
Wer sich für das Thema Call-In-TV und die Kritik an den Methoden der Veranstalter interessiert, dem sei das aktuelle Spiegel Sonderheft zum Web 2.0 nahegelegt. Auf vier Seiten beschreibt Spiegel Autor Jochen Bölsche die Geschichte von Marc Döhler, der es sich quasi zum Ziel gemacht hat, gegen die Methoden der Call-TV-Betreiber vorzugehen.
Beginnend Anfang 2006 beschreibt Bölsche wie Döhler das Forum Call-In-TV.de gründete und wie dort begonnen wurde das Programm der Sender mitzunschneiden: “Ins Netz gestellt, könnten die Videos Presse und Justiz, Behörder und Gesetzgeber gegen die Bauernfängerei mobilisieren.”
Bölsche beschreibt auch nochmal ausführlich die Methoden der Call-In-TV-Sendungen, und bezieht sich dabei offensichtlich zum großen Teil auf die Videomitschnitte aus Doehlers Forum. Mit dabei auch mein persönlicher Favorit zur Quizfrage “Tiere mit S” - der Stirnlappenbasilisk, den ich auchmal auf diesem Blog eingebettet habe. Im Gegensatz zur Saigon-Antilope oder dem Samtstirnkleiber hatte den aber damals offensichtlich wirklich jemand eraten.
Besonders nett, auch an 9Live-Liebling Max Schradin wird kein gutes Haar gelassen. Live auf Sendung droht er dem ihm damals nur als “Morc vom Orc” bekanntem Doehler juristische Konsequenzen an, unerlässt diese dann aber und macht sich On Air lieber über die “grünen Gnome” lustig.
Auch die aktuellen Pannen bei 9Live und die Kritik an den Landesmedienanstalten finden sich im Spiegel-Artikel wieder. Da sich der Spiegel-Artikel aber hauptsächlich auf 9Live konzentriert, fehlen Hinweise auf den zweiten deutschen Call-In-Betreiber Callactive, mit dem Marc Döhler schon mehrfach juristische Auseinandersetzungen hatte. Warum darauf nicht hingewiesen wurde, verstehe ich nicht. Immerhin macht es deutlich welche Konsequenzen es hat, sich mit Goliath anzulegen. Schließlich steht der Artikel unter dem Leitmotiv David (bzw. Zwerge, grüne Gnome) gegen Goliath.
Der Autor des Spiegel-Beitrags stellt sich ganz auf die Seite der Call-In-Tv-Kritiker, die Gegenseite kommt nicht zu Wort. Außer der vermutlich exklusiven Quelle des Medienwissenschaftlers Hans J. Kleinsteuber bezieht Bölsche seine Informationen wahrscheinlich hauptsächlich aus dem Internet, Fernsehen oder von Doehler selbst. Dennoch ist der Artikel unterhaltsam und lesenswert und fast die Thematik wunderbar zusammen.
Inhalt des Spiegel Specials
Schwerpunkt Call-In-TV auf Medienblogger