Archiv für das Themengebiet 'Politikum'

“Heil Hitler, Herr Friedman”

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedrucktes, Politikum, geschrieben am 1. November 2007 von Thomas Arndt

Michel Friedman, der “ewige Jude”, Intellektueller, Moderator und Autor hat die für die Vanity Fair ein Interview mit Horst Mahler, dem “ewig Gestrigen” geführt, dem ehemaligen RAF-Anwalt, der später zum Neonazi mutierte und als einer der gefährlichsten, weil intelligentesten, Rechtsextremen in Deutschland gilt.

Das Interview kann man bei der Vanity Fair auch online lesen, und es wird vermutlich für viel Gesprächsstoff sorgen. Immerhin, könnte man meinen, es gibt doch ein Recht auf freie Rede, in Deutschland; dieses wird ja von Rechtsextremen immer wieder in Abrede gestellt, der Kampfbegriff der gleichgeschalteten Systempresse verwendet, der zuletzt in seiner ganzen Verworrenheit im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung um Eva Herman neuen Auftrieb bekam und erst gestern auch hier thematisiert wurde.

“Wir veröffentlichen dieses Interview, weil wir glauben, dass es eine bessere Bloßstellung der deutschen Rechtsextremen nie gegeben hat – auch wenn er Dinge sagt, die in Deutschland verboten sind […]”, heißt es in der Einleitung, und es geht auch gut los: “Heil Hitler, Herr Friedman” begrüßt Mahler seinen Interviewer. Und danach wird es richtig verrückt.

Ein paar Auszüge:

M.F. Erkennen Sie irgendwelche Gesetze Deutschlands an?
H.M. Na sicher, die deutschen Reichsgesetze. Die sind nur im Augenblick nicht wirksam, weil die Fremdherrschaft sich darübergesetzt hat und die bestimmt.

H.M. Sie [die Juden] sind die Verkörperung eines Gottes, der nach unserem Verständnis Satan ist, und sie haben eine tragische Rolle in der Zersetzung und Verneinung des Lebens aller anderer Völker. […]

H.M. Hitler war der Erlöser des deutschen Volkes. Nicht nur des deutschen Volkes. Und er ist als Erlöser von Satan dämonisiert worden, damit jeder Gedanke an den Erlöser ausgetilgt ist im Bewusstsein der Deutschen und der Welt überhaupt.

M.F. Auschwitz ist eine Lüge?
H.M. Ja, sicher. Also Auschwitz als Konzentrationslager, Arbeitslager hat es gegeben – damit es da kein Vertun gibt –, aber die systematische Vernichtung der Juden in Auschwitz, das ist eine Lüge. Das wissen Sie auch.

Und so geht es immer weiter. Wahrscheinlich hat es so ein Interview in Deutschland noch nich gegeben. Unbedingt lesen.

Friedman hat nach Informationen der Netzeitung nach dem Gespräch Strafanzeige gegen Mahler gestellt.

Nachtrag 4.11.:

Für Spiegel Online hat, wie üblich, Henryk M. Broder, das Gespräch unter die Lupe genommen. Ergebnis: Mahler ist Sieger nach Punkten. Und Michel Friedman bescheinigt er eine pathologische Affinität zu seinem potenziellen Vernichter.

Reaktionen auf Herman bei Kerner

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, geschrieben am 10. Oktober 2007 von Thomas Arndt

Der Auftritt von Eva Herman bei Johannes B. Kerner beschäftigt heute die gesellschaftliche Debatte in Deutschland. Dabei sind sich die meisten Kommentatoren darüber einig, dass die Akteure der Talkshow eine miserable Figur abgeben haben. Herman, weil sie so sturr war. Kerner und der Wissenschaftler, weil sie in Eva Herman mehr sahen, als sie eigentlich ist, und Schreinemakers, Berger und Barth, weil sie nicht wirklich etwas sinnvolles beizutragen hatten.

Henryk m. Broder (Autor, Journalist), der, nicht ganz zu Unrecht, gelegentlich die Deutungshoheit über deutsche Befindlichkeiten im Zusammenhang mit der Vergangenheitsbewältigung insbesondere der des Dritten Reiches zu beanspruchen scheint, hat heute für Spiegel Online Wahres, über die Debatte um Eva Herman und ihren bizarren Auftritt bei Johannes B. Kerner geschrieben:

Hat Eva Herman die Familienpolitik des Nazis verteidigt? Die Frage ist so irrelevant wie die Art der Haarspülung, die Eva Herman benutzt. Allein, dass sie seit Wochen debattiert wird, zeigt welche Narreteien mit Priorität behandelt werden.

