Die Mariobarthisierung der TV-Unterhaltung
Mario Barth ist derzeit so erfolgreich, dass niemand, ob er will oder nicht, an ihm vorbei kommt. Manche Dinge sind deshalb so lustig, weil sie wahr sind. Und so muss es, obwohl mir das seit 27 Jahren völlig entgangen ist, wohl in weiten Kreisen der Bevölkerung so sein, dass die Klischees über Männer, über Frauen und deren Probleme miteinander zutreffen.
Es muss ja nicht jeder denselben Humor haben. Ich glaube zumindest nicht, dass es viele Leute gibt, die das hier witzig finden (Olaf Schubert: Knochenarbeit). Ich schon. Bei Mario Barth kann ich hingegen nichtmal schmunzeln.
Aber geschenkt. Es wäre alles halb so schlimm, wenn die sogenannten Mainstream-Komiker nicht plötzlich alle anfangen würden, über dasselbe zu reden: Männer und Frauen. Ich habe letzte Woche ausversehen die Comedy-Show mit Mario Barth gesehen; es war eine Ansammlung des Unwitzigsten, was deutsche Comedy jemals hervorgebracht hat: Mirja Bös, Ingo Appelt, Paul Panzer (dessen Radio-Sketche noch gut waren) usw. . Und alle reden über dasselbe Thema: Männer, Frauen, Vorurteile (oder deren Gegenpart: Mirja Bös fährt agressiv Auto, wie witzig). Selbst bei Nighwash hat sich das Männer/Frauen-Thema inzwischen wohl etabliert. Und wer nicht heterosexuell ist, findet bestimmt bei Hape Kerkelings Bühnenprogramm die gleichen Gags in anderer Konstellation. Langweiliiiiig.
Bisher ist das nur eine Beobachtung, vielleicht täusche ich mich ja auch. Aber kommerzielle Comedy funktioniert natürlich ausschließlich nach dem Kleinsten Gemeinsamen Nenner-Prinzip, also genauso wie Popmusik im Radio: Hauptsache die Mehrheit kann irgendwie lachen. So richtig wegschalten tut ja auch keiner, wen irgendjemand einen Gag darüber macht, dass Frauen nicht Autofahren können und Männer gerne Fußball schauen. Kennste? Is wirklich so passiert!
Wenns aber so weitergeht, wirds eng für die deutsche Comedy und die TV-Unterhaltung. Comedy-Konzentration nenne ich das, oder besser Mariobarthisierung: Das Ende der Vielfalt, das Ende der Innovation.
6. November 2007 um 04:09
Mario Barth hat die Männer und Frauen nicht erfunden. Also, sowieso nicht, aber auch nicht als Comedythema.
Schon lange vor Barth beispielsweise machte sich auch Mittermeier über den kleinen Unterschied lustig, etwa in “Zapped” (”Blöd. Blödblöd. Blöd. Blöhöd!”).
Auch der von dir erwähnte Appelt brachte das Thema, wenngleich mit mehr Bezug zur Sexualität und etwas deftiger.
Denjenigen, dem diese Beispiele nicht zusagen, weil er diese Comedians nicht leiden kann oder was auch immer, möchte ich auf Jürgen von der Lippe verweisen. Lange bevor das Wort “Comedian” in Deutschland existierte, hatte von der Lippe Nummern über - richtig, über Männer und Frauen im Programm.
Dass es bei Mario Barth trotzdem so gut funktioniert ist in der Tat erstaunlich - aber er trifft wohl den Massengeschmack (übrigens ist der Massengeschmack nicht grundsätzlich schlecht - also jedenfalls nicht da, wo er sich, wie hier, mit meinem überschneidet ;-)).
Komisch, wenn ich weiter darüber nachdenke… Männer und Frauen sind oft ein Thema… mir fallen zwei oder drei Filme ein, die von Beziehungen zwischen Männern und Frauen handeln. Und Soaps, Telenovelas. Sogar ein Buch hab ich mal gelesen darüber. Und neulich hab ich Briefmarken gesehen, da waren - du wirst es nicht glauben - Männer und Frauen drauf. Woher das wohl kommt? Wir sind wohl in der Tat schon sehr mariobarthisiert. Motzbacke, alte!
6. November 2007 um 09:09
Die moderne Urfassung der Männer/Frauen Comedy ist Caveman, das seit Jahren erfolgreich und regelmässig ausverkauft durch Deutschland tourt. Und es ist wirklich gut.
16. Dezember 2007 um 21:08
„Mariobarthisierung“ das ist sehr gelungene Bezeichnung für Entwicklung von ZDF und vielen anderen Medien in Deutschland. Haben Sie vielen dank dafür.
