Call-In-Tv ist zum Kotzen

Ein Beitrag zum Themengebiet Blogosphäre, geschrieben am 24. September 2007 von Thomas Arndt

Ohne Worte.

Callactive und die Kommentare

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Medienrauschen, Blogosphäre, geschrieben am 15. August 2007 von Thomas Arndt

Den besten Artikel zum Thema Callactive hat neulich Konrad Lischka vom Spiegel Online geschrieben, also ein Journalist.

Kann man hier lesen.

Callactive Geschäftsführer Stephan Mayerbacher kommt in diesem Artikel zu Wort und seine Worte, also sinngemäß nicht gegen Kritik vorgehen zu wollen, sondern gegen (gezielte) Rufschädigung, haben de facto noch keinen Gegenbeweis gefunden, sind also für den Moment glaubhaft.

Auch Chris vom Blog F!XMBR macht heute in einem Beitrag deutlich, dass Callactive nicht gegen arme Blogger vorgeht, sondern gegen Profis:

[…] dementsprechend ist die ganze Sache ein ganz anderer Schnack, als wenn da ein kleiner Privatblogger abgemahnt werden würde. Ich bin mittlerweile zu der Überzeugung gelangt, dass man da trennen muss, zwischen gewinnorientiertem und privatem Publizieren.

Dieser Beitrag ist mit Sicherheit natürlich auch dadurch motiviert, dass Chris Blogger die Geld mit dem Bloggen verdienen, nicht ausstehen kann und schon gar nicht solche die etwas mit adical zu tun haben, die wiederum mit dem bösen Yahoo, was wiederum mit den bösen Russen…. usw. Aber das nur nebenbei.

Warum sich Callactive heute allerdings in diversen Blogs zu Wort meldet, ist nicht ganz klar.

Callactive wiederholt in diesen Kommentaren einen Kommentar, aufgrund dessen man Niggemeier abgemahnt hatte.

Spreeblick macht die Absurdität deutlich und wundert sich:

Überrascht? War ich auch, als ich vorhin die Antwort von Callactive Geschäftsführer Stephan Mayerbacher bekam, in der er mir bestätigte, dass die Kommentare tatsächlich aus seinem Haus stammten.

Genauso wie einige andere Blogger. Und ich wundere mich auch.

Ich freue mich ja, dass Callactive bei uns recherchefaulen Bloggern mal Stellung bezieht, aber warum wiederholen sie einen Kommentar, gegen dessen Verbreitung sie eigentlich vorgehen. Mir war durchaus bewusst, dass es sich um stärken Tobak handelt, und nicht irgendwelchen Firlefanz.

Zumindest müssen wir Beta-Blocker wohl keine Angst haben, abgemahnt zu werden, wenn bei uns in den Kommentaren jemand schreibt: Callactive finde ich doof.

RoundUp: Blogger im Rechtsstreit

Ein Beitrag zum Themengebiet Netzwelten, Politikum, Blogosphäre, geschrieben am 1. August 2007 von Thomas Arndt

Marc Doehler darf auf seinem kritischen Forum Call-In-Tv.de in Zukunft nicht mehr von “verwirrten Anrufern” sprechen oder diese Behauptung zulassen, insofern diese als Synonym für Fake-Anrufer verstanden werden kann. Das urteilte gestern das Oberlandesgericht München, wie Spiegel Online berichtet. Das Landgericht der Stadt hatte in erster Instanz noch zu Gunsten von Marc Doehler entschieden.

Sollte Doehler oder die Nutzer seines Forums dem zuwider handeln, müsste er bis zu 250.000 Euro Strafe zahlen, so Spiegel Online. Das Forum Call-In-TV.de ist wegen technischer Schwierigkeiten derzeit nicht erreichbar. (Nachtrag: Das Forum ist unter dieser URL zu erreichen) Im Blog von Stefan Niggemeier kündigt Doehler jedoch an, die Gewinnspielsendungen der Firma Call-Active auch weiter protokolieren zu wollen. Niggemeier selbst spricht von einem “vernichtenden Sieg gegen das Forum call-in-tv.de” und wie er sagen würde, “gegen die Meinungsfreiheit und den Verbraucherschutz”.