Und dann passierte etwas, das man sich merken sollte, wenn man seinen Kindern und Enkeln eines Tages erklären möchte, wie weit im Jahre 2007 die Hemmschwelle nicht nur bei deutschen Moderatoren, sondern auch deutschen Professoren sinken konnte. Ein bekannter Berliner Historiker, der abseits der Runde plaziert worden war, klärte das Publikum darüber auf, was Eva Herman falsch gemacht hatte: […] Und er forderte die 1958 geborene Moderatorin auf, sich “von diesem rassistischen Frauenideal zu distanzieren”, als habe er nicht Eva Herman vor sich, sondern die wiedergeborene Eva Braun.

Als Eva Herman nach genau 55 Minuten von Kerner aus dem Studio komplimentiert wurde […] es endete auch eine der längsten Antifa-Sitzungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Es ist ein Antifaschismus, der sich von seinem eigentlichen Gegenstand längst verabschiedet hat und dort am besten gedeiht, wo es keinen Faschismus gibt: in einem virtuellen Raum des wohlfeilen Widerstands.

Blogger und Journalist Stefan Niggemeier merkt zur eigentlichen Qualität der Sendung treffend an:

Das war in einer an bizarren Momenten reichen Sendung einer der bizarrsten: Berger, Schreinemakers und Barth hatten deutlich gemacht, dass es ihnen unmöglich ist, ernsthaft weiterzudiskutieren, solange noch diese Nazitante dabei sitzt. […] Ohne die Nazitante, schien die Runde zu sagen, kann man nicht nur besser über gesellschaftliche Fragen diskutieren, sondern noch besser nicht über gesellschaftliche Fragen diskutieren.

Jörg Thormann von der FAZ spricht einen weiteren wichtigen Punkt an:

Als Geschlagene verließ Herman das Studio, in dem Kerner noch gut zwanzig Minuten mit den verbliebenden Dreien Belanglosigkeiten austauschte. Doch es war ein fragwürdiger Triumph des Moderators über eine angeschlagene Gegnerin, die nicht klug genug war, sich diesen Auftritt zu ersparen. Ob gewollt oder nicht: Spätestens jetzt ist Eva Herman zur Märtyerin all jener geworden, die überzeugt davon sind, dass es in diesem Land kein Recht auf freie Rede gebe.

Und Lutz Kinkel vom Stern analysiert auf teilweise humorvolle Art- und Weise die Persönlichkeit von Eva Herman:

Sie vermittelte dabei den Eindruck einer Frau, die nach Monaten in der medialen Waschmaschine in einem bedenklichen psychischen Stadium angekommen ist. Jemand, der mit Fehlern nicht mehr souverän umgehen kann. Sondern sich trotzig in Verteidigungen versteift, die für Außenstehende neurotisch klingen. Die Medien hätten sie falsch zitiert. Es sei gefährlich, über die Geschichte zu sprechen. Sie könne nicht frei ihre Ansichten zu Familie und Kindern äußern. Fehlte nur noch, dass sie von Erdstrahlen geredet hätte, die sie dauernd bedrängen würden.

Wer die Sendung verpasst hat, kann sie übrigens hier anschauen.

Berechnendes Kommunikationsdefizit als Eva-Prinzip?

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, geschrieben am 10. Oktober 2007 von Thomas Arndt

Sie hat Autobahnen gesagt, sie hat Autobahnen gesagt! Große Empörung bei Margarethe Schreinemakers und Senta Berger in der Talkrunde bei Johannes B. Kerner an diesem Abend. Eva Herman ist zu Gast. Eva Herman, der man unterstellt hat, sie habe den Nationalsozialismus gelobt. Eva Herman, die für manch eine intellektuelle Feministin schon die Reinkarnation von Eva Braun darstellt.

Und jetzt auch noch die Autobahnen! Auf den Vorwurf, sie würde den Begriff von der gleichgeschalteten Presse ebenso unglücklich verwenden, wie die Sache mit der Familienpolitik, hatte Herman sinngemäß entgegnet, man dürfe dann auch nicht auf den Autobahnen fahren, die die Nazis gebaut haben. Ein Klassiker. An diesem Punkt der Sendung muss man sich fragen: Kann sie wirklich so dumm sein? Vermutlich ist die Antwort ja, denn es kann unmöglich Teil einer berechnenden Strategie sein, sich selbst über erneute Empörung und Schlagzeilen in die Operrolle zu drängen.

