Greenpeace und die gelungene PR

Ein Beitrag zum Themengebiet Medienrauschen, Politikum, geschrieben am 8. Juni 2007 von Thomas Arndt
“Uns ergeht es nun genauso wie Tausenden anderen Demonstranten”, sagt Jörg Feddern, Klimaschutzexperte von Greenpeace. “Wir lehnen diese Kriminalisierung gewaltfreier Demonstrationen ab. Gewählte Regierungen müssen der Kritik ihrer Bürger ins Gesicht sehen. Also sind wir hier an der richtigen Stelle.”

So kommentierte Greenpeace gestern ihre Aktion beim G8-Gipfel. Mit 11 Schlauchboten und 24 Aktivisten war Greenpeace über See in die Speerzone des G8-Gipfels eingedrungen. Es war die Top-Story des zweiten Gipfeltags.

Die Aktion von Greenpeace war in meinen Augen nicht mehr als eine gelungene PR-Aktion. Bei aller Freude darüber, dass es einer geschafft hat, die Barriere so spektakulär zu überwinden, sollte nicht vergessen werden, dass Greenpeace nicht die Interessen der Entwicklungsländer vertritt. Ein Thema, um das es vielen Demonstranten geht. Greenpeace vertritt allenfalls Partikularinteressen, die sich hauptsächlich aus der Sichtweise eines Teils der Bevölkerung der Industriestaaten speisen.

Und vielerorts, wo Globale Umweltpolitik gemacht wird, sitzt Greenpeace schon längst mit am Tisch, wird zunehmend Teil des Systems, das Umweltpolitik weltweit zu lenken versucht. Und das ist auch gut so.

Sich allerdings mit tausenden Demonstranten und ihren vielfältigen Wünschen und Zielen, gar ihrer Situation auf eine Stufe zu stellen, ist Heuchelei.

Wie bereitwillig die Medien auf eine solche weitestgehend inhaltsfreie PR-Aktion von Greenpeace anspringen, sagt viel darüber aus, welche Inhalte rund um den G8-Gipfel als nachrichtenwertig empfunden werden. Vielleicht sollte man mehr Zeit damit verbringen, zu diskutieren, ob Angela Merkels selbsternannter Durchbruch in der Klimapolitik denn wirklich einer ist, als lustige Verfolgungsjagden auf hoher See im Miami Vice-Stil zu zeigen. Ein Anliegen übrigens, was auch Greenpeace glücklich machen würde.

Die Medien und der Protest (2)

Ein Beitrag zum Themengebiet Medienrauschen, Politikum, geschrieben am 7. Juni 2007 von Thomas Arndt

Das Thema der Reduzierung des Protests gegen den G8-Gipfel auf friedliche Demonstranten und den gewalttätigen Schwarzen Block, beschäftigt auch die Kommentatoren der politisch tendenziellen Presse. Während Spiegel TV immerhin einen sehr unterhaltsamen Bericht über die vermeintlich außergewöhnlich schlimmen Proteste in Rostock am Wochenende gemacht hat, stellen sich die meisten Reporter der großen Nachrichtensender sehr gerne vornehmlich neben die bunt kostümierten Demonstranten Partybesucher und rufen Seite an Seite mit den Politikern im Chor: “Das ist der Protest den wir uns wünschen!”

Raul Zelik von der Jungen Welt schreibt dazu in einem offenen Brief an Peter Wahl von Attac:

Ich werde deshalb nicht mit einstimmen in den Chor der Distanzierungen, die für mich etwas Heuchlerisches haben, weil sie sich – bewußt oder unbewußt – auf die Seite der Macht schlagen, die, das sollten wir nicht vergessen, immer auch die Anwendung der Gewalt in sich trägt.

Heuchlerisch vor allem deswegen:

Doch das, was Ihr in den Medien vertreten habt, war, wie ich finde, eben keine Position gegen die Gewalt. […] Über prügelnde, vermummte Polizisten fiel der Satz eben nicht: »Mit solchen Leuten haben wir nichts gemeinsam, wir wollen sie nicht mehr sehen.«

Dieter Stein von der Jungen Freiheit zieht ganz andere Schlüsse aus der Geschichte:

Und es ist unbestreitbar, daß sich biedermännisch gebende Teile des dominierenden linken G8-Protests bei allem Entschuldigungsgestammel sehr wohl vom gewalttätigen Flügel profitieren. Erst der Krawall, der gewaltsame Angriff auf die Staatsmacht symbolisiert die Potenz der Protestbewegung.

Solcherlei Polemisierung der politisch tendenziellen Blätter wäre zu vernachlässigen, wenn die anderen Medien nicht den Fehler begehen würden, den Protest zu vereinfachen. Es waren immer die gewaltätigen Aktionen von beiden Seiten und/oder jene, welche die Grenzen des Legalen bewusst Überschritten haben und damit der Staatsgewalt entgegengetreten sind und sich nicht innerhalb des “erwünschten” Spektrums bunt bemalt auf Wiesen herumgekullert haben, die im Gedächtnis geblieben sind. Das ist Teil der Geschichte des nachhaltigen Protests überall auf der Welt.

Das bedeutet freilich nicht, dass man Steine auf Polizisten werfen soll, oder sonstwas. Aber der Protest gegen die Politik der Industriestaaten ist eben keine Gewerkschaftsdemo.

G8-Gipfel: Blogliste

Ein Beitrag zum Themengebiet Politikum, Blogosphäre, geschrieben am 2. Juni 2007 von Thomas Arndt

Vom G8-Gipfel, der vom 6. bis zum 8. Juni 2007 im Kempinski Grand Hotel Heiligendamm in Mecklenburg-Vorpommern stattfinden wird, werden auch viele Blogger berichten. Für alle Interessierten stelle ich mal eine Liste zusammen. Wer weitere Blogs kennt, die aus oder über Heiligendamm berichten, kann sie gerne in den Kommentaren nennen:

Spree8

Gipfelblog

G8 Video Blog

ZDF G8-Blog

G8 Blog des Informationsbriefs Weltwirtschaft & Entwicklung/H.Böll-Stiftung

Attac G8 Blog

G8-TV (englisch)

G8-Fotoblog (Zeit Online)