9Live und der Hot Button: Eine unendliche Geschichte

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, geschrieben am 24. Mai 2007 von Thomas Arndt

Kaum das Aktuellste zu 9Live gebloggt, trudelt die sehr sehr lange Pressemitteilung von 9Live zum Thema Hotbutton, Gewinnchancen und bayerische Medienwächter ein.

Im Folgenden sollen die Grundpunkte des Verfahrens und der Argumentation von 9Live (die sehr sehr clever ist) dargestellt werden und nochmal auf die eigentlich Problematik und das Versäumnis der Landesmedienanstalten eingegangen werden:

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9Live tappt in die Falle

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, geschrieben am 17. Mai 2007 von Thomas Arndt

Den Mitgliedern des Forums call-in-tv.de ist es wohl zu verdanken, dass weitere Beweise für ein nicht den Regeln der Landesmedienanstalten entsprechendes Verfahren bei den Fernsehgewinnspielen von 9Live ans Tageslicht kommen. Manch einer mag in diesem Zusammenhang auch von Betrug reden. Erst vor kurzem hatte ich über die ironisch wirkende Weise berichtet, mit der 9Live von transparentem und fairem Call-TV spricht.

Durch das unermüdliche Aufzeichnen und Auswerten des 9Live-Programms sind jetzt zwei Aufnahmen herausgefiltert wurden, in denen die Moderatoren im Gespräch mit der Redaktion oder Regie zu hören sind.

So hört man Moderatorin Alida Lauenstein offensichtlich durch einen Fehler in der Tonregie unabsichtlich sagen (zitiert nach DWDL):

…noch ein bisschen mitzunehmen. Lasst das doch Max übernehmen. Bei solchen Peaks, schlagt doch später zu.

Dabei bedeutet Peak wohl die Anzahl der Anrufer, Max ist der Modertor der kommenden Sendung. Damit liegt nun offenbahr ein Beweis für das vor, was Medienjournalist und Blogger Stefan Niggemeier und andere Kritiker von 9Live seit geraumer Zeit zu beweisen suchen: Der sogenannte “Hot-Button” schlägt nicht dann zu, wenn es der Zufall will, sondern wenn jemand bei 9Live entscheidet, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, etwa weil die Zahl der Anrufer rückläufig ist.

Die vollständige Geschichte inklusive Videobeweis findet sich bei DWDL. Auch Stefan Niggemeier, der ja unter anderem für seine Kritik an 9Live für den Grimme Online Award nominiert ist, fasst den kompletten Skandal nochmal gut zusammen.

[via turi2]

Nach dem Call-TV-Gipfel

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, geschrieben am 3. Mai 2007 von Thomas Arndt

Es klingt schon ein bisschen ironisch, wenn 9Live-Geschäftsführer Marcus Wolter heute in einer Pressemitteilung sagt, sein Sender sei “Vorreiter für transparentes, chancengleiches und faires Call TV”. Vorangegangen war der sogenannte Call-TV-Gipfel, auf dem sich Landesmedienanstalten, TV-Sender und die Betreiber des interaktiven Anruf-Fernsehens über neue “Anwendungs- und Auslegungsregeln” der Gewinnspiele untehalten haben.

DWDL berichtet, dass man sich darauf geeinigt habe, einen Entwurf der Landesmedienanstalten von Anfang April als Grundlage des weiteren Handelns zu nehmen.
Folgende Punkte sollen nun in einer neuen Regelung aufgegriffen werden:

  • Moderatoren dürfen keinen künstlichen Zeitdruck aufbauen
  • ausgezahlte Gewinnen müssen offengelegt werden
  • technische Mittel müssen transparent sein (Stichwort Hot-Button, freie Leitungen usw.)
  • Rätsel müssen innerhalb der Sendung aufgelöst werden
  • nachvollziehbare Lösung
  • Gewinnspiele dürfen nicht unangemessen schwer sein
  • Bilder müssen auf verschiedenen Bildschirmformaten erkennbar sein
  • Wortspiele nur mit gebräuchlichen Worten

DWDL bezweifelt allerdings, ob die neuen Regelungen einen Durchbruch bringen. Vieles gelte bislang schon oder würde gar nicht eingehalten. Zudem seien die Sanktionsmöglichkeiten der Landesmedienanstalten gering. Angesichts der vermuteten Ahnungslosigkeit der Medienhüter über die Technik der Gewinnspiele, hatte Stefan Niggemeier gestern in seinem Blog geschrieben:

Wenn die BLM das nach all den Jahren, in denen sie für die Kontrolle über die Dauerhütchenspieler von 9Live und dem DSF zuständig ist, nicht weiß, dann kann man genauso gut eine Gruppe gefesselter Nacktnasenwombats mit der Medienaufsicht beauftragen.

So werden wir wohl auch in Zukunft nicht genau wissen, was 9Live eigentlich meint, wenn sie in ihre Pressemitteilungen schreiben: “Zu den Grundprinzipien des Geschäftsmodells zählen Transparenz, Fairness und Chancengleichheit.”

Passend dazu, ein illustrierendes Video (35 Sekunden):

Bei 9Live versteht man sich offenbar nicht nur in der Geschäftsführung auf Ironie.