“Ich muss einfach lernen, dass man über den Verlauf unserer Geschichte nicht sprechen kann, ohne in Gefahr zu geraten”, sagt Herman später auf die redundante Frage des Moderators, ob sie sich den gar nichts vorzuwerfen hätte. Und Schreinemakers ist völlig außer sich. Das geht doch nicht!

Was im ZDF an diesem Abend geschieht ist seltsam. Denn der Punkt, und das wird auch am Anfang durch ein entsprechendes Tondokument klar gemacht, ist der folgende: Eva Herman hat (anders in den Medien und auch auf diesem Weblog berichtet) nicht die Familienpolitik der Nazis gelobt: Im Gegenteil, ihr Punkt ist, eine Entwicklung aufzuzeigen, die sukzessive den Niedergang eines Frauen- und Familienbildes und damit verbundener Werte beschreibt. Werte, die Eva Herman gut findet, und auch gut finden darf.

Was sie gesagt hatte, war nichts anderes als folgende: Zuerst haben die Nazis das Familienbild missbraucht und damit entwertet, was dazu führte, dass auch die 68er sich mit den Werten vor dem Nationalsozialismus nicht mehr identifizieren konnten und wollten und das klassiche Familienbild ablehnten. Das geht eigentlich unmissverstädnlich aus dem Originalzitat von Eva Herman hervor.

Nun könnte man vorab sagen: Wir wissen, dass Eva Herman sowohl falsch zitiert als auch verstanden wurde, sehen wir dies als gegeben an. Doch selbst ein im Studio anwesender Historiker behauptet erneut, Eva Herman habe ganz klar die Familienpolitik der Nazis gelobt. Das ist schlichtweg falsch, und es kann eigentlich nichtmal so verstanden werden, dass eine solche Intention mit einer missverständlichen Formulierung beabsichtigt war.

Eva Herman verlässt dann nach Aufforderung das Studio, Kerner flachst für den Rest der Sendung lieber mit Comedian Mario Barth herum. Schreinemakers findet es dann zum Beispiel toll, das Mario Barth in der Frühe 500 Kilometer mit seiner Freundin fährt, um Handtaschen zu kaufen.

Aus dem Scheitern der Diskussion mit Eva Herman und der wiederholten Unterstellung, sie würde rechtsextremem Gedankengut nahestehen (obgleich jeder interessierte Zuschauer etwa anhand des Zitats die Medienlogik und den deutschen sich mimisch, akkustisch und gestisch in Schreinemakers äußerdenem Schuldkomplexes deutlich machen kann) bleibt eine Erkenntnis über die Medienlogik und die Art und Weise wie mit der Keule Nationalsozialimus politisiert wird zurück.

Die Frage ist nur, von welcher Seite?

Unterstellen wir mal etwas verschwörerisch, Eva Herman hätte dies alles beabsichtigt. Das nachweislich falsche Zitat, die verschwunden Videobänder, das in die Rechte Ecke gedrängt werden - dann hätte sie jetzt gewonnen. Denn in der Art und Weise, wie an diesem Abend mit ihr umgegangen wurde, was natürlich auch sinnbildlich für den Umgang der Medien allgemein steht, kann man eigentlich nur Symphatie für sie gewinnen.

Ist es nicht berechnend, sondern nur einfach nur dumm und unglücklich, dass sie in diese Rolle geraten ist, dann wundert man sich doch, warum es Kerner nicht gelingt, sie vor sich selbst zu schützen und die Debatte in eine andere Richtung zu führen.

Johannes B Kerner hat Eva Herman immer wieder gefragt, ob sie sich selbst denn gar nichts vorzuwerfen hätte. Die Frage könnte man an die Medien und insbesondere an Johannes B. Kerner zurückgeben.

Nachtrag 10.10.07: Mit 3,56 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 18.1 Prozent erzielte die Talkshow mit dieser Sendung die besten Einschaltquoten der Sendung im laufenden Jahr. (Quelle)

Kerner schmeißt Eva Hermann aus Sendung

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, geschrieben am 9. Oktober 2007 von Thomas Arndt

Ja, richtig gehört: Talkkönig Johannes B. Kerner wird heute Abend Eva Hermann aus seiner Sendung zum Thema Familienpolitik werfen. 22:45 auf dem ZDF.

