Christlichen Werten verpflichtet: Kai Diekmann über die Bild-Zeitung

In einem Interview mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) spricht Kai Diekmann, Chefredakteur der Bildzeitung über das Verhältnis seines Blattes zur Religion. Lesenswert.

Ein paar interessante Zitate entnehme ich mal daraus:

Auf die Frage nach dem Verhältnis zu den unterschiedlichen Religionen, sagt Kai Diekmann, die Bildzeitung habe zu kaum einem Thema einen neutralen Standpunkt zu den verschiedenen Positionen und Ansichten (Äquidistanz):

Unsere Leser nehmen uns als meinungsstark wahr und wir wollen ihnen die Orientierung erleichtern. Indem wir sagen, was wir für richtig und für falsch halten. Auch die Schlagzeile „Wir sind Papst“ war ja nicht Ausdruck von Äquidistanz, sondern die Proklamation einer sehr persönlichen Freude.

Das gilt also insbesondere für den christlichen Glauben, einen “Volks-Koran” ähnlich wie die “Volks-Bibel” kann sich Diekmann nicht vorstellen:

Ehrlich gesagt kann ich mir das nicht vorstellen. Wir machen kein Minderheitenprogramm.

Heilig seien der Bild-Zeitung die religiösen Gefühle ihrer Leser, und die Intimsphäre der Menschen:

Die Mehrheit unserer Leser ist christlich geprägt, fast 80 Prozent. Beim Zeitungmachen müssen wir deren Gefühle berücksichtigen. Auch auf die Intimsphäre eines Menschen nehmen wir Rücksicht, solange er sich damit nicht selbst in die Öffentlichkeit begeben hat.

Etwas mehr “Fundamentalismus” wünscht sich Diekmann von den Deutschen:

Es wäre schön, wenn wir sensibler für unsere eigenen Werte und unsere eigenen christlichen Traditionen wären. Da haben uns die Muslime manchmal etwas voraus. Natürlich nicht die Radikalen. Wir müssten insgesamt einfach ein stärkeres Bewusstsein dafür entwickeln, auf welchem Fundament wir stehen und was das bedeutet.

Aus der Religion leitet Diekmann auch Engagement für Umweltschutz, und mehr noch gesunder Ernährung, quasi ein ganzheitliches Bewusstsein ab:

Da gibt es eine ganz altmodische Formulierung: Bewahrung der Schöpfung. Ich glaube, dass das ein Thema ist, das immer mehr Menschen mobilisiert. (Anmerkung d. Bloggers: das Klima). Genau wie gesunde Ernährung. Das sind ja nicht irgendwelche Spinner, die ins Reformhaus gehen und Tofu essen. Es herrscht ein allgemeines Bedürfnis danach, sich bewusster zu ernähren und gesünder zu leben. Seinen Teil dafür zu tun, dass wir die Schöpfung, die wir geerbt haben, auch weitergeben. Zum Glück haben wir da viel gelernt.

Alle Achtung: Kai Diekmanns ist es in diesem Interview gelungen, eine kohärente Argumentation für die Ausrichtung der Bildzeitung und ihr publizistisches Wirken auf Basis christlicher Werte zu entwickeln. Es bleibt natürlich dahingestellt, inwiefern sich das mit der Realität deckt. Alan Posener hätte sicher einiges dazu zu sagen. Macht er aber wahrscheinlich nicht.

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