Nachtrag: Max Schradin bei 9Live rausgeflogen?

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Blogosphäre, geschrieben am 8. November 2007 von Thomas Arndt

Wie ich gerade feststellen musste, wurde 9Live-Moderator Max Schradin vor zwei Wochen entlassen oder auch nur vorrübergehend entlassen. Ob er derzeit auf Sendung ist, weiß ich gar nicht (Laut wikipedia ist er bis Jahresende beurlaubt, arbeitet aber noch bei den Formaten für ProSiebenSat.1). Hintergrund war eine vermeintliche Beleidigung des ehemaligen Moderators gegenüber einem Berufskollegen. Schradin hatte diesen als “pädophil” bezeichnet und danach behauptet, er habe “adophil” gemeint.

Mehr dazu bei Focus Online.

Eine gute Übersicht über die Entwicklung des Falls bietet das Blog von Don Farrago.

In eigener Sache:

Ich selber hatte auf diesem Blog hier auch über den Fall geschrieben. Den entsprechenden Beitrag habe ich unsichtbar gemacht, nachdem sowohl ein Kommentator als auch ein jemand der sich als Schradins Anwalt ausgab in den Kommentaren mit möglichen rechtlichen Konsequenzen drohten. Da dieses Blog nicht kommerziell ist und daher auch kein Geld für eventuelle Auseinandersetzungen vorhanden ist, habe ich mich dazu entschlossen, erstmals einen Beitrag herauszunehmen. Wichtig: Ich weiß nicht, ob das wirklich ein echter Anwalt oder Schradins Anwalt war, aber die Abmahnungen die gelegentlich an Blogger gehen, machen ja vorsichtig.

Keine Kommentare hier. Falls mich jemand anschreiben will: Im Impressum steht die E-Mail.

Call-In-Tv ist zum Kotzen

Ein Beitrag zum Themengebiet Blogosphäre, geschrieben am 24. September 2007 von Thomas Arndt

Ohne Worte.

Callactive und die Kommentare

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Medienrauschen, Blogosphäre, geschrieben am 15. August 2007 von Thomas Arndt

Den besten Artikel zum Thema Callactive hat neulich Konrad Lischka vom Spiegel Online geschrieben, also ein Journalist.

Kann man hier lesen.

Callactive Geschäftsführer Stephan Mayerbacher kommt in diesem Artikel zu Wort und seine Worte, also sinngemäß nicht gegen Kritik vorgehen zu wollen, sondern gegen (gezielte) Rufschädigung, haben de facto noch keinen Gegenbeweis gefunden, sind also für den Moment glaubhaft.

Auch Chris vom Blog F!XMBR macht heute in einem Beitrag deutlich, dass Callactive nicht gegen arme Blogger vorgeht, sondern gegen Profis:

[…] dementsprechend ist die ganze Sache ein ganz anderer Schnack, als wenn da ein kleiner Privatblogger abgemahnt werden würde. Ich bin mittlerweile zu der Überzeugung gelangt, dass man da trennen muss, zwischen gewinnorientiertem und privatem Publizieren.

Dieser Beitrag ist mit Sicherheit natürlich auch dadurch motiviert, dass Chris Blogger die Geld mit dem Bloggen verdienen, nicht ausstehen kann und schon gar nicht solche die etwas mit adical zu tun haben, die wiederum mit dem bösen Yahoo, was wiederum mit den bösen Russen…. usw. Aber das nur nebenbei.

Warum sich Callactive heute allerdings in diversen Blogs zu Wort meldet, ist nicht ganz klar.

Callactive wiederholt in diesen Kommentaren einen Kommentar, aufgrund dessen man Niggemeier abgemahnt hatte.

Spreeblick macht die Absurdität deutlich und wundert sich:

Überrascht? War ich auch, als ich vorhin die Antwort von Callactive Geschäftsführer Stephan Mayerbacher bekam, in der er mir bestätigte, dass die Kommentare tatsächlich aus seinem Haus stammten.

Genauso wie einige andere Blogger. Und ich wundere mich auch.

Ich freue mich ja, dass Callactive bei uns recherchefaulen Bloggern mal Stellung bezieht, aber warum wiederholen sie einen Kommentar, gegen dessen Verbreitung sie eigentlich vorgehen. Mir war durchaus bewusst, dass es sich um stärken Tobak handelt, und nicht irgendwelchen Firlefanz.

Zumindest müssen wir Beta-Blocker wohl keine Angst haben, abgemahnt zu werden, wenn bei uns in den Kommentaren jemand schreibt: Callactive finde ich doof.