Eva Hermann war wegen ihrer umstrittenen Äußerungen zur Familienpolitik der Nationalsozialisten vor einem Monat beim NDR rausgeflogen. Hintergrund war zudem die Kritikresitenz der brauen Eva bei diesem Thema.

In der Aufzeichnung der Sendung, die heute abend ausgestrahlt wird, kam es zum Eklat. Spiegel Online schreibt dazu:

Zuvor hatte der Moderator fast 50 Minuten lang die 48-Jährige immer wieder gefragt, ob sie ihre Äußerungen zu den familiären Werten im Nationalsozialismus heute so wiederholen würde. Doch Herman wich mehrfach aus und ergänzte: Wenn man nicht über Familienwerte der Nazis reden dürfe, könne man auch nicht über die Autobahnen sprechen, die damals gebaut wurden. Zudem sagte sie, dass man nicht mehr über deutsche Geschichte sprechen könne, ohne sich zu gefährden. Daraufhin sagte Kerner: “Ich entscheide mich für die anderen drei Gäste und verabschiede mich von Eva Herman.

Es scheint, als wäre Eva Hermann einfach unbelehrbar. Welche Ziele sie verfolgt bleibt dabei völlig unklar. Vielleicht sollte die Frau sich konsequent für eine Karriere bei einer rechtsextremen Partei entscheiden oder einfach mal in Urlaub fahren. Eine Bildungsreise dürfte sich da anbieten.

[via medien-gerecht]

Will lädt Gewerkschaftler aus

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, geschrieben am 7. Oktober 2007 von Thomas Arndt

Manfred Schell von der Lokführer-Gewerkschaft GDL wird am heutigen Abend nich bei Anne Will zu Gast sein. Der Gewerkschaftsführer wurde von der Redaktion der Sendung wieder ausgeladen. Das berichtet Spiegel Online (Spon).

Als vermeintliche Begründung gibt Spon an, der Schwerpunkt der Sendung sei auf das Thema Privatisierung verlagert wurden. Auf der Website von Anne Will wurde das Portrait von Schell rot “überpinselt”.

Der Spiegel Online Autor stellt die Frage:

Wieso setzt eine aktuelle Diskussionssendung zwei Tage nach dem ersten dreistündigen Streik der Lokführer und zwei Tage vor seiner möglichen Fortsetzung bei dem Thema “Bahn” den Schwerpunkt Privatisierung?

Darüber lässt sich lediglich spekulieren. Steht die Redaktion von Anne Will unter politischem Druck? Woher kommt dieser Druck? Es hat einen seltsamen Beigeschmack.

Stammheimtonbänder beim WDR

Ein Beitrag zum Themengebiet Funkwellen, Politikum, geschrieben am 5. Oktober 2007 von Thomas Arndt

Der Radionsender WDR5 sendet am Montag, den 8. Oktober, eine Sendung über die sogenannten Stammheimtonbänder. Dabei handelt es sich um Aufnahmen während des Gerichtsverfahrens gegen die Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF). “Der WDR kann als erste Rundfunkanstalt repräsentative Passagen des Stammheim-Verfahrens senden”, schreibt der Sender dazu auf seiner Website.

Insgesamt sollen 21 Bändern aus dem Verfahren gegen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof und Jan-Carl Raspe erhalten sein. “Die Tonbänder dokumentieren einen Prozess mit hochaggressiven Wortwechseln und politischen Deklamationen”, heißt es auf der Website.

Die Dokumentation wurde von Maximilian Schönherr produziert. Begleitend diskutiert die WDR-Chefredakteurin Helga Kirchner am Montag Abend mit dem ehemaligen Richter Dr. Eberhard Foth, dem Rechtsanwalt Rupert von Plottnitz und Klaus Jünschke, der als früheres RAF-Mitglied in Stammheim als Zeuge aussagte.

Wer kein Radio zur Hand hat (zum Beispiel aus Protest gegen den GEZ-Terror), hier der Link zum WDR5-Radiostream: WDR 5 (Windows Media Player, Win und Mac).