Das Niveau der Diskussionen wegen der Tabuisierung von vielen Themen sinkt gerade dank solchen „Narren“ wie Marion Barth. Also er soll sich nicht sich bemühen um Anpassung seines Berufs als „Komedian“, sondern Fernsehen selbst ist ganz glücklich damit, dass sie endlich gefunden einen unschlagbaren Weg sich zu dem Niveau der Marion Barth. Der Junge selbst offensichtlich nicht einmal verstand bei seiner Statistenrolle bei Johanndemokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. Johannes B. Kerner Show, worum dabei es ginge.
Die Narren eigentlich historisch gesehen sollten kluger und ehrlicher als Politiker (bzw. damals Herrscher) sein. Mit Esprit und mit Beobachtungsgabe in einer ziemlich frivolen Form stellte sich vor dem Publikum als dumme Narren. Also in Vergangenheit Narren besser informiert und einen große Privileg sogar gehabt zwischen den Palästen und Hütten zu vermitteln. Es ist auch bekannt, dass viele Despoten weniger an ihren hochrangigen Lakaien verrauten als an den Komiker. Heute sieht die Narrenschaft ihre Aufgaben ganz anderes: sie sind durch kommerzialisierten Medien selber in Genuss gekommen zum Wort zu kommen und dabei nicht nur mit dem Lob, sondern mit Prügel und sogar Tod rechnen sollten. Dieser Zeit ist endgültig vorbei. Der Herrenhäuser zwar nicht weniger lächerlicher geworden als damals, aber brauchen offenbar keine Narren mehr.
Nun die Narren selbst ganz gut wissen was sie sich erlauben können und was nicht. Ihr närrischer Humor ist wesentlich beschränkt auf allgemeiner Dummheit des Volkes und kleinen Bürokraten und sie sind inzwischen auch „globalisiert“. Sie wie die Spanier sagen: abhacken nur Zweigen von gefallenen Bäumen“. Oder gern über den Grenzen schauen und dort sicher die Politiker kritisieren, die keine Sorgen um Ihr befestigen Ruf machen, nicht einmal der ausländischen Narren wegen. Jeder Narr weist viel besser über was soll er schweigen oder schönreden, und welchen Tabus meiden. Die politische Richtigkeit hat auch Narrengeschäft kaputt gemacht. Am schlimmsten ist das land der Deutschen betroffen der Vergangenheit wegen. So pflegen die politisch Korrekten in Deutschland so genannte Wortwahl und jeder Anspielung an das „größte Verbrechen in der Weltgeschichte“ wie etwa Holocaust (welche dank Norman Finkelstein sehr starke Interesse der Wirtschaftlichkeit dieses Unternehmens hat) als nicht wenigen vor und nach Nazi Zeit Völkermorde, Genozide und Verfolgungen mit den Millionen von Toten waren: Türkei, Russland, China, Ostblockstaaten, Ruanda, Kambodscha, Nordkorea, Ethiopien, Palästina usw.)
„Das Vergleich“ als höchstes wissenschaftliches Prinzip wurde zu politisches Tabu degradiert und GULAG und sonstigen Opfer des 20. Jahrhunderts wurde als etwas Sekundäres abgestuft. Der Medien in Deutschland gern spielen mit und sogar in Narren als ihre Verbündeten erkannt.
Darum geht es in Theaterstück vom ZDF mit mindestens zwei Narren von Beruf zu erkennen sind gewesen: Mario Barth und „Historiker“ Wolfgang Wippermann, der durch eigentümlich Freien (http://www.ef-online.de/ ) den Titel „Stalins Mann in Berlin“ geehrt wurde. Alle anderen waren nur Mobiliar im Studio des ZDF, selbst Johannes B. Kerner benutzt. Der Kerner selbst war ein Rang höher, aber bereit verstanden was der Herrchen von seinem Hund erwartet. Er gehöre zum Kategorie Mittäter samt mit der Programmdirektor und Intendant, die ganze Aktion im Sinne der politischen Richtigkeit geplant und umgesetzt haben.
Man braucht nicht Mitleid mit der einen diffamierten und gefeuerten Fernsehmoderatorin haben, eher mit dem Volk, das Gott weis, wie lange noch darunter leiden muss.
Jurij Below
Freier Journalist, Frankfurt
16. Dezember 2007 um 23:00
Endlich mal jemand, dem meine Wortneuschöpfung auffällt, auch wenn ich mir dabei nicht ganz so viele Gedanken gemacht habe ;)
16. Januar 2008 um 09:39
“Mariobarthisierung”: Schön auf den Punkt gebracht. Das Problem ist sowieso, dass ein Großteil dessen, was unter “Comedy” firmiert, nicht mehr lustig ist. Warum? - Klarer Fall: Weil alle auf den Comdey-Zug aufgesprungen sind und nun um die Wette blödeln. Irgendwann wird in unserer Medienwelt leider alles zu Tode genudelt und gedudelt. Schade!
16. Januar 2008 um 15:23
“Irgendwann wird in unserer Medienwelt leider alles zu Tode genudelt und gedudelt…”
Lieder welche sind wohl bekannt., oder?
Jurij Below
14. Februar 2008 um 13:54
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14. Februar 2008 um 21:16
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