Die lieben Anzeigenkunden

Ein Beitrag zum Themengebiet Gedrucktes, geschrieben am 26. Juni 2007 von Thomas Arndt

In einem Beitrag berichtete das ZDF-Magazin frontal 21 am Dienstag über den zunehmenden Einfluss der Anzeigenkunden auf die redaktionellen Inhalte von lokalen Tageszeitungen.
Moderator Theo Knoll ließ sich die Chance nicht nehmen in der Anmoderation des Beitrags ein paar Lobeshymnen auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, seine vermeintliche Unabhängigkeit und seine Recherche-Qualitäten zu singen. Geschenkt.

Viel neues gab es im Beitrag dann nicht. Das Problem ist ohnehin seit Jahren aktuell. Viele Beispiele aus dem Film kamen mir seltsam bekannt vor. So meinte mal ein Redaktionsleiter sinngemäß zu mir: “Diesen Sommer haben wir ja einen richtigen Reiseboom, damit machen wir morgen auf. Ruf doch mal ein paar Reisebüros an, was die dazu meinen, am besten die Anzeigenkunden.” Und vor kurzem diskutierte ich mit einem lokalen Unternehmer über einen Artikel einer Kollegin, welcher dem Herren so gar nicht gefallen hatte. Verständnis für Freiheit der Presse gab es da keine. Statt dessen solle man sich doch lieber gut stellen mit dem, der seine Brötchen (Anzeigen) bezahlt, hörte ich aus dem Gespräch heraus. Und oftmals gehen Redaktion auf solche Drohungen ein.

Während junge oder freie Journalisten (so wie ich etwa) zum Teil die Wahl haben, nicht auf solche Drohungen zu hören oder auch mal auf Konfrontation mit dem Redakteur zu gehen, der in Gedanken schon einen wohlwollenden Artikel ins Blatt hebt, ändert sich die Sache schnell, wenn man irgendwann fest angestellt ist. Teilweise schon betriebsblind, um den eigenen Arbeitsplatz fürchtend oder einfach ernüchtert heben viele Lokalredakteure heutzutage Artikel ins Blatt, die früher im Mülleimer gelandet wären. Solcherlei Prinzipientreue kann sich heutzutage kaum eine Redaktion leisten. Irgendwie kriegt man es als erfahrener Redakteur zur Not ja auch so hin, dass es nicht ganz so arg nach PR aussieht. Zur Not wird in Kooperation mit dem Anzeigenleiter eine publizistische Bedeutung der Eröffnung des neuen Einkaufszentrums heraufbeschworen.

Die Lokalzeitungen, von den großen Verlagen wie etwa Holtzbrinck zu Gunsten der “Premiumprodukte” ohnehin stiefmütterlich behandelt, schauffeln dabei an ihrem eignen Grab mit. Und man kann es den Akteuren oftmals nichtmal zum Vorwurf machen. Vielerorts wird noch das Beste aus der Situation gemacht. Eine Zeitung die ihren Nachrichtenwert zum großen Teil aus den PR-Abteilungen und von ihren Anzeigenkunden bezieht, wird irgendwann nicht mehr lesenswert sein. Dann ist es endgültig aus mit dem lokalen Qualitätsjournalismus. Und den braucht es ebenso wie Die Zeit, Cicero oder den Spiegel.

Die größten Feinde der Pressefreiheit

Ein Beitrag zum Themengebiet Politikum, geschrieben am 3. Mai 2007 von Thomas Arndt

Reporter ohne Grenzen hat heute nicht nur eine Gedenkstätte für Journalisten, die während der Ausübung ihres Berufes getötet wurden, präsentiert (wie berichtet), sondern auch die alljährliche Liste mit den 34 größten Feinden der Pressefreiheit. Darunter hauptsächlich Politiker, aber auch Drogenbosse, Millitärchefs und bewaffnete Gruppen.

Bemerkenswert, obwohl schon bekannt: Der russische Präsident Vladimir Putin und der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad befinden sich zusammen auf der Liste.

[via kressblog]

Heute ist Welttag der Pressefreiheit

Ein Beitrag zum Themengebiet Medienrauschen, Politikum, geschrieben am 3. Mai 2007 von Thomas Arndt

Der Welttag der Pressefreiheit am heutigen Donnerstag veranlasst zahlreiche Organisationen und Verbände zu Aktionen und Statements:

Die Vereinten Nation zeigen sich in einem am Mittwoch veröffentlichten Aufruf besorgt über die zunehmende Gewalt gegen Journalisten. “Alarmierend” nannte dies UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, wie die Netzeitung berichtete. Außerdem sprach sich Ki Moon für die Freilassung des in Gaza entführten BBC-Journalisten Alan Johnston aus.

Passend dazu: Reporter ohne Grenzen präsentiert heute im französischen Bayeux die weltweit erste Gedenkstätte für Journalisten, die während der Ausübung ihres Berufes getötet wurden. Das berichtet derStandard.

Die US Organisation Freedom House weißt in ihrem Jahresbericht zur Lage der Medien darauf hin, dass nichtmal ein fünften der Menschen weltweit in Ländern mit einer freien Presse leben. Besonders hart wird unter anderem auch Russland kritisiert, wie das Schweizer Fernsehen berichtet.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kritsiert in einer am Mittwoch vorgstellten Studie, dass “Geheimhaltung” von Staaten ingesamt als zu breit definiert werde. Ebenso Kritik gibt es an der Behandlung von Journalisten bei der Strafverfolgung, die sich aus diesem “Geheimnisverrat” ergibt. Nicht zuletzt gebe es deswegen etwa Handlunsgbedarf beim Schutz von Informationsquellen.

Die Streitthemen Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchungen und Telekommunikationsüberwachung nimmt der Deutsche Journalisten Verband (DJV) anlässlich des Tages in die Kritik. Der DJV weist darauf hin, “dass Grundrechte in ihrem Kern” nicht “außer Kraft gesetzt werden” dürfen.