Ferres, Will und die DDR

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, geschrieben am 30. September 2007 von Thomas Arndt

Anders als in der vergangenen Woche auf RTL mit der Prager Botschaft ist es den Beteiligten bei der ARD mit “Die Frau vom Checkpoint Charly” gelungen, eine realistischen und spannenden Beitrag zum alljährlichen Oktoberthema “DDR” zu leisten. Es ist die wahre Geschichte einer Mutter aus Erfurt, die auf der Flucht in den Westen verhaftet und von ihren beiden Töchtern getrennt wird, die die Schicksale vieler DDR-Dissendenten und dem moralischen Unrecht, das ihnen widerfuhr in den Mittelpunkt rückt.

Die DDR als Unrechtsstaat, es ist die offizielle Geschichtsdeutung durch den neuen gesamtdeutschen Staat. Über 15.000 Seiten hat eine Enquete-Kommission zu den Verbrechen der DDR-Diktatur aufgeschrieben und damit die offizielle Geschichtsdeutung vorgegeben, die eben die Unrechtsstaatlichkeit und Repressivität der DDR als wesentliches Merkmal in den Mittelpunkt rückt.

Diese Problemlage erkennt auch Theologe und Publizist Friedrich Schorlemmer in der anschließenden Diskussionsrunde bei Anne Will: “Wer das machte, musste auch wissen, was er sich eventuell zumutet”, entfährt Schorlemmer Überraschendes über die vermeintliche Rechtsstaatlichkeit der DDR, während Flüchtling Jutta Gallus-Fleck neben ihm sitzt. Selber Schuld sozusagen. Ein größeres Fettnäpfchen hat der der Realität entrückte Geisteswissenschaftler offensichtlich gerade nicht gefunden. Er plädiert jedoch richtigerweise aber an falscher Stelle dafür, den Blick nicht auf die Verbrechen des DDR-Regimes zu verengen. Gedanken, die PDS-Pumuckel Petra Pau sich nicht traut zu sagen. Sie beschränkt sich lieber auf Selbstverleugnung - Motto: Ich hab davon nix gewusst.

Unterm Strich jedoch ist es dann Veronica Ferres, die im Film die der realen Jutta Gallus-Fleck nachempfundene Sara Bender spielt, die die richtigen Worten für das Schicksal von Gallus-Fleck und die Divergenz zwischen den DDR-Verbrechen, der abweichenden Lebenswirklichkeit vieler DDR-Bürger und die Wahrnehmung der DDR-Diktatur seinerzeit durch den Westen findet.

Den zweiten Teil gibts am heutigen Montag auf der ARD, 20:15 Uhr.

Ackermann bei Illner

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, geschrieben am 17. September 2007 von Thomas Arndt

Würde es die Rote Armee Fraktion (RAF) noch geben, dann wäre er wahrscheinlich auf deren schwarzer Liste: Josef Ackermann, Vorstandssprecher der Deutschen Bank und Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens. Bei Maybritt Illner wird sich Ackermann zum Thema “Wie sicher ist unser Geld?” dem Talk mit der Moderatorin stellen. Das teilt das ZDF heute mit. Am Donnerstag 22:45 Uhr im ZDF; die Sendung ist allerdings aufgezeichnet.

Ackermann geriet vor allem durch die Politik der Massenentlassungen bei gleichzeitigen Rekordgewinnen der Deutschen Bank und den Mannesmann-Prozeß in die Kritik. Ab Januar 2005 musste sich Ackermann, sowie weitere Top wegen des Vorwurfs der Untreue vor Gericht verantworten. Es ging um unerlaubte Prämienzahlungen bei der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch Vodafone. Ackermann kommentierte damals: “Dies ist das einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden.” Auch das zum V wie Victory (Sieg) gespreizte Fingerzeichen ging in die Geschichte als Arroganz des Kapitalismus gegenüber dem Staat ein. Gegen Geldauflagen wurde das Verfahren in diesem Jahr schließlich eingestellt. Ackermann alleine musste 3,2 Millionen Euro zahlen.

Desinformiert das ZDF über den 11.9.?

