9Live und der Hot Button: Eine unendliche Geschichte

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, geschrieben am 24. Mai 2007 von Thomas Arndt

Kaum das Aktuellste zu 9Live gebloggt, trudelt die sehr sehr lange Pressemitteilung von 9Live zum Thema Hotbutton, Gewinnchancen und bayerische Medienwächter ein.

Im Folgenden sollen die Grundpunkte des Verfahrens und der Argumentation von 9Live (die sehr sehr clever ist) dargestellt werden und nochmal auf die eigentlich Problematik und das Versäumnis der Landesmedienanstalten eingegangen werden:

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Bayerische Medienwächter instrumentalisieren 9Live-Skandal

Ein Beitrag zum Themengebiet Politikum, geschrieben am 24. Mai 2007 von Thomas Arndt

Das haben die Medienwächter der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) ja geschickt eingefädelt: Nachdem Aufsehen erregenden 48-Stunden-Ultimatum an 9Live (wie berichtet) heißt die aktuelle Mitteilung der BLM in die Umgangssprache übersetzt, etwa folgendes:

“Wie ihr alle wisst, können wir gegen die “Betrügereien” bei 9Live auch nichts machen. Aber hey liebe Politiker, gebt uns einfach mehr Macht, dann kümmern wir uns bestimmt mal drum.”

Im Klartext will die BLM folgendes:

  • Weiterentwicklung der Regeln
  • mehr aufsichtsrechtliche Befugnisse für sich selbst
  • Aufnahme von Verstößen in die Bußgeldtatbestände
  • Ich mache mal einen Gegenvorschlag: Wie wäre es stattdessen mit einer (statt 14) zentralen Aufsichtsbehörde für die privaten Rundfunkveranstalter. Mit den entsprechenden Rechten ausgestattet könnte diese Institution dann auch gegen eventuelle Betrügereien bei 9Live vorgehen.

    Bemerkenswert ist auch folgender Teil der BLM-Mitteilung:

    muss die Landeszentrale davon ausgehen, dass der Redakteur die Entscheidung über die Aktivierung des Zufallsmechanismus eigenverantwortlich getroffen hat und insoweit kein Verstoß gegen die Gewinnspielrichtlinien vorliegt.

    Der Hot-Button ist in dem beanstandeten Video mit Alida Lauenstein ja bereits aktiv. Was genau soll also die “eigenverantwortliche Aktivierung des Zufallsmechanismus sein”? Der Zufall wird durch Zufall bestimmt und nicht durch eine Moderatorin und auch nicht durch einen Redakteur.

    Und diese Medienwächter, die offensichtlich ihre eigenen Richtlinien nicht verstanden haben, fordern auch noch mehr Befugnisse? Lieber nicht meine Herren.

    9Live tappt in die Falle

    Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, geschrieben am 17. Mai 2007 von Thomas Arndt

    Den Mitgliedern des Forums call-in-tv.de ist es wohl zu verdanken, dass weitere Beweise für ein nicht den Regeln der Landesmedienanstalten entsprechendes Verfahren bei den Fernsehgewinnspielen von 9Live ans Tageslicht kommen. Manch einer mag in diesem Zusammenhang auch von Betrug reden. Erst vor kurzem hatte ich über die ironisch wirkende Weise berichtet, mit der 9Live von transparentem und fairem Call-TV spricht.

    Durch das unermüdliche Aufzeichnen und Auswerten des 9Live-Programms sind jetzt zwei Aufnahmen herausgefiltert wurden, in denen die Moderatoren im Gespräch mit der Redaktion oder Regie zu hören sind.

    So hört man Moderatorin Alida Lauenstein offensichtlich durch einen Fehler in der Tonregie unabsichtlich sagen (zitiert nach DWDL):

    …noch ein bisschen mitzunehmen. Lasst das doch Max übernehmen. Bei solchen Peaks, schlagt doch später zu.

    Dabei bedeutet Peak wohl die Anzahl der Anrufer, Max ist der Modertor der kommenden Sendung. Damit liegt nun offenbahr ein Beweis für das vor, was Medienjournalist und Blogger Stefan Niggemeier und andere Kritiker von 9Live seit geraumer Zeit zu beweisen suchen: Der sogenannte “Hot-Button” schlägt nicht dann zu, wenn es der Zufall will, sondern wenn jemand bei 9Live entscheidet, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, etwa weil die Zahl der Anrufer rückläufig ist.

    Die vollständige Geschichte inklusive Videobeweis findet sich bei DWDL. Auch Stefan Niggemeier, der ja unter anderem für seine Kritik an 9Live für den Grimme Online Award nominiert ist, fasst den kompletten Skandal nochmal gut zusammen.

    [via turi2]