RoundUp: Blogger im Rechtsstreit

Ein Beitrag zum Themengebiet Netzwelten, Politikum, Blogosphäre, geschrieben am 1. August 2007 von Thomas Arndt

Marc Doehler darf auf seinem kritischen Forum Call-In-Tv.de in Zukunft nicht mehr von “verwirrten Anrufern” sprechen oder diese Behauptung zulassen, insofern diese als Synonym für Fake-Anrufer verstanden werden kann. Das urteilte gestern das Oberlandesgericht München, wie Spiegel Online berichtet. Das Landgericht der Stadt hatte in erster Instanz noch zu Gunsten von Marc Doehler entschieden.

Sollte Doehler oder die Nutzer seines Forums dem zuwider handeln, müsste er bis zu 250.000 Euro Strafe zahlen, so Spiegel Online. Das Forum Call-In-TV.de ist wegen technischer Schwierigkeiten derzeit nicht erreichbar. (Nachtrag: Das Forum ist unter dieser URL zu erreichen) Im Blog von Stefan Niggemeier kündigt Doehler jedoch an, die Gewinnspielsendungen der Firma Call-Active auch weiter protokolieren zu wollen. Niggemeier selbst spricht von einem “vernichtenden Sieg gegen das Forum call-in-tv.de” und wie er sagen würde, “gegen die Meinungsfreiheit und den Verbraucherschutz”.

Der Chef der Firma Callactive, Stephan Mayerbacher, betont gegenüber Spiegel Online, man wolle nicht “Kritik an Call-In-Formaten im Fernsehen unterbinden” oder gar “call-in-tv.de mundtot machen”. Man sei nur “gegen schwer beleidigende Inhalte und gegen die unwahre Unterstellung vorgegangen, es gebe gefälschte Anrufe”. Die Echtheit der Anrufe ließe sich zudem über Verbindungsdaten belegen, die den Landesmedienanstalten vorlägen.

Auch gegen Stefan Niggemeier hat Callactive einen gerichtlichen Erfolg erzielt, wie dieser auf seinem Blog schreibt. Niggemeier hatte die Kritik an den Fernsehgewinnspielen verfolgt und selber dazu recherchiert. Im konkreten Fall geht es um eine einstweilige Verfügung gegen in zwei Kommentaren bei Niggemeier gemachte Aussagen.

Dazu schreibt Niggemeier:

Es scheint mir […] darauf hinauszulaufen, dass die deutschen Gerichte eine offene Debatte über zweifelhafte Geschäftspraktiken für gefährlicher halten als die Geschäftspraktiken selbst.

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Terror-Anschlag auf Stefan Niggemeier

Ein Beitrag zum Themengebiet Netzwelten, Politikum, Blogosphäre, geschrieben am 31. Juli 2007 von Thomas Arndt

Im Folgenden erfahren Sie die wahren Hintergründe über eine Spam-Attacke, welche die Welt für immer verändern wird. Lesen Sie, wie Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble den Alpha-Blogger Stefan Niggemeier verhaften lässt und seine Befreiung in letzter Minute nur durch Hilfe von Don Alphonsos Schwester, Max Schradin und Peter Turi gelingt. Diese Geschichte ist zu 100 Prozent wahr und methodisch recherchiert (entsprechend Michael Haller).

“Ich wollte mir gerade ein Bananenbrot machen, da klingelte plötzlich das Telefon”, erzählt Alpha-Blogger Stefan Niggemeier am gestrigen Abend in einer Live-Schaltung auf CNN. Der Medienjournalist und Blogger hatte gerade erst einen Liebesbrief an Bild-Chefredakteur Kai Diekmann beendet, als ihn der deutsche Innenminister harsch aus den Träumen riss. “Wolfgang Schäuble hier, Herr Niggemeier sie sind verhaftet!”, halt es durch Niggemeiers Handy. Begründung: Massenhafte Spam-Mails im Namen des Bloggers legten den Server des Innenministeriums lahm.

Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnt: Stefan Niggemeier ist unschuldig; ein Schurke islamischer Herkunft hat die gefährlichen Terror-Mails im Namen des angesehenen Medienkritikers verfasst.

Was war geschehen: Gegen 6 uhr am Montag Morgen geht in Peking ein bärtiger Mann eindeutig islamischer Herkunft zielsicher in ein Internetcafe. Der gebürtige Wuppertaler iranischer Herkunft hatte sich über das Auswärtige Amt die Telefonnummern bekannter Terroristen besorgt, und mit ihnen zusammen einen Terror-Plan ausgearbeitet, um mal “ein paar Sachen in Ordnung zu bringen”.

