Tag eins als Winzling

Seit heute gestern erscheint die Frankfurter Rundschau im Tabloid-Format. Endlich. Endlich, dass es eine große deutsche Tageszeitung wagt, diesen Schritt zu gehen. Vielleicht wird es ein Katalysator für den längst überfälligen Formatwechsel im deutschen Blätterwald. Die Nachbarn in Großbrittanien oder Skandinavien machen es ja seit langem vor. Vielleicht ist es aber auch nur ein Aufbäumen vor dem endgültigen Niedergang, wie manch einer heute nahelegt.

Ich hoffe das nicht, sondern das Gegenteil, nämlich das eine der lesenswertesten deutschen Tageszeitungen in diesem Format noch lesenswerter wird, vielleicht sogar neue Leser gewinnt; und natürlich das es andere nachmachen. Keine Frage, dass in den Chefredaktionen deutscher Zeitungshäuser schon fertige Konzepte in den Schubladen liegen. So käme man auch weg vom negativen Image, dass das Tabloid-Format durch seine boulevardeske Erscheinungen auf dem Zeitungsmarkt schon früher hatte und auch heute noch hat, etwa in Gestalt der Billigzeitung 20 Cent.

Ronnie Grob von der Medienlese hat sich kleine Rundschau heute mal ganz genau angeschaut.

10 Kommentare zu “Tag eins als Winzling”

  1. massenpublikum schreibt:

    Vom Umblättern großer Zeitungen bekommt man aber schöne Bizeps.

  2. Martin schreibt:

    Die erscheint doch schon seit gestern im Tabloid-Format…

  3. Thomas Arndt schreibt:

    Danke Martin, ich habs mal korrigiert.

  4. Britta schreibt:

    Ich finde kleine Formate auch einfach handlicher. Schon allein für weniger böse Blicke in der vollen S-Bahn am Morgen. Einer der Gründe, warum ich immer taz lese ;) .

    Und die scheint auch die FR-Macher (oder zumindest einen Bildredakteur/ Fotografen) inspiriert zu haben, wie die taz heute auf ihrer Medienseite feststellt.

  5. massenpublikum schreibt:

    Dann ergreife ich mal Partei für die andere Seite: Ich mag die klassischen, großen Formate.

    In meinen Augen haben Tabloids etwas Minderwertiges, Boulevardeskes und Billiges.

  6. Thomas Arndt schreibt:

    Das größte Problem dürfte sein, dass man im Tabloidformat einfach weniger reinschreiben kann. Und kürzere Texte dürften sicher nicht nur so manchem Journalisten Probleme bereiten. Auch auf anspruchsvollere Leser könnte es wie du sagst billig oder boulevardesk wirken.
    Aber letzteres kann man ja auch über das Internet wieder ausgleichen, wo reichlich Platz für Analysen, Reportagen ist, und für jede Menge Links und Infos dazu.

  7. Lara van Antwerpen schreibt:

    Ich hoffe, FAZ und Süddeutsche bleiben bei ihrem Format. Ein großes Format hat auch die Bildzeitung. Die anderen Boulevardzeitungen sind kleiner. Die Welt gibt es groß und kompakt.
    Die Frankfurter Rundschau ist ein Zwitter. Nur ein Drittel der ohnehin geringen Auflage wird außerhalb des Rhein-Main-Gebietes verkauft.
    “Tabloid” bezeichnete bisher eine Boulevardzeitung. Nun verwischen sich die Grenzen. Die Frankfurter Rundschau war schon bisher die “kleine” linksliberale Qualitätszeitung. Nun zeigt sie es auch im Format.

  8. Britta schreibt:

    Kleine Formate sollen also minderwertig und boulevardesk wirken? Das kann man - wenn überhaupt - aber nur für Deutschland behaupten. In Spanien z.B. sind die Zeitungen im Allgemeinen kleiner. Und dass El País boulevardesk und minderwertig ist, würde wohl keiner behaupten wollen ;)

    P.S. Muss der Spamschutz so unauffällig sein? Jetzt habe ich direkt zwei Mal übersehen, das Feld auszufüllen…

  9. Thomas Arndt schreibt:

    Britta: der Spamschutz ist eigentlich standardmäßig ;)

    Auch in anderen Ländern übrigens wird Tabloid nicht mehr mit boulevardesk gleichgesetzt. GB und Skandinavien hatte ich ja genannt.

  10. massenpublikum schreibt:

    Thomas, Zum Thema Online: Ich persönlich bin kaum in der Lage, lange Texte am Bildschirm zu lesen. Mir ist das zu anstrengend. Deshalb habe ich die Zeit z.B. im Abo und würde mir die langen Artikel niemals online lesen. Eben das erwarte ich vom Internet: Kurze, präzise Infos. Und Print soll mir die Tiefe bieten.

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