Auf ein neues: Blog-Bashing

Mal wieder sorgt ein etwas kritischer Artikel über die deutsche Blogosphäre für Aufregung. Johannes Boie resümiert auf sueddeutsche.de:

Die Öffentlichkeit von Weblogs bestünde in ihrer technischen Zugänglichkeit für jedermann. Keinesfalls aber besteht sie in ihrer gesellschaftlichen Relevanz.

Dabei bezieht sich Boie auf den in Blogosphäre, Wissenschaft und Journalimus gleichermaßen angesehenen Forscher Jan Schmidt und dessen Studienergebnisse. Dies und vieles andere, was sich in dem Artikel findet, etwa über adical, ist keineswegs neu. Es musste wohl aber nochmal gesagt werden, warum auch immer. Vielleicht, damit die ganzen aufgeregten Blogger sueddeutsche.de anklicken.

Stefan Niggemeier schreibt in einem offenen Brief an Boie:

Sie kommen zu Ihrem ernüchternden Fazit über die deutsche Blog-Landschaft dadurch, dass Sie sie an extrem hohen Ansprüchen messen. Sie geben aber an keiner Stelle einen Hinweis darauf, wer diese Ansprüche aufstellt.

Auch Thomas Gigold wundert sich, warum Journalisten ständig über Blogger schreiben, obwohl es ja überhaupt nichts neues über Blogger zu schreiben gibt:

Ab und an nun greifen auch Journalisten das Thema Blogs auf, und lassen sich nach Herzenslust - diesen Eindruck zumindest bekommt man gelegentlich - an der kleinen, unbedeutenden Blogwelt Deutschlands aus.

Im Kern hat Boie aber Recht. Es ist schon etwas ärmlich, wie wenige Blogs von journalistischer und gesellschaftlicher Relevanz es in Deutschland gibt.

6 Kommentare zu “Auf ein neues: Blog-Bashing”

  1. Florian schreibt:

    Geradezu verrückt in dem Zusammenhang ist auch, dass jetzt viele der Blogger zurückfragen: Wer bitte hat jemals behauptet, dass wir überhaupt gesellschaftliche Relevanz wollen? Da kann man nur zurückfragen: Wollt Ihr nur Geld verdient mit dem Bloggen oder was? Aber um Geld zu verdienen, muss man ja überhaupt erstmal Relevanz haben! Die Gründung von Adical etc. unterstützt ja schon die These vom Kommerzbloggen, oder? Die USA sind da in der Tat schon viel weiter - und zu behaupten, die USA wären kein Vorbild, ist überhaupt Schwachsinn. Sonst hätte man in Deutschland ja gar keine Blogs starten brauchen, denn die Idee kommt doch auch aus den USA.

  2. Frank Brill schreibt:

    Es sind immer die gleichen Reflexe. Kaum schreibt jemand in einer Zeitung oder Zeitschrift, Blogs und Blogger seien unwichtig, heulen sie auf. Vorne weg immer der Herr Niggemeier. Sagt das jemand im Fernsehen oder Radio, ist die Empörung ebenfalls sehr groß.
    Herr Niggemeier hat gegenüber den meisten anderen Bloggern den Vorteil, dass er ein “richtiger” Zeitungsjournalist war und neben seiner Bloggerei immer noch ist.

  3. SZ-Attacke gescheitert Teil 2 » Braintwist schreibt:

    […] retroaktiv|maingold|Robert Basic|Jan Schmidt |63.5mg|intheChaos|Delphinehauen|FriekeundFlo|medienblogger|Blogpiloten|Medienrauschen |Medienlese|walküre|feynsinn|PeterKroener|Peter […]

  4. Christian schreibt:

    1. Ich finde nicht, dass es in Deutschland zu wenig Blogs mit gesellschaftlicher Relevanz gibt. Das was Journalisten leisten, ist durch Blogger nicht zu ersetzen. Für die meisten ist der Blog doch eine Freizeitbeschäftigung. Es geht, meiner Meinung dazu, Dinge aufzuschreiben, die einen bewegen - ohne journalistische Relevanz zu bewerten. Journalistisch interessant ist dann die Blogosphäre im Ganzen. Man hat die Möglichkeit, Meinung anzusehen, zu bewerten etc. Das halte ich für eine wichtige Funktion.

    2. @ Florian: Ich denke, dass es bei der Relevanz um folgendes geht: Klar freut man sich, wenn sich Leute für das Gebloggte interessieren - aber, wenn nicht, ist das auch egal. Ein Blog ist für mich kein Dienst am Leser, sondern in erster Linie an mir selber - und wenn er dann Menschen interessiert: Schön.

    3. @ Frank Brill: Blogger haben nunmal neben ihrem eigenen Thema (z.B. Saft beim Saftblog) immer auch das Thema Bloggen. Zu allen anderen Themen schreiben nur einzelne Leute - zu diesem hier alle.

  5. Der Parasit der Blogger-medienblogger schreibt:

    […] kurzem hatte Boie schonmal ein paar harte Worte über die Blogger der Republik verloren, am gestrigen Sonntag gings dann […]

  6. “Vielleicht fragen sie das nächste mal jemanden, der sich damit auskennt…” » Die Süddeutsche Zeitung steht immer noch auf Kriegsfuß mit dem Web 2.0 | Wissenswerkstatt schreibt:

    […] von mir. [↩]Sein Artikel wurde in der Blogszene entsprechend heiß diskutiert; u.a. hier, hier, hier und hier. [↩]Hervorhebungen von mir, M.S. [↩]Und ich persönlich würde zu gerne […]

Schreiben Sie eine Antwort