Vom Pekinger Internetcafe aus startet Mohammed Yoldas eine Spam-Attacke in Niggemeiers Namen, die beispiellos in der Geschichte des Internets bleiben wird. Der Inhalt: Niggemeier ruft angeblich zu Spenden für Marc Doehler, den Betreiber eines kritischen Internet-Portals auf, das sich mit Fernseh-Gewinnspielen beschäftigt. Ein Bekennerschreiben geht direkt an Spiegel Online, wird jedoch übersehen, da der zuständige Redakteur Konrad Lischka gerade World of Warcraft spielt, um die Bedeutung von epischen Rüstungen in der Internetkultur zu recherchieren.

Darauf folgt weltweit Chaos: Der US-Präsident ruft nach dem Absturz von fünf Linienflügen den nationalen Notstand aus, in Freiburg wählen drei Soziologie-Studentinnen aus Verbitterung über Niggemeiers vermeintlichen Distanzverlust den Freitod, im deutschen Innenministerium gehen die Lichter aus. Innenminister Schäuble handelt sofort. Versiert notiert er sich den vermeintlichen Namen des Absenders der Terror-Mails und ruft Niggemeier an. Nur Minuten später wird Niggemeier verhaftet.

Gegen 12 Uhr erfährt 9Live-Star Max Schradin von Niggemeiers Verhaftung und setzt sofort alle Hebel in Bewegung, um seinen besten Freund aus dem Gefängnis zu holen. Es gelingt gerade noch im letzten Moment. Zusammen mit der juristisch bewanderten Schwester von Krawall-Blogger Don Alphonso gelingt es in letzter Minute eine Abmahnung an das deutsche Innenministerium zu schicken. Niggemeier darf nicht weiter als Terrorist bezeichnet werden.

Gegen 13:30 Uhr telefoniert Niggemeier mit seinem alten Weggefährten Peter Turi, der aus den Erlösen seines überaus erfolgreichen Branchendienstes turi2 die Kaution von 2 Millionen Credits zahlt. Turi motiviert Niggemeier zu einem Blogeintrag, in dem er die Terror-Geschichte richtig stellen soll. Niggemeier beißt beherzt in sein schon etwas trockenes Bananenbrot vom Vormittag und haut in die Tasten.

Auch ganz viele andere Blogger berichten über den Vorfall, der die Welt an den Rand des Abgrunds führte.

Die Geschichte geht jedoch nochmal gut aus. Bis zum Abend wurde Niggemeiers Blog 2 Milliarden Mal aufgerufen, über 50 Prozent der Besucher klicken Niggemeiers Adical-Werbung. Von den Einnahmen kauft Niggemeier die FAZ und den Kress Branchendienst, setzt Peter Turi als Chefredakteur ein. Auch Marc Doehler, das zweite Opfer der Terror-Attacke kann sich am späten Abend über 350 Millionen Euro Spenden-Einnahmen freuen. Er kauft sofort den Gewinnspielveranstalter Call-Active und veranstaltet jetzt selbst Fernseh-Gewinnspiele, bei denen alle Anrufer durchgelassen werden. Gegen 23 Uhr ist Doehler pleite.

Wir alle können froh sein, dass die Geschichte noch einmal gut ausgegangen ist. Aber sie lehrt uns auch eine wichtige Lektion: Terrorismus kann uns alle betreffen. Wolfgang Schäuble sollte daher uneingeschränkten Zugriff auf unsere Computer bekommen.

Vorratsdatenspeicherung und Bundestrojaner: Ich bin dafür!

[via: Stefan Niggemeier]

Geschichte der Call-In-TV-Kritiker

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedrucktes, Mattscheibe, geschrieben am 3. Juli 2007 von Thomas Arndt

