Call-In-Tv ist zum Kotzen
Ein Beitrag zum Themengebiet Blogosphäre, geschrieben am 24. September 2007 von Thomas ArndtOhne Worte.
Ohne Worte.

Wer sich für das Thema Call-In-TV und die Kritik an den Methoden der Veranstalter interessiert, dem sei das aktuelle Spiegel Sonderheft zum Web 2.0 nahegelegt. Auf vier Seiten beschreibt Spiegel Autor Jochen Bölsche die Geschichte von Marc Döhler, der es sich quasi zum Ziel gemacht hat, gegen die Methoden der Call-TV-Betreiber vorzugehen.
Beginnend Anfang 2006 beschreibt Bölsche wie Döhler das Forum Call-In-TV.de gründete und wie dort begonnen wurde das Programm der Sender mitzunschneiden: “Ins Netz gestellt, könnten die Videos Presse und Justiz, Behörder und Gesetzgeber gegen die Bauernfängerei mobilisieren.”
Bölsche beschreibt auch nochmal ausführlich die Methoden der Call-In-TV-Sendungen, und bezieht sich dabei offensichtlich zum großen Teil auf die Videomitschnitte aus Doehlers Forum. Mit dabei auch mein persönlicher Favorit zur Quizfrage “Tiere mit S” - der Stirnlappenbasilisk, den ich auchmal auf diesem Blog eingebettet habe. Im Gegensatz zur Saigon-Antilope oder dem Samtstirnkleiber hatte den aber damals offensichtlich wirklich jemand eraten.
Besonders nett, auch an 9Live-Liebling Max Schradin wird kein gutes Haar gelassen. Live auf Sendung droht er dem ihm damals nur als “Morc vom Orc” bekanntem Doehler juristische Konsequenzen an, unerlässt diese dann aber und macht sich On Air lieber über die “grünen Gnome” lustig.
Auch die aktuellen Pannen bei 9Live und die Kritik an den Landesmedienanstalten finden sich im Spiegel-Artikel wieder. Da sich der Spiegel-Artikel aber hauptsächlich auf 9Live konzentriert, fehlen Hinweise auf den zweiten deutschen Call-In-Betreiber Callactive, mit dem Marc Döhler schon mehrfach juristische Auseinandersetzungen hatte. Warum darauf nicht hingewiesen wurde, verstehe ich nicht. Immerhin macht es deutlich welche Konsequenzen es hat, sich mit Goliath anzulegen. Schließlich steht der Artikel unter dem Leitmotiv David (bzw. Zwerge, grüne Gnome) gegen Goliath.
Der Autor des Spiegel-Beitrags stellt sich ganz auf die Seite der Call-In-Tv-Kritiker, die Gegenseite kommt nicht zu Wort. Außer der vermutlich exklusiven Quelle des Medienwissenschaftlers Hans J. Kleinsteuber bezieht Bölsche seine Informationen wahrscheinlich hauptsächlich aus dem Internet, Fernsehen oder von Doehler selbst. Dennoch ist der Artikel unterhaltsam und lesenswert und fast die Thematik wunderbar zusammen.
Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) hat zu Beginn dieser Woche neue Regeln für Fernsehgewinnspiele verabschiedet. Das geht aus einer Pressemitteilung der Abeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM) hervor.
Als Kernpunkte der neuen Richtlinien nennt die Direktorenkonferenz den Abbau von künstlichem Zeitdruck durch die Moderation, die Offenlegung der technischen Mechanismen, eine Dokumentation der ausgezahlten Gewinne und klare Referenzen bei Wortsuchspielen.
Gleichzeitig bekräftigten die Medienwächter nochmal die Forderung nach einer rechtlichen Grundlage “für das Einschreiten bei rechtswidrigen Fernseh-Gewinnspielsendungen”.
“Die momentane Rechtsgrundlage ist eine unsichere”, sagt Uta Spies, Pressesprecherin der ALM gegenüber Medienblogger. Bei Verstößen könnte es nach den Plänen der Medienwächter grundsätzlich zunächst zu einer Beanstandung kommen. Reagiert der Gewinnspielveranstalter nicht darauf oder stellt er die beanstadte “Rechtswidrigkeit” nicht ab, könne ein Bußgeld folgen oder in besonders schweren Fällen noch härtere Konsequenzen wie die Einstellung des Programms, führt Spies aus.
Bislang handelt es sich bei diesen Überlegungen nach einer rechtlichen Grundlage um die Wünsche der Landesmedienanstalten, die natürlich mehr Macht wollen, und um eine Forderung an den den Gesetzgeber. Die DLM will hierzu einen Vorschlag unterbreiten. Nach eigener Darstellung wurde von den Ländern eine mögliche Aufnahme in den 10. Rundfunkänderungs-Staatsvertrag signalisiert.
Die neuen Richtlinien gibt es hier zum Download.
Mehr zum Thema Fernseh-Gewinnspiele auf diesem Blog.