Faszination RAF
Gestern und heute läuft auf der ARD eine Dokumentation über die Rote Armee Fraktion (RAF). “Die RAF” von Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust und Helmar Büchel ist vermutlich ein neuer Höhepunkt in der journalistischen Aufarbeitung der Geschichte der RAF. Dabei hätte ich das zumindest nicht von Aust erwartet. Mit journalistischer Distanz wird die Geschichte der RAF dem Zuschauer so nah gebracht gebracht wie selten zuvor.
“Es gibt Dokumentationen, die sind spannender als ein Krimi, und in diesem Fall handelt es sich um eine solche”, schreibt die FAZ. Die eigentliche Faszination des Stücks liegt dabei vermutlich in den teilweise erstmals verwendeten Ton-Dokumenten und ihrer Präsentation innerhalb der Reportage. Ohne Romantisierung der Revolutionäre gelingt Aust und Büchel ein Portrait der charismatischen Füher wie Enslin und Baader als auch den vielen anderen in der zweiten Reihe, die natürlich, allen voran Peter-Jürgen Boock, wieder einmal zu Wort kommen.
35 Menschen sind Opfer des Terrors der RAF geworden, das sind nicht viele verglichen mit den Kriegen die demokratische Staaten in der letzten 30 Jahren geführt haben. Aber sie sind wichtig, weil sie so bedinglos zum “politischen Kampf” von Leuten gehörten, die aus der Mitte der Gesellschaft stammten, die sie bekämpften. In diesem Herbst jährt sich der Deutsche Herbst zum 30 Mal. Die Geschichte der RAF ist vermutlich deshalb so faszinierend, weil es auch heute noch so unglaublich ist, dass es sie überhaupt gab. Aber auch deswegen, weil sie vermutlich den innersten und abgründigsten Wünsche des “guten Menschen” in der kapitalisierten Welt eine Projektionsfläche bietet. Ein Josef Ackermann zum Beispiel als Terroropfer, erschöpft und müde von einer Geiselnahme, in Todesangst anstelle arrogantem Victory-Zeichen… wer würde da nicht eine gewisse Befriedigung empfinden… Denken wir nicht weiter drüber nach.
PS: Schade, dass das die ganze Sache mit einer Diskussionsrunde bei Reinhold Beckmann abgerundet werden muss. Das hat die RAF nun wirklich nicht verdient, und Stefan Aust auch nicht.
10. September 2007 um 09:21
Immerhin ist Aust ja auch durchaus ein RAF-Experte, vielleicht gefällt Dir die Doku deshalb so gut. Man denke nur an sein Standardwerk “Baader-Meinhof-Komplex”. Und er hat ja damals zusammen mit Meinhof bei “konkret” zusammengearbeitet.
Ist aber natürlich die Frage, wieviel er selbst zu dem Film beigetragen hat. Denn Co-Autor Helmar Büchel sagt z. B. in einem Interview:
“Ich selbst beschäftigte mich in Dokus bislang eher mit internationalem Terrorismus, speziell mit dem Islamismus und der al-Qaida, und wurde für die Arbeit am RAF-Zweiteiler extra zwei Jahre freigestellt.”
Und er war ja auch der jenige, der die Tondokumente gefunden hat. Aber macht sich natürlich gut, wenn Aust draufsteht. :)
10. September 2007 um 09:24
Deine “guten Menschen” widern mich an. Und ich würde an deiner stelle ruhig noch ein bisschen über die (deine?) “innigsten und abgründigsten Wünsche” nachdenken. vielleicht findest du ja den denkfehler.
10. September 2007 um 15:18
@Florian:
Ja, ich war deshalb so überrascht, dass es so gut gelungen ist, weil der Spiegel ja im Frühjahr noch versucht hatte, Christian Klar freizuschreiben.
13. September 2007 um 13:46
[…] Lebenskombinat aufgesprengt worden wäre, einige freundliche und schwerbewaffnete Herren vom “Privatkommando 8. Mai” Euch ruckzuck und ganz direkt vom abgefressenen Cordsofa hinwegentführt hätten, Ihr […]
17. September 2007 um 14:51
[…] es die Rote Armee Fraktion (RAF) noch geben, dann wäre er wahrscheinlich auf deren schwarzer Liste: Josef Ackermann, […]