Zwerge

Wer sich für das Thema Call-In-TV und die Kritik an den Methoden der Veranstalter interessiert, dem sei das aktuelle Spiegel Sonderheft zum Web 2.0 nahegelegt. Auf vier Seiten beschreibt Spiegel Autor Jochen Bölsche die Geschichte von Marc Döhler, der es sich quasi zum Ziel gemacht hat, gegen die Methoden der Call-TV-Betreiber vorzugehen.
Beginnend Anfang 2006 beschreibt Bölsche wie Döhler das Forum Call-In-TV.de gründete und wie dort begonnen wurde das Programm der Sender mitzunschneiden: “Ins Netz gestellt, könnten die Videos Presse und Justiz, Behörder und Gesetzgeber gegen die Bauernfängerei mobilisieren.”
Bölsche beschreibt auch nochmal ausführlich die Methoden der Call-In-TV-Sendungen, und bezieht sich dabei offensichtlich zum großen Teil auf die Videomitschnitte aus Doehlers Forum. Mit dabei auch mein persönlicher Favorit zur Quizfrage “Tiere mit S” - der Stirnlappenbasilisk, den ich auchmal auf diesem Blog eingebettet habe. Im Gegensatz zur Saigon-Antilope oder dem Samtstirnkleiber hatte den aber damals offensichtlich wirklich jemand eraten.
Besonders nett, auch an 9Live-Liebling Max Schradin wird kein gutes Haar gelassen. Live auf Sendung droht er dem ihm damals nur als “Morc vom Orc” bekanntem Doehler juristische Konsequenzen an, unerlässt diese dann aber und macht sich On Air lieber über die “grünen Gnome” lustig.
Auch die aktuellen Pannen bei 9Live und die Kritik an den Landesmedienanstalten finden sich im Spiegel-Artikel wieder. Da sich der Spiegel-Artikel aber hauptsächlich auf 9Live konzentriert, fehlen Hinweise auf den zweiten deutschen Call-In-Betreiber Callactive, mit dem Marc Döhler schon mehrfach juristische Auseinandersetzungen hatte. Warum darauf nicht hingewiesen wurde, verstehe ich nicht. Immerhin macht es deutlich welche Konsequenzen es hat, sich mit Goliath anzulegen. Schließlich steht der Artikel unter dem Leitmotiv David (bzw. Zwerge, grüne Gnome) gegen Goliath.

Der Autor des Spiegel-Beitrags stellt sich ganz auf die Seite der Call-In-Tv-Kritiker, die Gegenseite kommt nicht zu Wort. Außer der vermutlich exklusiven Quelle des Medienwissenschaftlers Hans J. Kleinsteuber bezieht Bölsche seine Informationen wahrscheinlich hauptsächlich aus dem Internet, Fernsehen oder von Doehler selbst. Dennoch ist der Artikel unterhaltsam und lesenswert und fast die Thematik wunderbar zusammen.

Inhalt des Spiegel Specials

Schwerpunkt Call-In-TV auf Medienblogger

Etappensieg für kritisches Call-In-TV-Forum

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, geschrieben am 28. Juni 2007 von Thomas Arndt

Marc Doehler, Betreiber des Internetforums call-in-tv.de und eines dazugehörigen Weblogs, darf möglicherweise weiterhin den Begriff “verwirrte Anrufer” für Anrufer bei TV- Gewinnspielsendungen des Veranstalters Callactive (ähnlich 9Live) verwenden. Callactive hatte den Marc Doehler zunächst abgemahnt und dann, nachdem Doehler die Abmahnung zurückwies, eine einstweilige Verfügung beim Landgericht München beantragt (AZ 20 O 10511/07). Das Landgericht München wies diesen Antrag jetzt zurück. Callactive kann allerdings noch Rechtsmittel einlegen. Das geht aus einer Pressemitteilung von Doehler hervor (im Original bei blogmedien).

Hintergrund der Geschichte ist, dass auf Doehlers Seiten behauptet wurde, die Firma Callactive würde in ihren Gewinnsendungen “Fake- bzw. Scheinanrufe” platzieren, um Teilnehmer zum Mitmachen zu animieren. Nach einer Abmahnung richtete Doehler eine Wortsperre ein, die die beiden Begriffe durch “verwirrte Anrufer” automatisch ersetzt. Callactive ist der Auffassung, dass es sich hierbei um ein Synonym handelt, dass von jedem im Sinne von “Fake- Und Scheinanrufern” verstanden würde. Dies sei für die Firma Callactive existenzbedrohend, gibt Blogger Stefan Niggemeier die Argumentation der Anwälte von Callactive wieder.

Das Landgericht München ist allerdings anderer Aufassung, was die “verwirrten Anrufer” betrifft:

Unter der Formulierung ‚verwirrte Anrufer’ sind nach objektivem Verständnis solche Anrufer zu verstehen, die sofort auflegen oder plötzlich keinen Ton herausbringen. Dies kommt gerichtsbekannt im Rahmen der Sendungen der Antragstellerin auch vor. […] Es handelt sich lediglich um die objektive Beschreibung der Tatsache, dass zahllose Anrufer sich als Blindgänger entpuppen. […] Dem Antragsgegner muss es möglich sein, sein kritisches weblog aufrechtzuerhalten. Dies wäre ihm jedoch verwehrt, wenn man ihm jede Formulierung untersagen würde, aus der Nutzer, die seine Seite schon vorher kannten, möglicherweise den Schluss ziehen könnten, er wolle damit sagen, bei den Sendungen der Klägerin gebe es unter Umständen ‚Fake’-Anrufer.