Der Chef der Firma Callactive, Stephan Mayerbacher, betont gegenüber Spiegel Online, man wolle nicht “Kritik an Call-In-Formaten im Fernsehen unterbinden” oder gar “call-in-tv.de mundtot machen”. Man sei nur “gegen schwer beleidigende Inhalte und gegen die unwahre Unterstellung vorgegangen, es gebe gefälschte Anrufe”. Die Echtheit der Anrufe ließe sich zudem über Verbindungsdaten belegen, die den Landesmedienanstalten vorlägen.

Auch gegen Stefan Niggemeier hat Callactive einen gerichtlichen Erfolg erzielt, wie dieser auf seinem Blog schreibt. Niggemeier hatte die Kritik an den Fernsehgewinnspielen verfolgt und selber dazu recherchiert. Im konkreten Fall geht es um eine einstweilige Verfügung gegen in zwei Kommentaren bei Niggemeier gemachte Aussagen.

Dazu schreibt Niggemeier:

Es scheint mir […] darauf hinauszulaufen, dass die deutschen Gerichte eine offene Debatte über zweifelhafte Geschäftspraktiken für gefährlicher halten als die Geschäftspraktiken selbst.

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Geschichte der Call-In-TV-Kritiker

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedrucktes, Mattscheibe, geschrieben am 3. Juli 2007 von Thomas Arndt

Zwerge

Wer sich für das Thema Call-In-TV und die Kritik an den Methoden der Veranstalter interessiert, dem sei das aktuelle Spiegel Sonderheft zum Web 2.0 nahegelegt. Auf vier Seiten beschreibt Spiegel Autor Jochen Bölsche die Geschichte von Marc Döhler, der es sich quasi zum Ziel gemacht hat, gegen die Methoden der Call-TV-Betreiber vorzugehen.
Beginnend Anfang 2006 beschreibt Bölsche wie Döhler das Forum Call-In-TV.de gründete und wie dort begonnen wurde das Programm der Sender mitzunschneiden: “Ins Netz gestellt, könnten die Videos Presse und Justiz, Behörder und Gesetzgeber gegen die Bauernfängerei mobilisieren.”
Bölsche beschreibt auch nochmal ausführlich die Methoden der Call-In-TV-Sendungen, und bezieht sich dabei offensichtlich zum großen Teil auf die Videomitschnitte aus Doehlers Forum. Mit dabei auch mein persönlicher Favorit zur Quizfrage “Tiere mit S” - der Stirnlappenbasilisk, den ich auchmal auf diesem Blog eingebettet habe. Im Gegensatz zur Saigon-Antilope oder dem Samtstirnkleiber hatte den aber damals offensichtlich wirklich jemand eraten.
Besonders nett, auch an 9Live-Liebling Max Schradin wird kein gutes Haar gelassen. Live auf Sendung droht er dem ihm damals nur als “Morc vom Orc” bekanntem Doehler juristische Konsequenzen an, unerlässt diese dann aber und macht sich On Air lieber über die “grünen Gnome” lustig.
Auch die aktuellen Pannen bei 9Live und die Kritik an den Landesmedienanstalten finden sich im Spiegel-Artikel wieder. Da sich der Spiegel-Artikel aber hauptsächlich auf 9Live konzentriert, fehlen Hinweise auf den zweiten deutschen Call-In-Betreiber Callactive, mit dem Marc Döhler schon mehrfach juristische Auseinandersetzungen hatte. Warum darauf nicht hingewiesen wurde, verstehe ich nicht. Immerhin macht es deutlich welche Konsequenzen es hat, sich mit Goliath anzulegen. Schließlich steht der Artikel unter dem Leitmotiv David (bzw. Zwerge, grüne Gnome) gegen Goliath.

Der Autor des Spiegel-Beitrags stellt sich ganz auf die Seite der Call-In-Tv-Kritiker, die Gegenseite kommt nicht zu Wort. Außer der vermutlich exklusiven Quelle des Medienwissenschaftlers Hans J. Kleinsteuber bezieht Bölsche seine Informationen wahrscheinlich hauptsächlich aus dem Internet, Fernsehen oder von Doehler selbst. Dennoch ist der Artikel unterhaltsam und lesenswert und fast die Thematik wunderbar zusammen.

