Die Autoren verschiedener Online-Medien beschäftigt in diesen Tagen ein Berliner Rapper names G-Hot. Das ist dieser lustige junge Mann hier mit dem zu großen T-Shirt. In einem Song der unter anderem bei Youtube zu hören war, jetzt allerdings wieder entfernt wurde, macht sich G-Hot über Homosexuelle lustig (manche sagen, er rufe offen zu Gewalt auf). Sprüche wie “Ich geh mit zehn MGs zum CSD und kämpf für die Heten, die auf Mädchen stehn” oder “Was ist bloß passiert, sie werden akzeptiert, es gab Zeiten da wurden sie mit der Axt halbiert.“ waren laut rap.de Teil eines Disstracks gegen Homosexuelle mit dem Titel “Keine Toleranz”.
Sueddeutsche.de zufolge habe G-Hots Plattenfirma Aggro Berlin den Rapper nun rausgeworfen, weil er es, wie SZ-Autor Dominik Schottner einschätzt, zu weit getrieben habe. Schottner dazu:
Was ist da los? War die gezielte Provokation für Sidos “Arschficksong” noch das Mittel der Wahl, um die Plattenverkäufe in die Höhe zu treiben, so ist es jetzt die gezielte Mäßigung. Fürchtet Aggro etwa die ewige Pressehölle, in der es wegen des Albums “Neger Neger” seines Rappers B-Tight wieder einmal schmort? “Kein Kommentar” hieß es dazu am Freitag auf Anfrage der SZ.
Inzwischen hat das Berliner Independent-Label Stellung bezogen:
Um weiteren Gerüchten vorzubeugen stellen wir hiermit klar, dass G-Hot nicht mehr Teil unserer Crew ist. Der Künstlervertrag des Rappers war bereits im Herbst 2006 ausgelaufen, seit dem gab es keine geschäftliche Beziehung zwischen G-Hot und Aggro Berlin.
Und auch G-Hot hat auf seinem MySpace-Profil eine Stellungnahme abgegeben. Der Song sei rein privater Natur gewesen und zudem satirisch gemeint:
In der vergangenen Woche wurde der Song “Keine Toleranz” durch eine dritte Person in das Internet gestellt. Dies geschah ohne Wissen und ohne Einwilligung von G-Hot und Boss A (Die Kralle). Dieser Song war nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Vielmehr haben G-Hot und Boss A dieses Lied rein privat verfasst. Der Text entstand als böshumorige und satirische Auseinandersetzung mit Vorurteilen gegenüber Homosexuellen. In keinster Weise spiegelt dies die persönliche Einstellung des Verfassers wieder. Die drastische Wortwahl diente einzig und allein der überspitzten Darstellung gängiger Vorurteile und sollte diese so konterkarieren. Eine Veröffentlichung war zu keinem Zeitpunkt geplant.
Im Prinzip finde ich die ganze Geschichte nicht so wild. MTV-Urgestein Markus Kavka macht sich auf Zeit.de in einer Kolumne allerdings Sorgen um den deutschen HipHop:
Oder anders gefragt: Reagiert man im HipHop erst, wenn es um die Kohle geht, wenn man sich Künstler im wahrsten Sinn des Wortes nicht mehr “leisten” kann, weil die Grenze des schlechten Geschmacks überschritten ist? Seit Jahren lässt sich mit politischen Unkorrektheiten viel Geld verdienen, der US-Rap hat es vorgemacht, auch in Deutschland scheint diesbezüglich das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht zu sein. […] Man kann sich schon kaum mehr vorstellen, dass es vor gar nicht all zu langer Zeit im deutschen HipHop politisch korrekte Künstler mit Wortwitz und ebenso musikalischer Gewitztheit gab.
Ich denke, man kann primitive Underground-Rapper nicht mit dem, was sich so abseits von Aggro-Berlin in den 90er-Jahren an deutschem HipHop entwickelt hat, nicht ohne weiteres miteinander vergleichen. Ich finde es auch nicht schlimm, eher dumm, dass G-Hot für seine unreflektierte Homphobie nun eine gewisse Öffentlichkeit gefunden hat. Dererlei Anfeindungen sollten keinem Homosexuellen oder wem auch immer Sorgen bereiten. Was viel bemerkenswerter ist, sind die vielen zustimmenden Reaktionen, die man im Internet zu diesem Thema lesen kann (die zitierten Artikel gehen darauf ein). Die Diskussion um einen eigentlich völlig unbedeutenden Rapper und einen peinlichen Track zeigt mal wieder wie wenig Homosexualität in nicht zu unterschätzenden Teilen der Bevölkerung toleriert wird. Von Akzeptanz gar nicht zu sprechen.