Unabhängig davon befindet sich Marc Doehler weiterhin in einem anderen Rechtsstreit mit Callactive. Neben den verwirten Anrufern waren auch die “Fake- und Scheinanrufer” in Doehlers Forum trotz Unterlassungserklärung aufgetaucht. Bei diesem Verfahren (LG Berlin, Az. 27 O 500/07) geht es um einen Streitwert von insgesamt 20.693,70 Euro. “Eine Entscheidung in der Vertragsstrafensache dürfte nicht vor Ende des Jahres fallen”, teilte Doehlers Rechtsanwalt Frank Metzing auf Anfrage von Medienblogger mit.

Medienwächter wollen mehr Macht

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, geschrieben am 27. Juni 2007 von Thomas Arndt

Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) hat zu Beginn dieser Woche neue Regeln für Fernsehgewinnspiele verabschiedet. Das geht aus einer Pressemitteilung der Abeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM) hervor.

Als Kernpunkte der neuen Richtlinien nennt die Direktorenkonferenz den Abbau von künstlichem Zeitdruck durch die Moderation, die Offenlegung der technischen Mechanismen, eine Dokumentation der ausgezahlten Gewinne und klare Referenzen bei Wortsuchspielen.

Gleichzeitig bekräftigten die Medienwächter nochmal die Forderung nach einer rechtlichen Grundlage “für das Einschreiten bei rechtswidrigen Fernseh-Gewinnspielsendungen”.

“Die momentane Rechtsgrundlage ist eine unsichere”, sagt Uta Spies, Pressesprecherin der ALM gegenüber Medienblogger. Bei Verstößen könnte es nach den Plänen der Medienwächter grundsätzlich zunächst zu einer Beanstandung kommen. Reagiert der Gewinnspielveranstalter nicht darauf oder stellt er die beanstadte “Rechtswidrigkeit” nicht ab, könne ein Bußgeld folgen oder in besonders schweren Fällen noch härtere Konsequenzen wie die Einstellung des Programms, führt Spies aus.

Bislang handelt es sich bei diesen Überlegungen nach einer rechtlichen Grundlage um die Wünsche der Landesmedienanstalten, die natürlich mehr Macht wollen, und um eine Forderung an den den Gesetzgeber. Die DLM will hierzu einen Vorschlag unterbreiten. Nach eigener Darstellung wurde von den Ländern eine mögliche Aufnahme in den 10. Rundfunkänderungs-Staatsvertrag signalisiert.

Die neuen Richtlinien gibt es hier zum Download.

Mehr zum Thema Fernseh-Gewinnspiele auf diesem Blog.

Callactive verklagt Kritiker auf 20.000 Euro

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, geschrieben am 13. Juni 2007 von Thomas Arndt

Die Firma Callactive, die für die TV Sender VIVA, Nick und Comedy-Central Gewinnspielformate (ähnlich 9Live) produziert, geht schon seit einiger Zeit gegen ihre Kritiker vor. Näheres dazu, zu ihrem Geschäftsführer Stephan Mayerbacher und seiner vermeintlichen Strategie findet sich bei Stefan Niggemeier hier und hier.

Jetzt verklagt Callactive Marc Döhler, den Betreiber des Internetforums Call-in-TV.de. Das geht aus einer Pressemitteilung des Forums vom heutigen Tage hervor. Hintergrund: Marc Döhler musste sich im Februar diesen Jahres nach einem anderen Rechtsstreit verpflichten, dass nichtmehr die Tatsachenbehauptung, es würden “Fake- bzw. Schein-Anrufe platziert, um Teilnehmer zum Mitmachen zu animieren” aufgestellt wird. Callactive sieht nun mehrfache Verstöße gegen diese Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung und klagt. Der Streitwert beträgt 20.693,70 Euro.

