Die Medien und der Protest (2)

Ein Beitrag zum Themengebiet Medienrauschen, Politikum, geschrieben am 7. Juni 2007 von Thomas Arndt

Das Thema der Reduzierung des Protests gegen den G8-Gipfel auf friedliche Demonstranten und den gewalttätigen Schwarzen Block, beschäftigt auch die Kommentatoren der politisch tendenziellen Presse. Während Spiegel TV immerhin einen sehr unterhaltsamen Bericht über die vermeintlich außergewöhnlich schlimmen Proteste in Rostock am Wochenende gemacht hat, stellen sich die meisten Reporter der großen Nachrichtensender sehr gerne vornehmlich neben die bunt kostümierten Demonstranten Partybesucher und rufen Seite an Seite mit den Politikern im Chor: “Das ist der Protest den wir uns wünschen!”

Raul Zelik von der Jungen Welt schreibt dazu in einem offenen Brief an Peter Wahl von Attac:

Ich werde deshalb nicht mit einstimmen in den Chor der Distanzierungen, die für mich etwas Heuchlerisches haben, weil sie sich – bewußt oder unbewußt – auf die Seite der Macht schlagen, die, das sollten wir nicht vergessen, immer auch die Anwendung der Gewalt in sich trägt.

Heuchlerisch vor allem deswegen:

Doch das, was Ihr in den Medien vertreten habt, war, wie ich finde, eben keine Position gegen die Gewalt. […] Über prügelnde, vermummte Polizisten fiel der Satz eben nicht: »Mit solchen Leuten haben wir nichts gemeinsam, wir wollen sie nicht mehr sehen.«

Dieter Stein von der Jungen Freiheit zieht ganz andere Schlüsse aus der Geschichte:

Und es ist unbestreitbar, daß sich biedermännisch gebende Teile des dominierenden linken G8-Protests bei allem Entschuldigungsgestammel sehr wohl vom gewalttätigen Flügel profitieren. Erst der Krawall, der gewaltsame Angriff auf die Staatsmacht symbolisiert die Potenz der Protestbewegung.

Solcherlei Polemisierung der politisch tendenziellen Blätter wäre zu vernachlässigen, wenn die anderen Medien nicht den Fehler begehen würden, den Protest zu vereinfachen. Es waren immer die gewaltätigen Aktionen von beiden Seiten und/oder jene, welche die Grenzen des Legalen bewusst Überschritten haben und damit der Staatsgewalt entgegengetreten sind und sich nicht innerhalb des “erwünschten” Spektrums bunt bemalt auf Wiesen herumgekullert haben, die im Gedächtnis geblieben sind. Das ist Teil der Geschichte des nachhaltigen Protests überall auf der Welt.

Das bedeutet freilich nicht, dass man Steine auf Polizisten werfen soll, oder sonstwas. Aber der Protest gegen die Politik der Industriestaaten ist eben keine Gewerkschaftsdemo.