Inhalt des Spiegel Specials

Schwerpunkt Call-In-TV auf Medienblogger

Etappensieg für kritisches Call-In-TV-Forum

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, geschrieben am 28. Juni 2007 von Thomas Arndt

Marc Doehler, Betreiber des Internetforums call-in-tv.de und eines dazugehörigen Weblogs, darf möglicherweise weiterhin den Begriff “verwirrte Anrufer” für Anrufer bei TV- Gewinnspielsendungen des Veranstalters Callactive (ähnlich 9Live) verwenden. Callactive hatte den Marc Doehler zunächst abgemahnt und dann, nachdem Doehler die Abmahnung zurückwies, eine einstweilige Verfügung beim Landgericht München beantragt (AZ 20 O 10511/07). Das Landgericht München wies diesen Antrag jetzt zurück. Callactive kann allerdings noch Rechtsmittel einlegen. Das geht aus einer Pressemitteilung von Doehler hervor (im Original bei blogmedien).

Hintergrund der Geschichte ist, dass auf Doehlers Seiten behauptet wurde, die Firma Callactive würde in ihren Gewinnsendungen “Fake- bzw. Scheinanrufe” platzieren, um Teilnehmer zum Mitmachen zu animieren. Nach einer Abmahnung richtete Doehler eine Wortsperre ein, die die beiden Begriffe durch “verwirrte Anrufer” automatisch ersetzt. Callactive ist der Auffassung, dass es sich hierbei um ein Synonym handelt, dass von jedem im Sinne von “Fake- Und Scheinanrufern” verstanden würde. Dies sei für die Firma Callactive existenzbedrohend, gibt Blogger Stefan Niggemeier die Argumentation der Anwälte von Callactive wieder.

Das Landgericht München ist allerdings anderer Aufassung, was die “verwirrten Anrufer” betrifft:

Unter der Formulierung ‚verwirrte Anrufer’ sind nach objektivem Verständnis solche Anrufer zu verstehen, die sofort auflegen oder plötzlich keinen Ton herausbringen. Dies kommt gerichtsbekannt im Rahmen der Sendungen der Antragstellerin auch vor. […] Es handelt sich lediglich um die objektive Beschreibung der Tatsache, dass zahllose Anrufer sich als Blindgänger entpuppen. […] Dem Antragsgegner muss es möglich sein, sein kritisches weblog aufrechtzuerhalten. Dies wäre ihm jedoch verwehrt, wenn man ihm jede Formulierung untersagen würde, aus der Nutzer, die seine Seite schon vorher kannten, möglicherweise den Schluss ziehen könnten, er wolle damit sagen, bei den Sendungen der Klägerin gebe es unter Umständen ‚Fake’-Anrufer.

Unabhängig davon befindet sich Marc Doehler weiterhin in einem anderen Rechtsstreit mit Callactive. Neben den verwirten Anrufern waren auch die “Fake- und Scheinanrufer” in Doehlers Forum trotz Unterlassungserklärung aufgetaucht. Bei diesem Verfahren (LG Berlin, Az. 27 O 500/07) geht es um einen Streitwert von insgesamt 20.693,70 Euro. “Eine Entscheidung in der Vertragsstrafensache dürfte nicht vor Ende des Jahres fallen”, teilte Doehlers Rechtsanwalt Frank Metzing auf Anfrage von Medienblogger mit.

Callactive verklagt Kritiker auf 20.000 Euro

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, geschrieben am 13. Juni 2007 von Thomas Arndt

Die Firma Callactive, die für die TV Sender VIVA, Nick und Comedy-Central Gewinnspielformate (ähnlich 9Live) produziert, geht schon seit einiger Zeit gegen ihre Kritiker vor. Näheres dazu, zu ihrem Geschäftsführer Stephan Mayerbacher und seiner vermeintlichen Strategie findet sich bei Stefan Niggemeier hier und hier.

Jetzt verklagt Callactive Marc Döhler, den Betreiber des Internetforums Call-in-TV.de. Das geht aus einer Pressemitteilung des Forums vom heutigen Tage hervor. Hintergrund: Marc Döhler musste sich im Februar diesen Jahres nach einem anderen Rechtsstreit verpflichten, dass nichtmehr die Tatsachenbehauptung, es würden “Fake- bzw. Schein-Anrufe platziert, um Teilnehmer zum Mitmachen zu animieren” aufgestellt wird. Callactive sieht nun mehrfache Verstöße gegen diese Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung und klagt. Der Streitwert beträgt 20.693,70 Euro.