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, geschrieben am 14. September 2007 von Thomas Arndt

Der Spiegel-Autor Henryk M- Broder hat dem ZDF Desinformation in Bezug auf eine Reportage zum 11. September (2001) vorgeworfen. In der Dokumentation “11. September 2001 - was wirklich geschah” beschäftigt sich das ZDF mit allerlei Verschwörungstheorien zum 11. September:

Immer mehr Menschen vermuten andere Mächte hinter den Anschlägen vom 11. September. Für sie ist offensichtlich, dass das Pentagon nicht von einem Flugzeug, sondern von einer Rakete getroffen wurde: Wie sonst lasse sich das kleine Einschlagloch erklären? Und warum hat die mächtige US Air Force die langsamen Passagiermaschinen nicht ganz einfach abgefangen? Wie kann es sein, dass Stunden nach den Einschlägen im World Trade Center in New York ein drittes Gebäude einstürzt, das gar nicht von Flugzeugen getroffen wurde? Ist das alles ein Komplott amerikanischer Geheimdienste, um der Bush-Regierung Tür und Tor zu öffnen, den entscheidenden Krieg ums Öl zu führen?

Das ZDF gibt an, durch eigene Recherchen die Vorwürfe an die US-amerikanischen Behörden erhärten zu können. Außerdem kann man darüber abstimmen, welchen Drahtzieher hinter den Anschlägen man am plausibelsten findet: George Bush? Die Rüstungslobby? Die Juden? Osama bin Laden? Die Ergebnisse sind äußerst interessant: Die Hälfte aller Abstimmenden hält George Bush oder die US-Behörden für den wahren Drahtzieher hinter den Anschlägen (14.09.07, 18:12 Uhr).

Broder, selbst jüdischer Herkunft, bemerkt zum lockeren Umgang des ZDF mit den historischen Fakten und Verschwörungstheorien:

Was die ZDF-Doku zu 9/11 zum Skandal macht, ist nicht der Umstand, dass sie Binsen recycelt und dabei so tut, als würde sie sensationelle Neuigkeiten präsentieren, das gehört auch bei den Öffentlich-Rechtlichen zur Grundausstattung, es ist die heitere Schamlosigkeit, mit der Tatsachen zur Disposition gestellt werden.

Wer dennoch Spaß an Verschwörungstheorien rund um den 11. September findet, dem sei auch die Laien-Doku “Loose Change” empfohlen: Hier bei Google Video.

Faszination RAF

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, geschrieben am 10. September 2007 von Thomas Arndt

Gestern und heute läuft auf der ARD eine Dokumentation über die Rote Armee Fraktion (RAF). “Die RAF” von Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust und Helmar Büchel ist vermutlich ein neuer Höhepunkt in der journalistischen Aufarbeitung der Geschichte der RAF. Dabei hätte ich das zumindest nicht von Aust erwartet. Mit journalistischer Distanz wird die Geschichte der RAF dem Zuschauer so nah gebracht gebracht wie selten zuvor.

“Es gibt Dokumentationen, die sind spannender als ein Krimi, und in diesem Fall handelt es sich um eine solche”, schreibt die FAZ. Die eigentliche Faszination des Stücks liegt dabei vermutlich in den teilweise erstmals verwendeten Ton-Dokumenten und ihrer Präsentation innerhalb der Reportage. Ohne Romantisierung der Revolutionäre gelingt Aust und Büchel ein Portrait der charismatischen Füher wie Enslin und Baader als auch den vielen anderen in der zweiten Reihe, die natürlich, allen voran Peter-Jürgen Boock, wieder einmal zu Wort kommen.

35 Menschen sind Opfer des Terrors der RAF geworden, das sind nicht viele verglichen mit den Kriegen die demokratische Staaten in der letzten 30 Jahren geführt haben. Aber sie sind wichtig, weil sie so bedinglos zum “politischen Kampf” von Leuten gehörten, die aus der Mitte der Gesellschaft stammten, die sie bekämpften. In diesem Herbst jährt sich der Deutsche Herbst zum 30 Mal. Die Geschichte der RAF ist vermutlich deshalb so faszinierend, weil es auch heute noch so unglaublich ist, dass es sie überhaupt gab. Aber auch deswegen, weil sie vermutlich den innersten und abgründigsten Wünsche des “guten Menschen” in der kapitalisierten Welt eine Projektionsfläche bietet. Ein Josef Ackermann zum Beispiel als Terroropfer, erschöpft und müde von einer Geiselnahme, in Todesangst anstelle arrogantem Victory-Zeichen… wer würde da nicht eine gewisse Befriedigung empfinden… Denken wir nicht weiter drüber nach.

PS: Schade, dass das die ganze Sache mit einer Diskussionsrunde bei Reinhold Beckmann abgerundet werden muss. Das hat die RAF nun wirklich nicht verdient, und Stefan Aust auch nicht.