Neuer Streit um Klimalüge

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedrucktes, Politikum, geschrieben am 5. September 2007 von Thomas Arndt

Die Debatte um den Klimawandel geht in die nächste Runde. Die FAZ reagiert mit einem umfangreichen Artikel mehrerer prominenter Autoren auf die sogenannten “Endsiegwünsche in der Klimafrage” eines prominenten Klimaforschers: Christian Bartsch (Uni Tübingen), Günter Ederer (Wirtschafstsjournalist), Matthias Horx (Zukunftsforscher), Wolf Lotter (Brand Eins, Wirtschaftsmagazin), Dirk Maxeiner (Journalist), Josef Reichholf (Ökologe) und Wolfram Weimer (Chefredakteur Cicero) schreiben in der FAZ und auf dem Blog “Die Achse des Guten” quasi ein Manifest der Wirtschaftslobbyisten unter dem Deckmantel journalistischer Aufklärung.

Der betreffende Artikel ist der Versuch Stefan Ramsdorf komplett zu diskreditieren und seine Motive und seine Arbeit in Frage zu stellen. Er wird als eitler Glaubenskrieger bezeichnet, der schwarze Listen mit ungenehmen Journalisten führt, Chefredakteure und Herausgeber unter Druck setzt, Zitate aus dem Zusammenhang reist usw. .

Mehr noch: Eine ganze Abhandlung mit Richtigstellungen haben die FAZ-Autoren ins Internet gestellt, bei denen man sich unweigerlich an die “66 Questions an Answers on the Holocaust” des rechtsradikalen amerikanischen Stormfront-Netzwerkes oder ähnlicher Publikationen erinnert.

Es ist dieses merkwürdig verdächtige Bemühen mit aller Macht und Argumentation nicht nur einen möglicherweise durchaus fanatischen oder eitlen Wissenschaftler zu kritisieren, unter dem Deckmantel Licht in die Sache bringen zu wollen (”Wir sind ganz normale Bürger, die den Wandel von Technologien weg von den fossilen Energien am liebsten beschleunigen wollen, die verbrauchsgünstige Autos fahren, die versuchen, sich ein objektives Bild zu machen und ihren Teil zu einer Energiewende beitragen.”) Und das mit einer Gewaltigkeit, die unweigerlich nach der Motivation jener FAZ-Autoren fragen lässt? Ist es die geradezu springerische Allmachtsfantasie einen Paradigmenwechsel in der Welt(klima)politik herbeiführen zu wollen?

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Die Medien und die Tour

Ein Beitrag zum Themengebiet Medienrauschen, geschrieben am 7. Juli 2007 von Thomas Arndt

Racing

Die Netzeitung, die ihre Berichterstattung über die Tour de France “auf ein Minimum begrenzen” will, hat einmal geschaut, wie die Medien mit der Tour de France umgehen. Und das sind die Ergebnisse:

  • In der Berliner Zeitung wird es keine klassische Berichterstattung über die Tour geben, sondern nur eine tägliche Kolumne zum Thema “Die Tour und die Drogen, der Radsport und die organisierte Kriminalität”.
  • Die Süddeutsche Zeitung habe in Betracht gezogen, die Tour zu ignorieren, schickt aber doch einen Reporter nach Frankreich.
  • Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und das öffentlich-rechtliche Fernsehen werden wie gewohnt über die Tour berichten. Im Falle des ZDF habe sich Intendant Markus Schächter gegenüber dem Fernseh-Rat durchgesetzt, der erwogen habe, die Tour nicht zu übertragen, schreibt die Netzeitung unter Bezug auf die “Bild”.
  • Tatsächlich scheinen nur die wenigsten Medien, die Tour de France mit weniger Aufmerksamkeit bedenken zu wollen. Das öffentliche Interesse ist wahrscheinlich gerade durch die Doping-Skandale besonders groß. Getreu dem Motto schlechte PR ist auch PR. Doch das ist grenzwertig. Sollten sich auf Tour de France erneut Doping-Fälle häufen, könnte sich das Ganze letztlich doch in einen zukünftigen Medien-Boykott verwandeln.

    Foto: Spencer Ritenour

    DSDS-Chaos: Und alle machen mit

    Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, geschrieben am 27. April 2007 von Thomas Arndt

    Das Thema Deutschland sucht den Superstar (Dsds) bestimmt trotz sinkender Quoten seit Wochen die Medien. Das mehr oder weniger freiwillige Ausscheiden des Kandidaten Max Buskohl hat den Hype nun noch einmal ein Stück verstärkt. Nicht zuletzt, weil ProSieben-Entertainer Stefan Raab, so wie gestern (siehe Bild-Zitat der Bild.de-Schlagzeile) schwere Geschütze auffährt, um, selbst von schlechten Quoten geplagt, Gewinn aus der Sache zu ziehen.
    Raab will den gechassten Superstar in seiner Show haben - und im Gegensatz zu RTL, dürfte Buskohl auch mit seiner Band Empty Trash auftreten. Gestern Abend verglich Raab das Auftrittsverbot für Max bei zum Beispiel TV Total mit der Geiselhaft, in der sich 1977 der später ermordete Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer bei der Roten Armee Fraktion (Raf) befand:

    Tatsächlich sind es nicht nur die üblichen Verdächtigen, wie etwa die Bild-Zeitung, die dererlei inszenierten Skandalen viel Raum in ihren Medien bieten. So schreibt die Sueddeutsche am Mittwoch ausführlich darüber, das bei DSDS junge Sänger verheizt werden, und Michael Hanfeld von Faz.net empört sich über Raabs geschmacklosen Raf-Vergleich. Google News findet 387 Artikel zu Max Buskohl und Dsds. Zum Thema Irak-Abzug der USA sind es übrigens knapp 200.
    Sollte Stefan Raab sein Drohung wahr machen, und am Samstag das Halbfinale von Dsds mit einer Demonstration stürmen, dann könnte am Ende RTL und Raab zusammen die Gewinner sein: weil das bedeutend interessanter ist als der Gesangswettbewerb und Telefonvotings. Wahrscheinlicher aber ist, dass RTL Raab die kalte Schulter zeigt. Sowohl RTL, als auch Plattenlabel BMG finden Künstlerklau mit Sicherheit weniger lustig, als die Zuschauer von TV Total.
    Viel interessanter ist aber eigentlich die Frage: Ist das alles noch geplant und inszeniert? Skandale schließlich sind seit jeher Teil des Pop-Idol-Formats. Oder sind die RTL-Strategen selbst von der Situation und der Medien-Resonanz überrascht?