Kid Nation

“Kid Nation” heißt die neueste Reality-Show aus den USA, die schon, als noch keiner den genauen Inhalt kannte, für Aufregung sorgte. 40 Kinder zwischen acht und 15 Jahren sollen die Pionier-Zeit der Amerikaner nachspielen in einer Kulisse namens Bonanza City. 40 Tage lang in der Wüste. Auf sich gestellt, angeblich ohne Erwachsene.

Am Mittwoch hatte die Show Premiere und stellte sich nach Ansicht amerikanischer TV-Kritiker eher als langweilig dar. Zudem wurde von ihnen, wie auch von deutschen Kritikern die Inszenierung der Show bemängelt. Letzteres verwundert, denn niemand glaubt wohl ernsthaft, dass eine solche Show oder auch ein solches Experiment völlig ohne Erwachsene auskommt. Es verwundert daher nicht weiter, dass Produzenten, Ärzte und Psychologen immer in Reichweite sind. Sehr seltsam jedoch ist der Einwurf des Spiegel Online-Korrespondeten Marc Pitzke, der empört feststellt: Hey, die Kameramänner, die die Show filmen, das sind ja auch Erwachsene, also alles Fake!

Tatsächlich ist die Show natürlich von vorne bis hinten gut dramatisiert und gecastet. Unter den Kindern ist im Prinzip jeder Charakter vertreten, den es auch in der Welt der Erwachsenen gibt bzw. der in deren Ressintiments existiert. Das zeigt sich schon an den vier Stadträten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: ein neumalkluger weißer Brillenträger, eine Achtjährige mit gutem Herzen, eine selbstbewusste 14-Jährige und ein schlauer und berechnender Inder. Hinzu kommen im Volk noch diverse andere Charaktere; der kleine Jimmy etwa, der nach ersten Episode die Show aus Heimweh verlässt, der freakige Jared (mein Favorit), zwei ältere Jungs, die dem Brillenträger zunächst das Leben schwer machen und im Wesentlichen eben alle Ethnien und sozialen Schichten der amerikanischen Gesellschaft.

Alles in allem die besten Voraussetzungen, um eine gute Geschichte zu erzählen. Und genau hier kann die berechtigte Kritik an der Serie ansetzen. Die Show ist zu sehr auf simples Story-Telling reduziert, es ist zu künstlich, zu geschauspielt und vor allem zu sehr auf amerikanische Werte reduziert. Und natürlich: Die Kinder wirken erschreckend erwachsen. Zudem werden sie in vier Gruppen (soziale Schichten) unterteilt: Arbeiter, Köche, Händler und Oberklasse. Ein kurisoses Abbild der amerikanischen Gesellschaft, mit dem Unterschied, dass hier jeder seinen sozialen Status mit dem Gewinn eines Spiels verbessern kann. Zudem winken den fleißigsten Kinder-Pionieren in jeder Show ein goldener Stern im Wert von 20.000 Dollar.

Dafür, dass die Show im Vorfeld für so großes Aufsehen gesorgt hat, ist das Ergebnis nicht wirklich schockierend. Es ist jedoch durchaus unterhaltsam, auch wenn die Kritiker im Einklang rufen: “Laaaaangweilig”. Die Serie wird in den USA dennoch ein Erfolg werden. Eine Umsetzung mit 40 deutschen Kindern ist jedoch alles andere als wahrscheinlich.

Quellen: Spiegel Online, Bildblog

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