Das Forum von Marc Döhler wurde neuerlich erst wieder dadurch bekannt, dass sie einen 9Live belastenden TV-Ausschnitt an die Öffentlichkeit brachten. Das ARD-Magazin Plusminus etwa griff diesen Vorfall auf. Die zuständige Landesmedienanstalt setzte eine 48-Stunden-Frist an 9Live. Es folgten verwirrende Pressemitteilungen von 9Live, als auch von Callactive zum Thema Hot Button. Beide Gewinnspielbetreiber stehen hart in der Kritik. (Mehr zum Thema Call-in-TV hier auf diesem Blog)

“Wenn die Klage Erfolg hätte, wäre ich finanziell ruiniert und ein kritisches Forum mundtot gemacht. Das dürfte auch der mit der Klage verfolgte Zweck sein”, kommentiert Marc Döhler. Sein Anwalt Frank Metzing spitzt es noch etwas zu: “Das wäre das Ende der Meinungsfreiheit im Internet.”

Weiteres dazu auf dem Blog des Forums: Call-in-TV-Blogbeitrag mit Diskussionsmöglichkeit. (Hier erstmal keine Kommentare. Hat sicher einen Grund, warum es bei Stefan Niggemeier auch nicht geht, der kennt sich da sicher besser aus als ich).

Nachtrag 14.06.07: Der Website Sat+Kabel liegt seit heute eine Stellungnahme von Callactive-Geschäftsführer Stephan Mayerbacher vor. Mayerbacher schreibt Sat-Kabel zufolge darin, dass er mit der Klage nicht gegen unsachliche oder polemische Kritik vorgehen will, diese würde hingenommen. Vielmehr sei es nicht gelungenen, zusammen mit Marc Doehler eine Lösung hinsichtlich der Behauptung der “Schein-Anrufe” zu finden. Zu diesem Thema stellt heute auch nochmal Stefan Niggemeier einige Gedanken nach einer TV-Nacht mit dem “Money-Express” an. Marc Doehler hat derweil auf seinem Portal zu Spenden aufgerufen.

Zur genaueren Einschätzung der rechtlichen Problematik empfiehlt sich auch der entsprechende Artikel auf DWDL.

Callactive fairer als 9Live?

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, geschrieben am 29. Mai 2007 von Thomas Arndt

In einer Pressemitteilung äußert sich die Callactive GmbH zum Thema Hot Button und schreibt genau das Gegenteil von dem, was 9Live schreibt. Damit versucht Callactive sich offenbar glaubwürdiger darzustellen als die Konkurrenz. Ein schlauer Schachzug. Call Aktive produziert ebenfalls Liveformate, eben auch die bekannten Telefongewinnspiele, etwa für Viva Comedy Central, Nick und andere.

Aber von vorn: Schauen wir nochmal auf die Argumentation von 9Live, die ich hier beschrieben hatte: De Facto hat 9Live mehr oder weniger zugegeben, dass ein Redakteur Einfluss auf den Punkt hat, an dem der Hot Button zuschlägt, allerdings: Auch Anrufer, die vorher angerufen haben, bekommen eine Chance. Stefan Niggemeier hat das so beschrieben:

Auf diese Weise würde ein Redakteur zwar ganz alleine entscheiden, ob zum Beispiel drei Stunden lang niemand durchgestellt wird. Aber wenn nach drei Stunden jemand durchgestellt wird, könnte es auch jemand sein, der schon zwei Stunden früher angerufen hatte.

Callactive schreibt nun, der Redakteur habe bei ihren Gewinnspielen keinen Einfluss auf den Zeitpunkt, zu dem der Hot Button zuschlägt:

Der Hot-Button Mechanismus wählt zu einem beliebigen Zeitpunkt während der aktuellen Runde und bei einem beliebigen Anrufer ohne Beeinflussung durch den Redakteur oder einer anderen Person einen Anrufer aus

und weiter:

Dieser vom System ermittelte Zeitpunkt wird zu keiner Zeit dem Redakteur,Moderator oder einer anderen Person bekannt gemacht

Klingt schonmal besser als die Geschichte von 9Live. Allerdings: Auch an Callactive gibt es immer wieder Kritik.

Nachtrag 31.05.07: In einem Blogbeitrag Stefan Niggemeiers ist gleich eine ganze Reihe an Informationen über den Geschäftsführer von Callactive, Stephan Mayerbacher, zu lesen. Unter anderem von vermeintlichen Einschüchterungsversuchen gegenüber einem möglichen Mitglied des Forums Call-in-TV. Außerdem macht Niggemeier transparent, auf welcher Art und Weise Mayerbacher auf journalistische Anfragen nicht nur von Blogseite reagiert (Niggemeier schreibt einen entsprechenden Beitrag für die FAZ).