Sind Videospiele Kunst?

Während Rainer Fromm, der bekannte Videospielkritiker, beim ZDF Boulevardmagazin Frontal 21 in dieser Woche mal wieder neueste Studien zur medialen Gewalt und deren Auswirkungen präsentiert, tut sich am Rande der derzeit stattfindenden Videospielmesse “Games Convention” eine ganze andere Diskussion auf:

“Es ist sogar zu fragen, ob die virtuelle Spielewelt auch als Kunst eingestuft werden muss”, sagt Olaf Zimmermann, der Vorsitzende des Deutschen Kulturrats. Das würde bedeuten, dass die Spieleindustrie grundrechtliche Freiheiten genießen würde, die lediglich im Bereich des Jugendschutzes eingeschränkt sind, schreibt das Technologie-Portal heise.de. Journalisten, Prominente (zum Beispiel die Dicke mit dem Moppel-Ich-Buch) und Politiker fordern immer wieder Herrstellungs- und Verbreitungs-Verbote für Videospiele. Folgt man der Auffassung des Kulturratsvorsitzenden, bedeutet das, dass gewalttätige Videospiele gar nicht verboten werden könnten, es sei denn natürlich man bemüht den Begriff der “entarteten Kunst” .

“Wir müssen uns über einzelne gewaltverherrlichende Spiele unterhalten, aber nicht mehr über das Verbot eines ganzen Genres”, meint Zimmermann, und: “Ich wünsche mir, dass die Bundesregierung demnächst eine Auszeichnung für die besten virtuellen Spiele verleiht.”

Das sind mutige Worte, denn die Realität sieht anders aus: Es gibt nur eine handvoll Spiele, die man mit etwas gutem Willen wirklich als Kunst ansehen kann:

Neben Spielen, die es ermöglichen Selbst Kunst zu erschaffen (bleiben hier mal außen vor), gibt es auch jene Spiele, die als Kunst erscheinen, und dem Spieler die künstlerische Welt präsentieren, ohne das dieser viele Möglichkeit hat sie in einer anderen Weise wahrzunehmen.

REZ, den man hier sieht, der ausgefallene Cybershooter auf dem Sega Dreamcast dürfte diese Bedingung erfüllen:

Ebenfalls interessant: Echochrome, ein Puzzlespiel in der 3D-Welt des niederländischen Künstlers M.C. Escher, dass für die Playstation 3 und die tragbare Playstation (PSP) erscheinen wird:

Es gibt noch ein paar weitere solcher Spiele, aber es sind sehr wenige und sie definieren nicht das, was den Videospielmarkt als solchen ausmacht, die Divergenz zwischen dem, was man oben sieht, und was den Markt bestimmt ist noch viel größer als bei Filmen, und dafür gibt es einen guten Grund: Videospiele sind teuer zu produzieren und können sich fast ausschließlich am kommerziellen Erfolg orientieren, virtuelle Kunst findet in anderen Bereichen statt.

Deswegen halte ich die Überlegungen des Kulturratsvorsitzenden im Moment für falsch. Es wäre ein falsches Signal, Videospiel offiziell als Kunst anzuerkennen, denn die Debatte um mediale Gewalt ist eine wichtige. Dabei geht es weniger darum, ob sie aus Jugendlichen Amokläufer macht, sondern um die ethische Frage, ob wir es zulassen wollen, dass die bewusste Entscheidung zum realistischen Töten Unschuldiger, wie sie die Industrie erfolgreich verkauft, mit den Grundwerten unserer Gesellschaft vereinbar ist. Kunst in Videospielen wird eine Randerscheinung bleiben, die zu Recht auch anders gewürdigt werden kann.

1 Kommentar zu “Sind Videospiele Kunst?”

  1. empörter leser schreibt:

    Wenn Musik und Filme Kunst sind dan sind Videospiele es auch, egal ob sie Gewaltätige Inhalte haben oder nicht.
    Klar spiele wie Counter Strike und Doom … sind sinnlos und dumm dank der Medien kennt man nur diese spiele,aber es gibt nicht nur eine hand voll Videospiele die ganz klar als Kunst gelten sollen.

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