Gedanken übers Bildblog
Stefan Winter, Autor beim pseudo-intellektuellen Popkulturprojekt jetzt.de (einst hervorgegangen aus der montaglich der Süddeutschen beiliegenden Pflichtlektüre von Abiturienten und Erstsemestern) hat einen kritischen Beitrag über das Bildblog geschrieben. Das wäre nichts besonderes, würde nicht Stefan Niggemeier, einer der beiden Bildblogmacher selbst darauf antworten.
Dabei kratzt Stefan Winters Artikel lediglich an der Oberfläche und wiederholt eigentlich nur, was überall schonmal stand. Die beiden Hauptkritikpunkte sind:
Wenn Stefan Niggemeier das Bildblog als seine Arbeit bezeichnet und davon leben will, heißt das: Er lebt (zumindest indirekt) von dem Dreck, den die Bildzeitung täglich verbreitet. Für jemanden mit seinem moralischen Standard, finde ich das zumindest fragwürdig.
Doch anstatt darüber zu schreiben, werden Niggemeier und BildBlog von Blogosphäre und klassischen Medien in (ungewohnter) Eintracht hofiert […]
Der zweite Punkte ist halbwegs richtig. Zwar gibt es in der Blogosphäre neben dem bekannten Supertroll Christian Beduhn aus Braunschweig (Sven Wallman, Lara van Antwerpen, edit: jedoch nicht Frank Brill nach dessen eigener Aussage) auch ernstzunehmende Kritiker des Bildblogs in der Blogosphäre, aber die kommen zum größten Teil aus der “Kommerz ist schlimmer als Hitler-Ecke” und kritisieren Niggemeier deswegen am ehesten kein Blogger zu sein, sondern bestenfalls Journalist, wahrscheinlich aber auch nur Unternehmer. Damit sind wir dann schon beim ersten Punkt:Natürlich dürfen die Bildblogger mit Medienkritik Geld verdienen. Das ist legitim. Was gern übersehen wird: Das Bildblog erreicht vermutlich nur all jene, die Bild sowieso doof finden. Deswegen ist es (und seine Kritik) in seiner gesellschaftlichen Relevanz gering. Es ist zwar auch ein gut recherchiertes Watchblog, aber eben auch ein Stück Popkultur. Die Frage ist wie lange das im Gleichgewicht bleibt und ob nicht irgendwann der popkulturelle Teil überwiegt, es vielleicht nur noch darum geht Geld damit zu verdienen und die Kritik Mittel zum Zweck ist.
Ein anderer Kritikpunkt ist einer für den man vielleicht den Rezipienten des Bildblogs in den Mittelpunkt rücken muss. Stefan Winter schreibt über sie: “Die etwas klügeren, etwas schlaueren Menschen versammelten sich dort und amüsierten sich darüber, was für ein Schwachsinn wieder in Bild steht.” Zwar weiß wahrscheinlich niemand, wer Bildblog liest, aber vermutlich sind es eben nur die “etwas” klügeren, für die am Ende die Bild das Böse ist und die losgehen und Kai Diekman fotografieren oder sich freuen, wenn sein Auto brennt. Vielleicht weil beim Bildblog dieselben Mittel funktionieren, wie in der Bildzeitung: Personalisierung (Kai Diekmann) und Skandalisierung (unwichtiger Zahlendreher zum Beispiel).
Tatsächlich aber ist die Realität viel komplexer, und auch bei der Bild-Zeitung arbeiten nicht nur Alokoholiker und Kinderschänder, sondern auch normale Leute (ich kenne welche). Und auch andere Tageszeitungen (vor allem chronisch unterfinanzierte Lokalblätter) sind voller Recherchefehler, auch andere Presseorgane machen Politik oder vermischen Werbung und Redaktionelles. Die Bild ist nichtmal die schlimmste unter ihnen (das kann die B.Z. alles besser) aber die einflussreichste.
Um auf den Punkt zu kommen: Es wäre wünschenswert, wenn es neben dem Bildblog auch andere derart erfolgreiche Weblogs gäbe, die (auch andere) Medien kritisch beobachten. Aber dafür können die Bildblogmacher eigentlich nichts. Das ändert aber nichts daran, dass sich um das Gravitationszentrum Bildblog verzerrte Bilder der Medienwirklichkeit (zuviel Bedeutung auf die Bildzeitung) als auch der Blogosphäre ergeben.
