GEZ schlägt fies zu

Ein Beitrag zum Themengebiet Netzwelten, Medienrauschen, Blogosphäre, geschrieben am 24. August 2007 von Thomas Arndt

Die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) ist in Deutschland etwa so beliebt wie ein Furunkel am Arsch. Und das obwohl sie eigentlich für etwas Gutes stehen sollte: Medien- und Meinungsvielfalt. Sollte, wohlgemerkt. Und jetzt fängt das Furunkel auch noch an zu eitern:

Das Internetportal akademie.de wurde von der Gemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten über die Rechtsabteilung der GEZ abgemahnt, wie das Portal heute selbst berichtet. Es geht um die Verwendung von Begriffen, wie etwa “GEZ-Gebühr” und vielen anderen, die angeblich nur dazu gedacht sein, “ein negatives Image der GEZ hervorzurufen”. Jede weitere Verwendung des Begriffs würde 5.100 Euro kosten.

Eine genaue Übersicht über die Begriffe findet sich auf dem Portal selbst oder auch auf Spiegel Online.

Überall ist man heute wegen der peinlichen und fiesen Aktion der GEZ verwundert und wütend:

Jens Scholz schreibt:

Zumindest spielt die GEZ hier ihrem miesen Image und dem Klischee als hinterfotzige Denunziantenpest voll in die Hand und man hat seiner vorgeblichen Intention, dagegen vorzugehen, daß jemand mit der “Nutzung nicht existenter Begriffe (…) ein negatives Image der GEZ hervorzurufen” imstande sei, einen Bärendienst erwiesen.

Thomas Knüwer schimpft:

Sie ist eine Peinlichket im Rahmen des deutschen Mediensystems, ein Schandfleck, über dessen weiträumige Neustrukturierung dringend nachgedacht werden muss.

off the record hat mal geschaut, wie oft im eigenen Haus bestimmte Begriffe verwendet werden:

Man hätte ja auch im eigenen Hause kehren können: ARD: 50 Treffer zu GEZ-Gebühr, ZDF: 3 Treffer. Und so weiter. Und nu?

Und das CIO-Weblog schaut über den Tellerrand:

Dieses saudumme Verhalten hat nicht nur den zu erwartenden “Blogstorm” hervorgerufen, sondern sogar die sonst eher etwas behäbigen Journalistenverbände zu einem Protest gegen die verordnete Sprachregelung veranlasst.

Ich glaube, die GEZ tut sich selbst und ihrem schlechten Image keinen Gefallen wenn sie mit solchen harten Maßnahmen Unschuldige abmahnt. Statt dessen werden die beanstandeten Wörter im Internet weiterverbreitet und der Hass auf die GEZ wächst.

Heino sauer auf ZDF

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Medienrauschen, geschrieben am 31. Juli 2007 von Thomas Arndt

Der glubschäugige Volksmusikbarde Heino hat alle Fans der Volksmusik, so sie denn noch die Buchstaben der Bild-Zeitung lesen können, dazu aufgerufen, aus Protest gegen eine Programm-Entscheidung des ZDF einen Euro ihrer GEZ-Gebühr einzubehalten.

Das ZDF hatte die Lieblingssendung seniler Tattergreise “Die lustigen Musikanten” nach 38 Jahren aus dem Programm gestrichen, offenbahr trotz guter Quoten (sämtliche Altenheime dieser Republik schauen zu), aber leider nicht mit der gewünschten Zielgruppe.

Spiegel Online zufolge ist nicht nur Heino darüber erbost, sondern auch Wilfried Gliem von den Wildecker Speckschwarten Herzbuben. “Es ist eine Schweinerei, dass das ZDF alleine entscheidet, was die Zuschauer sehen wollen. Nur weil irgendwelche Marktforschungserhebungen ergeben, dass das Publikum, das Volksmusik mag, nicht in die werberelevante Gruppe fällt - das mag ja auch so sein, aber die zahlen doch auch die Gebühren! Es ist nicht zu begreifen, was die Sender für Entscheidungen fällen, die Einschaltquoten belegen doch, dass Volksmusiksendungen gern gesehen werden”, sagte Kliem dem Online-Magazin.

Ich werde ebenfalls 1 Euro der GEZ-Gebühr einbehalten, weil Werder Bremen nicht den Liga Pokal gewonnen hat. Der lief zwar auf RTL, aber ich wette, wenn das ZDF ihn übertragen hätte, wäre Bremen zumindest ins Finale gekommen.

Brüssel: Rundfunkgebühren dürfen bleiben

Ein Beitrag zum Themengebiet Politikum, geschrieben am 25. April 2007 von Thomas Arndt

GEZ

Jetzt ist er beigelegt, der jahrelange Streit zwischen EU-Kommission und Bundesregierung um die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Gestern stellte die EU-Kommission nach mehr als zwei Jahren das Verfahren gegen die Bundesregierung wegen unzulässiger Beihilfen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein.
Ergebnis: ARD und ZDF müssen in Zukunft ihre Finanzen transparenter machen. Öffentlich-rechtlicher Auftrag und kommerzielle Tätigkeiten sollen damit schärfer getrennt werden. Bereits im Dezember hatten die Bundesländer einen Kompromiss hinsichtlich eines neuen Rundfunkstaatsvertrag erzielt, was in Brüssel auf Genugtuung stieß.
Die privaten Rundfunksender hatten sich in Brüssel darüber beschwert, dass ARD und ZDF die Gebühren auch für kommerzielle Zwecke nutzen. Die Befürchtung: ARD und ZDF wollen dem Privatfunk in bestimmten Bereichen Konkurrenz machen, wo sie ja eigentlich nichts zu suchen hätten. Schließlich sei ihre Hauptaufgabe die Grundversorgung. Dennoch konnten sich die privaten Rundfunksender mit ihrer Forderung nach geringeren GEZ-Gebühren nicht durchsetzen.