ARD und die Pharma-Mafia

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, geschrieben am 5. September 2007 von Thomas Arndt

Pillen

In der ARD-Ärzteserie “In aller Freundschaft” wurde offensichtlich jahrelang Schleichwerbung für Medikamente platziert. Zwischen 2002 und 2004 soll die Bavaria-Tochter BSM 250.000 Euro allein mit Medikamentenschleichwerbung in dieser ARD-Serie eingenommen haben. Das geht aus einem Papier der PR-Agentur hervor, die die Deals eingefädelt hat. Das berichtet der Stern.

Bislang war nur bekannt, dass es in der ARD-Serie Schleichwerbung gegeben hatte, mit den neuen Enthüllungen sind nun auch die betreffenden Medikamente ans Tageslicht gekommen. Brisant: Die Pharma-Mafia hat mittels ihrer PR-Gefolgsleute auch verschreibungspflichtige Medikamente in der Serie platziert. In Deutschland ist Werbung für solche Medikamente grundsätzlich nur beim Fachpublikum erlaubt. Damit gerät die ARD und die betreffenden Akteure in besonders schlechtes Licht. Nicht nur Geldgier sondern auch Verantwortungslosigkeit müssen sich die verantwortlichen jetzt vorwerfen lassen.

Foto: Vangelis Thomaidis

Wasser und Wein: das ZDF und die Schleichwerbung PR

Ein Beitrag zum Themengebiet Mattscheibe, Politikum, Blogosphäre, geschrieben am 19. Juli 2007 von Thomas Arndt

Schleichwerbung, Kollegenschelte - zwei Stichworte unter denen die Diskussion um einen Beitrag bei Frontal 21 stand, über den ich auch berichtet hatte. Jetzt stellt sich heraus: Das ZDF predigt Wasser und trinkt selbst Wein.

Am Ende stand nämlich weniger das eigentliche Thema der Schleichwerbung im Radio und die betreffenden Sender in der Kritik, sondern Frontal 21 selbst. Blogmedien hatte recherchiert, dass auch Frontal 21 selbst über entsprechende Radiobeiträge (die allerdings als Werbung erkenntlich waren, sagt Frontal 21) für sich werben lies. Dreh- und Angelpunkt dabei sei die Audio-PR-Agentur all4radio.de. Dazu heißt es in der Selbstbeschreibung der Agentur:

all4radio ist eine der führenden deutschen Audio-PR-Agenturen. Wir versorgen alle Radiosender in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit sendefertigem Material

Als Referenz wird auch das ZDF angegeben. Zum Thema Frontal 21 (via Indiskkretion):

Das ZDF-TV-Magazin „Frontal 21“ wird von all4radio mit umfangreicher Audio-PR begleitet, um die Sendung von Moderator Theo Koll noch stärker ins Bewusstsein der Radiohörer zu bringen […]

Einem Bericht von blogmedien zufolge wird das ZDF und Frontal 21 diese Art der PR allerdings einstellen, zumindest was Frontal 21 betrifft.

Achja, das ZDF selbst ist übrigens auch eine prima PR-Agentur (Stichwort Bundeswehr und Staatsferne).

Der Depp der Woche…

Ein Beitrag zum Themengebiet Funkwellen, Politikum, geschrieben am 18. Juli 2007 von Thomas Arndt

… heißt Ricky Breitengraser, Diplom-Journalist und Chefredakteur beim Privatradio Jam FM.

Warum, das erklärt Thomas Knüwer heute in einem Beitrag, der ein Thema aus dem ZDF-Boulevard-Magazin Frontal 21 aufgreift, in dem es um Radio-Beiträge geht, die von Firmen zu Werbezwecken produziert werden und den Anschein erwecken redaktionelle Beiträge zu sein.

Weil es so schön ist, kopiere ich die Ladung geballte Dummheit mal:

Breitengraser: Wenn dann zehn-, fünfzehntausend Euro fließen, warum sollten wir uns dagegen verwirren, verschwören…

Reporter: …weil das gegen journalistisches Ethos verstößt, gegen das Gebot von Trennung von Werbung und Journalismus, und Redaktion.

Breitengraser: Ich finde aber, wenn es sowieso eine Relevanz hat – wir würden es ja sowieso tun. Und wir haben auch Leute zu bezahlen…

Reporter: Es ist illegal.

Breitengraser: Es ist illegal, diese Dinge zu tun?

Reporter: Es verstößt gegen den Rundfunksstaatsvertrag.

Breitengraser: Innerhalb eines privaten Rundfunksenders?

Reporter: Ist Ihnen das nicht bewusst?

Breitengraser: Ne, tatsächlich nicht. Das ist tatsächlich nicht bewusst.”

Wer bisher böswillig mutmaßte, Blogger seien das Prekariat des Journalismus, der wird eines besseren belehrt: Privatradiomacher sind es. Bei den Trigami-PRoleten (in Anlehnung an DonA) sieht man wenigstens noch, dass es sich um Werbung handelt (und selbst geschrieben ist es in der Regel auch).

Wenn man sowas hört, dann wünscht man sich, dass den Jam-FM-Machern und ihren fremdgesteuerten Kollegen in diesem Land dasselbe Schicksal wie den Sat.1-Leuten widerfährt und sie von einer ausländischen Heuschrecke durch dressierte Affen ersetzt werden.

Nachtrag: Breitengasers Statement gibts auch als Video (via massenpublikum, Hauptstadtblog).

Nachtrag 19.07.: Blogmedien hat einen kritischen Beitrag über die Kritik an der Schleichwerbung geschrieben (siehe auch die Trackbacks.