3. September 2007 um 21:07
Immerhin: Oliver Gehrs auf watch.berlin ist schwer im Kommen …
3. September 2007 um 22:00
Sehr geehrter Herr Arndt,
es ist nicht die feine englische Art, dass Sie versuchen, Leute, die bei Ihnen kommentieren, bloß zu stellen.
Leider bin ich nicht identisch mit dem von Ihnen genannten Herren B. aus Braunschweig und W. aus sonstwo. Auch als Dame Lara van Antwerpen, was wie der Künstlername einer holländischen Nutte klingt, bin ich nicht tätig, noch habe oder hatte ich je irgendwelche Kontakte zu ihr oder ihren Kolleginnen.
Wenn Sie die genannte Person oder die genannten Personen als “Supertroll” bezeichnen mögen, ist das Ihre Angelegenheit. Ob der oder die das als Kompliment oder Beleidigung auffassen werden, werden Sie noch merken.
Ansonsten stimme ich den Auffassungen in Ihrem Artikel weitgehend zu. Ich möchte Sie aber bitten, meinen Namen nicht ungerechtfertigt mit anderen Personen, die Sie hier abqualifizieren, in Zusammenhang zu bringen.
Ich halte Ihnen zugute, dass Sie sich vom inzwischen wegen Nichtbeachtung eingestellten “famelessBlog” haben desinformieren lassen.
Von einem “Medienblogger” erwarte ich aber eigene Recherche und vor allem korrekte Informationen.
Selbst wenn Ihre Behauptungen stimmen würden, hätten Sie nicht den geringsten Beweis in der Hand. Strafrechtlich und zivilrechtlich hätten Sie sehr schlechte Karten, falls ich juristisch gegen Sie vorginge. Ich glaube nicht, dass Herr Niggemeier Ihnen dann finanziell beispringt.
Ich rechne allerdings damit, dass Sie Ihre falsche Behauptung, was mich betrifft, zurücknehmen. Und zwar schnell und hier in diesem Blog.
Herr Niggemeier hat sich übrigens bereits “bildblogblog.de” gesichert. Da ihm offenbar niemand Paroli bietet, auch der “Medienblogger” nicht, will er sich und sein Bildblog offenbar selbst kritisch beobachten.
Auch für den Fall, dass der Axel Springer Verlag gegen den Namen “Bildblog” vorgeht, hat er vorgesorgt: durch den Erwerb der Domäne “bildwatchblog.de”. Man muss Herrn Niggemeier nicht mögen, aber aktiv ist er. Davon könnten sich alle die anderen Medienblogger und “Medienblogger” eine Scheibe abschneiden.
Mit freundlichen Grüßen
Frank Brill
3. September 2007 um 22:58
Schön wäre es, wenn ich sagen könnte, dieser “Medienblogger” ist ein weiteres relevantes “Medienblog” neben Herrn Niggemeiers “Blöggen”.
Ansätze sehe ich manchmal. Aber es ist einfach bisher zu wenig eigenes Wirken erkennbar.
4. September 2007 um 00:10
“Leider bin ich nicht identisch mit dem von Ihnen genannten Herren B. aus Braunschweig und W. aus sonstwo. Auch als Dame Lara van Antwerpen, was wie der Künstlername einer holländischen Nutte klingt, bin ich nicht tätig, noch habe oder hatte ich je irgendwelche Kontakte zu ihr oder ihren Kolleginnen.”
Ich habe im Text deutlich gemacht, dass sie das nicht sind. :P
4. September 2007 um 00:23
So richtig entscheiden kannst du dich wohl nicht? Irgendwie würdest du gerne den Stefan Niggemeier kritisieren, aber andererseits kennst du seine Macht in einem Segment der Bloggerszene, dem du auch gerne angehören würdest.
Also eierst du hier rum, mobbst noch undedeutendere Widergänger, als du es bist. Andererseits bist du nicht dumm und erkennst, dass der Niggemeier-Boom nur ihm selber nützt. Ein weiterer Jubelperser für den Schah unter den Bloggiganten würde keinen eigenen Nutzen generieren. Dich als Gegner zu profilieren, traust du dich nicht.
So wird Stefan Winter zum Anführer derer, denen Niggemeier schon dumm gekommen ist. Und das sind nicht wenige.
12. September 2007 um 16:32
Da Herr Winter nur an der Oberfläche bleibt - sollte man nicht mal mehr in die Tiefe gehen?
Sollte sich das bildblog als Farce herausstellen - wäre es nicht besser, das zu wissen, als an ein aufklärerisches Wirken zu glauben?