Das Forum von Marc Döhler wurde neuerlich erst wieder dadurch bekannt, dass sie einen 9Live belastenden TV-Ausschnitt an die Öffentlichkeit brachten. Das ARD-Magazin Plusminus etwa griff diesen Vorfall auf. Die zuständige Landesmedienanstalt setzte eine 48-Stunden-Frist an 9Live. Es folgten verwirrende Pressemitteilungen von 9Live, als auch von Callactive zum Thema Hot Button. Beide Gewinnspielbetreiber stehen hart in der Kritik. (Mehr zum Thema Call-in-TV hier auf diesem Blog)

“Wenn die Klage Erfolg hätte, wäre ich finanziell ruiniert und ein kritisches Forum mundtot gemacht. Das dürfte auch der mit der Klage verfolgte Zweck sein”, kommentiert Marc Döhler. Sein Anwalt Frank Metzing spitzt es noch etwas zu: “Das wäre das Ende der Meinungsfreiheit im Internet.”

Weiteres dazu auf dem Blog des Forums: Call-in-TV-Blogbeitrag mit Diskussionsmöglichkeit. (Hier erstmal keine Kommentare. Hat sicher einen Grund, warum es bei Stefan Niggemeier auch nicht geht, der kennt sich da sicher besser aus als ich).

Nachtrag 14.06.07: Der Website Sat+Kabel liegt seit heute eine Stellungnahme von Callactive-Geschäftsführer Stephan Mayerbacher vor. Mayerbacher schreibt Sat-Kabel zufolge darin, dass er mit der Klage nicht gegen unsachliche oder polemische Kritik vorgehen will, diese würde hingenommen. Vielmehr sei es nicht gelungenen, zusammen mit Marc Doehler eine Lösung hinsichtlich der Behauptung der “Schein-Anrufe” zu finden. Zu diesem Thema stellt heute auch nochmal Stefan Niggemeier einige Gedanken nach einer TV-Nacht mit dem “Money-Express” an. Marc Doehler hat derweil auf seinem Portal zu Spenden aufgerufen.

Zur genaueren Einschätzung der rechtlichen Problematik empfiehlt sich auch der entsprechende Artikel auf DWDL.

Callactive fairer als 9Live?

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, geschrieben am 29. Mai 2007 von Thomas Arndt

In einer Pressemitteilung äußert sich die Callactive GmbH zum Thema Hot Button und schreibt genau das Gegenteil von dem, was 9Live schreibt. Damit versucht Callactive sich offenbar glaubwürdiger darzustellen als die Konkurrenz. Ein schlauer Schachzug. Call Aktive produziert ebenfalls Liveformate, eben auch die bekannten Telefongewinnspiele, etwa für Viva Comedy Central, Nick und andere.

Aber von vorn: Schauen wir nochmal auf die Argumentation von 9Live, die ich hier beschrieben hatte: De Facto hat 9Live mehr oder weniger zugegeben, dass ein Redakteur Einfluss auf den Punkt hat, an dem der Hot Button zuschlägt, allerdings: Auch Anrufer, die vorher angerufen haben, bekommen eine Chance. Stefan Niggemeier hat das so beschrieben:

Auf diese Weise würde ein Redakteur zwar ganz alleine entscheiden, ob zum Beispiel drei Stunden lang niemand durchgestellt wird. Aber wenn nach drei Stunden jemand durchgestellt wird, könnte es auch jemand sein, der schon zwei Stunden früher angerufen hatte.

Callactive schreibt nun, der Redakteur habe bei ihren Gewinnspielen keinen Einfluss auf den Zeitpunkt, zu dem der Hot Button zuschlägt:

Der Hot-Button Mechanismus wählt zu einem beliebigen Zeitpunkt während der aktuellen Runde und bei einem beliebigen Anrufer ohne Beeinflussung durch den Redakteur oder einer anderen Person einen Anrufer aus

und weiter:

Dieser vom System ermittelte Zeitpunkt wird zu keiner Zeit dem Redakteur,Moderator oder einer anderen Person bekannt gemacht

Klingt schonmal besser als die Geschichte von 9Live. Allerdings: Auch an Callactive gibt es immer wieder Kritik.

Nachtrag 31.05.07: In einem Blogbeitrag Stefan Niggemeiers ist gleich eine ganze Reihe an Informationen über den Geschäftsführer von Callactive, Stephan Mayerbacher, zu lesen. Unter anderem von vermeintlichen Einschüchterungsversuchen gegenüber einem möglichen Mitglied des Forums Call-in-TV. Außerdem macht Niggemeier transparent, auf welcher Art und Weise Mayerbacher auf journalistische Anfragen nicht nur von Blogseite reagiert (Niggemeier schreibt einen entsprechenden Beitrag für die FAZ).