alles besser) aber die einflussreichste.

Um auf den Punkt zu kommen: Es wäre wünschenswert, wenn es neben dem Bildblog auch andere derart erfolgreiche Weblogs gäbe, die (auch andere) Medien kritisch beobachten. Aber dafür können die Bildblogmacher eigentlich nichts. Das ändert aber nichts daran, dass sich um das Gravitationszentrum Bildblog verzerrte Bilder der Medienwirklichkeit (zuviel Bedeutung auf die Bildzeitung) als auch der Blogosphäre ergeben.

Der Parasit der Blogger

Ein Beitrag zum Themengebiet Medienrauschen, Blogosphäre, geschrieben am 3. September 2007 von Thomas Arndt

SZ-Autor Johannes Boie, der sich seinem XING-Profil zufolge im Ruhestand befindet und in Berlin lebt basht gerne die Deutsche Blogosphäre. Wie ein Parasit hat sich der Autor in die Blogosphäre verbissen und ertippt sich mit immer neuen Bashings sein vermutlich mikriges Zeilenhonorar.

Vor kurzem hatte Boie schonmal ein paar harte Worte über die Blogger der Republik verloren, am gestrigen Sonntag gings dann weiter: Blogger im Clinch heißt die Schlagzeile des Artikel auf dem selten gelesenen Online-Portal der Sueddeutschen Zeitung.

Boie lobt zunächst den Bildblog-Werbespot und damit das Bildblog als herausragendes deutsches Weblog um dann auf all die anderen Beta-Blogger einzudreschen, die seiner Meinung nach nichts anderes zu tun scheinen, als sich gegenseitig zu verlinken. Als Beweis führt Boie das Ende von Blogscout an, das genau aus diesem Grund dicht gemacht hätte (glaubt Boie).

Außerdem wird noch Don Dahlmann zur Bestätigung der eigenen Thesen ins Feld geführt und die Kritik Stefan Niggemeiers an den eigenen Thesen quasi als Diskurs präsentiert:

Niggemeier […] bezweifelte unter anderem die Behauptung, dass Blogger eine “Alternative zu etablierten Medien werden wollen.

Tatsächlich hatte Stefan Niggemeier in seinem offenen Brief gar keinen Diskurs mit Boie über inhaltliche Fragen gesucht, sondern darauf hingewiesen, dass traditionelle Medien wie etwa die SZ den Bloggern mit Überheblichkeit und Unwissen begegnen.

Aber vermutlich ist mit dem Ruhestand bei Boie auch die Senilität eingetreten.

[via trice]

ARD, ZDF und die Digitalisierung

Ein Beitrag zum Themengebiet Netzwelten, Mattscheibe, Medienrauschen, geschrieben am 29. August 2007 von Thomas Arndt

Der Streit um die Digitalisierungspläne von ARD und ZDF geht in eine neue Runde. Diesmal gibt es einen Schlagabtausch auf oberster Ebene:

Als “völlig überzogen” hat der Vorsitzende der ARD, Fritz Raffke Kritik an den Digitalplänen von ARD und ZDF bezeichnet. Das geht aus einer Pressemitteilung der ARD hervor.

Der Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), Jürgen Doetz hatte die Digitalpläne der ARD und des ZDF scharf kritisiert. “Online- und Mobile-Angebote gehören nicht zum Kernauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks”, sagte Doetz auf der Medienwoche Berlin-Brandenburg. Doetz weiter: “Es kann nicht sein, dass ARD und ZDF sich bis 2009 ungehindert gebührenfinanziert ihre digitale Wunschwelt bauen und Fakten schaffen, die die Anforderungen der EU-Kommission außer Acht lassen.”

Raffke hingegen bezeichnete die Pläne der ARD für die digitale Welt als “maßvolle und an den finanziellen Möglichkeiten der ARD orientierte Weiterentwicklung”. Mit Blick auf neue Verbreitungswege, neue Empfangsmöglichkeiten und die sich verändernde Mediennutzung sei eine solche Weiterentwicklung unverzichtbar. Und an den Präsidenten des VPRT gerichtet witzelte Raffke: “Wenn Herr Doetz schon vor 40 Jahren für den VPRT auf der IFA gewesen wäre, dann hätte er der ARD wahrscheinlich auch den Einstieg ins Farbfernsehen verbieten wollen.”