Karl Ranseier ist tot!
Nein halt, eigentlich ist nur Sat.1 tot - der wohl erfolgloseste Privatsender aller Zeiten. Und das auch schon seit vielen Jahren, nur wird es uns derzeit mal wieder irgendwie bewusst. Schlaue Leute und seriöse Medienmacher glauben jetzt, auch der Journalismus stirbt, oder die Programmqualität allgemein.
Also, was passiert ist: Sat.1 hat drei “nachrichtliche” Programm-Formate eingestellt und ein paar von diesen komischen Leuten entlassen, die glauben, sie sind Journalisten, wenn sie am Badestrand jemanden fragen, wie er sich gegen die Sommerhitze schützt. Hintergrund: die ProSiebenSat.1-Mediengruppe wurde von Heuschrecken, also ausländischen Investoren gekauft, die nur aufs schnelle Geld gucken.
Die Blogosphäre beschäftigt sich sehr differenziert mit dem Thema:
Stefan Niggemeier analysiert, dass es sich bei dem, was bei Sat.1 vorgeht, weniger um den Verfall von journalistischer Qualität handelt, sondern vielmehr um die Reduzierung von Programmqualität zu Gunsten der Rendite handelt.
Auch der TVBlogger ist der Meinung, dass man die Kirche im Dorf lassen soll (haha): Schließlich ändere sich zunächst nicht so viel, man müsse die Reaktionen der Zuschauer abwarten, und ob vom vermeintlichen Abstieg von Sat.1 nicht auch andere Sender profitieren.
Mike Schnoor von Telegan Sicheltputzer sieht vor allem darin, wie die Geschichte von Seiten der Senderführung ablief eine Blamage. Hintergrund: Die Moderatoren von Sat.1 am Mittag seien während der Sender darüber informiert wurden, dass es die letzte Sendung sei (DWDL).
Pottblogger Jens Matheuszik fragt sich, wozu man Sat.1 überhaupt noch brauche? Eine Frage, die ich mir auch schon oft gestellt habe. Tatsächlich ist mir durch die Diskussion bewusst geworden, dass ich wahrscheinlich jahrelang kaum noch Sat.1 geschaut habe.
Als ich ein kleiner Junge war, da gabs noch die DDR und kein Privatfernsehen. Immer Samstags so zwischen 9 Uhr und 13 Uhr stand allerdings wohl der Sat.1-Satellit so günstig, dass man an unserem Wohnort, einem leicht schiefen 10-stöckigen Plattenbau Sat.1 empfangen konnte. Es liefen die Flinstones, Flipper und manchmal auch Western. Zu Beginn der 90er Jahre konnte ich dann Sat.1 ganz normal empfangen, ich schaute nach der Schule gerne diese Tele-Bingo Sendung. Auf Sat.1 konnte man auch jeden Samstag wechselnd Asterix, Beverly Hills Cop oder Der Prinz aus Zamunda schauen. Ansonsten lief da nicht viel. Und die Sat.1-Sendung Der heiße Stuhl mit Ulrich Meyer war da auch schon Geschichte.
Vielleicht geht es ja jetzt mit Sat.1 wieder zurück zu diesen Ursprüngen. Weg von dem Gedanken, dass Privatfernsehen auch irgendwie informativ sein muss. Vielleicht muss es konsequenterweise nichtmal unterhaltsam sein. Hauptsache es bringt irgendwem Geld.
Ich freue mich jedenfalls schon auf den letzten Satz des Nachrufes auf den Sender im Sinne von Karl Ranseier:
Der Sat.1-Satellit explodierte heute Morgen bei dem Versuch der Programm-Verantwortlichen eine 24-Stunden-Schleife Barbara Salesch zu programmieren.